• 7 (plus 1) Erkenntnisse, die Vereine aus Corona und anderen Krisen ziehen können

    Erkenntnis 4: Mitglieder zahlen weiter, wenn sie wissen, warum.

    Die Corona-Pandemie hat uns vor nie geahnte Herausforderungen gestellt und viele an den Rand ihrer Belastbarkeit gebracht. Doch sie hat uns auch einen Spiegel vorgehalten und gezeigt, wo Lücken im System sind, die uns vorher so nie aufgefallen sind.


    Auch mit Blick auf unsere eigene Vereinstätigkeiten, hatten wir ein paar AHA-Momente, die uns für unsere zukünftige Arbeit beeinflussen werden. In diesem Artikel wollen wir euch an unseren Erkenntnisse teilhaben lassen und Lösungsvorschläge aufzeigen.

    Erkenntnis 1: Szenarien, die wir uns nicht vorstellen können, können eintreten. Nichts ist sicher.

    Hätte sich jemand vorstellen können, dass der Spielbetrieb für ein komplettes Jahr eingestellt wird?


    Wir konnten es nicht. Und auch ein paar andere Dinge können bzw. wollen wir uns eigentlich nicht vorstellen:
    „Unsere Einnahmen werden auf 0 sinken!“ „Ehrenamt wird es nicht mehr geben.“ „Sportvereine werden nicht mehr existieren.“


    Doch die Pandemie hat uns gelehrt: All diese heute noch unvorstellbaren Szenarien können in der Zukunft Realität werden – auch unabhängig von Corona. In der Startup-Welt wird z.B. längst angenommen, dass Sportvereine ein Auslaufmodell sind (auch wenn wir da unser Veto einlegen würden).


    Sie finden: Vereine befinden sich seit 10 Jahren auf dem absteigenden Ast, sind nicht zukunftsfähig aufgestellt und zu langsam, um mit der Geschwindigkeit aktueller Entwicklungen mitzuhalten. Über 3.000 Sportvereine wurden in den letzten 10 Jahren aufgelöst. Nutznießer sind Sport-Startups, die auf die Wünsche der Bevölkerung zugeschnittene Angebote bereitstellen.


    Und die wünscht sich vor allem Flexibilität. Mittwoch Abend, 20 Uhr, Training ist das Gegenteil von Flexibilität.
    Aus keinem anderen Grund bauen Freeletics, Urban Sports Club und Runtastic Alternativ-Produkte und erhalten hierfür Millionengelder von Investor*innen. Es liegt nun an den Vereinen selbst, zu beweisen, dass Vereine in 20 Jahren noch genauso essenziell für unsere Gesellschaft sind, wie sie es auch schon vor 50 Jahren waren.

    Was du noch heute tun kannst: eine Risiko-Analyse durchführen

    Nimm dir 10 Minuten Zeit, einen Zettel und Stift und erstelle eine Risiko-Analyse für deinen Verein.
    Was außer Corona kann noch passieren, was dazu führt, dass deine Einnahmen in kürzester Zeit einbrechen? Oder dass die Existenz deines Vereins bedroht ist? Hier nur ein paar Beispiele:

    • Du hast einen Groß-Sponsor oder Mäzen und dieser geht insolvent / springt ab / kürzt seine Ausgaben wegen Wirtschafts-Krisen. Wenn ein Großteil deiner Einnahmen von diesem kam, bist du relativ schnell in einer misslichen Lage
    • Deine Spieler*innen mögen den*die Trainer*in nicht und wechseln gesamt zum Nachbarverein
    • Es gibt einen Rassismus / Sexismus Vorfall oder andere Fälle in deinem Klub und die Mitglieder verlassen in großer Anzahl deinen Verein.
    • Du finanzierst dich über Fördergelder, aber die Stiftung deines Vertrauens ändert ihre Strategie
    • Deine Ehrenamtlichen brechen alle auf einmal weg, weil sie privat andere Prioritäten setzen (müssen) und ihr findet niemanden, der nachfolgt.
    • Die Mitglieder schwinden und zwar so schnell, dass ihr nicht so schnell hinterherkommt, um die Lücke zu schließen.
    • Es kommen starke Konkurrenten aus dem For-Profit-Sektor auf den Markt, die Millionen-Investitionen im Rücken haben.
    • usw.

    Nicht alles ist vorstellbar (Corona), aber manches ist vorhersehbar (Markt-Trends). Es kann helfen, sich einmal im Jahr anzuschauen, wohin sich die Bevölkerung entwickelt und was es für neue Trends gibt. Denn die Konkurrenz aus dem For-Profit-Sektor schläft nicht. Und die haben Vollzeit-Arbeitskräfte und viel Geld im Rücken.
    (Lies hierzu auch: 6 Ziele für deine Vereinsfinanzen)

    Erkenntnis 2: Save for a rainy day

    Für Privatpersonen gilt: 3-Netto-Monatsgehälter sollten auf dem Konto sein. Das ist der Mindest-Notgroschen, wenn es dazu kommen sollte, dass man seinen Job verliert und das Einkommen auf 0 sinkt.
    Bei Vereinen sieht das leider meist anders aus. Von der Hand in den Mund ist hier eher die Devise. Unter anderem auch wegen des Mythos, dass Vereine keine Rücklagen bilden dürfen.
    Das stimmt so auch. Nur gibt es viele Ausnahmen von der Regel der „zeitnahen Mittelverwendung“, der gemeinnützige Organisationen unterliegen.


    So dürfen Vereine unter anderem Rücklagen für Betriebsmittel bilden und dabei laut Vereinswiki sogar Gelder für 12 Monate ansparen. Damit können Gehälter, Mieten, Übungsleiter*innenpauschalen auch in schweren Zeiten weiter gezahlt werden.

    Was du noch heute tun kannst: Rücklagen bilden

    Starte noch heute damit, Gelder für den Notfall monatlich zurückzulegen und für die prognostizierte Wirtschaftskrise nach Corona vorzusorgen. Tipps dazu, findest du in unserem Artikel zur finanziellen Reichweite.

    Erkenntnis 3: Wenn du in einer Krise schnell Geld brauchst, sind Banken und Kommunen zu langsam. Baue auf deine Vereins-Community und mach Crowdfunding.

    Banken, Kommunen und der Staat betreuen nicht eigenes Geld, sondern fremdes Geld. Im Falle der Nothilfen handelt es sich z.B. um Steuergeld. Im Falle der Banken, um das Geld, welches wir Bürger*innen den Banken anvertrauen.


    Dementsprechend gibt es dort Prozesse, die sicherstellen sollen, dass das fremde Geld auch richtig eingesetzt wird. Es kommt zu bürokratischen Prozessen á la „Wir bräuchten dann noch dieses unterschriebene Formular.“ „Wir melden uns … in 3 Monaten.“


    Das führt dazu, dass es lange, wenn nicht sogar sehr lange dauert, bis finanzielle Hilfen auf dem Vereinskonto sichtbar werden. Zum Glück habt ihr als Vereine einen wahnsinnig wichtigen Joker in der Hinterhand: Eure Mitglieder!Wer sich absichern möchte, kann sich nicht nur über Rücklagen absichern (siehe Punkt 2). Ein großes Netzwerk kann bei kurzfristiger Geldnot Gold wert sein.


    Denn es gibt unfassbar viel Geld, welches von heute auf morgen auf dem Konto eines Vereins landen kann.
    Das Geld von Privatpersonen. Sie können über ihr Geld selbst entscheiden, und es auch sofort überweisen. Dafür müssen sie nicht ihren Chefin fragen und auch keine Formulare und Verträge vorab unterzeichnen.

    Wie das erfolgreich funktioniert, haben die hunderten von Crowdfunding-Kampagnen auf den Plattformen von Startnext, fairplaid, betterplace und Co. gezeigt.

    Was kannst du noch heute tun? Community-Building-Maßnahmen durchführen

    Fokussiere dich auf den Aufbau einer loyalen Vereins-Community. Ein Anfang kann sein, sicherzustellen, dass du überhaupt alle deine Mitglieder erreichen kannst. Besitzt ihr alle E-Mail-Adressen, auch von den verschiedenen Elternteilen? Von früheren Vereinsmitgliedern, die umgezogen sind?


    Wenn nicht, starte heute damit, diese Kontaktdaten mit Einverständnis der Personen einzusammeln und in einer (natürlich datenschutzkonformen Liste) zu dokumentieren.


    Verbreite zudem deine Social Media-Kanäle immer und überall in der Kommunikation, sodass du auch dort deine Community erreichen kannst.


    Zudem kannst du dir Anlässe überlegen, wo die Menschen auch außerhalb des Trainings- und Spielbetriebes zusammenkommen. Feiern, gemeinsam bei Spielen zusehen etc.

    Erkenntnis 4: Menschen zahlen auch ohne Spielbetrieb weiter, wenn sie wissen, warum.

    Der Mensch ist ein Schnäppchenjäger: Qualität ja, aber bitte nicht zu teuer. Vereinsbeiträge von durchschnittlich 8€ im Monat passen da hervorragend ins Beuteschema.

    Hinzu kommt, dass durch kommerzielle (Sport-) Anbieter das Bild in unseren Kopf gepflanzt wurde, dass Sportvereine ebenfalls Dienstleister sind. Die logische Schlussfolgerung „Ich zahle doch Mitgliedsbeitrag, also habe ich auch Anspruch auf X, Y, Z.“ Doch 8€ Mitgliedsbeitrag reichen nicht aus, um den Erwartungen gerecht zu werden, ohne dass Personen sich komplett selbstaufopfern zu müssen.

    Das Problem: Fällt der Anspruch weg, sehen Mitglieder auch nicht ein, weiterhin zu zahlen. Sie gehen, sobald die Leistung wegfällt.

    Was vielen Mitglieder jedoch überhaupt nicht bewusst ist:

    • wie sich Vereine finanzieren
    • welche Kosten sie haben
    • welcher Aufwand Ehrenamtliche haben
    • und dass viele Trainer*innern nicht bezahlt werden


    Dadurch entsteht eine falsche Erwartungshaltung. Eine Erwartungshaltung, der jedoch ganz leicht entgegengewirkt werden kann.

    In Gesprächen mit Vereinen kam heraus: Mitglieder waren vor allem enttäuscht, warum der Verein nicht aktiv kommuniziert hat, was mit dem Geld passiert.

    Wurde es den Mitgliedern in einer ruhigen Minute erklärt, kam in den meisten Fällen ein „Achso“. Es kommt zum Verständnis für die Situation und damit auch zur Weiterzahlung des Beitrages – ohne weitere anstrengende Diskussionen.

    Wie in so vielen Situationen heißt das: Kommunikation ist der Schlüssel.

    Was kannst du noch heute tun? Schreibe einen Transparenzbericht

    Es ist leider nicht ausreichend, das Budget einmal im Jahr bei der Mitgliederversammlung zu präsentieren, bei der rund 2% der Mitglieder erscheinen.

    Schreibe besser einen kleinen Transparenzbericht und erkläre z.B. in einem Newsletter, wie der Verein sich finanziert und wie die Gelder ausgegeben werden. Ecosia, die Tomorrow Bank und andere soziale Startups machen es vor.
    Du kannst die Zahlen auch an den Mitgliedsantrag anhängen, sodass schon beim Eintritt diese Zahlen mitkommuniziert werden.

    Lege zudem einen Account bei der Initiative transparente Zivilgesellschaft an und veröffentliche regelmäßig Zahlen zu Mittelherkunft (von wem kommt euer Geld?) und Mittelverwendung (wie wird das Geld ausgegeben?)
    Allgemein kann es hilfreich sein, in Krisenzeiten lieber mehr als weniger zu kommunizieren.


    Erkenntnis 5: Seinen Vereinshaushalt zum Großteil auf Sponsoren zu bauen, kann riskant sein.

    Sponsoring ist als Finanzierungsmittel weit verbreitet, zumindest in semiprofessionellen Vereinen.

    Aber: Sportförderung ist nicht der Unternehmens-Zweck von Sponsoren. Deswegen sind Sponsoring-Verträge meist die ersten Verträge, die gekündigt werden, wenn es eine Krise gibt.

    Dabei muss es sich nicht einmal um eine globale oder nationale Krise handeln. Es reicht, wenn es sich um eine Unternehmens-Krise handelt, also das Unternehmen sich in einer schwierigen Phase befindet. Ab dem Zeitpunkt rutschen Sponsoring-Verträge in der Prioritätenliste ganz weit nach unten.

    Was du heute tun kannst: Prüfe dein Budget und die Verhältnisse

    Prüfe, welchen Anteil Sponsoring-Gelder an deinem Vereins-Etat haben. Machen diese über 60% des Etats aus? Dann könnte es sein, dass ihr handeln solltet und z.B. mehr Gelder über Mitgliedsbeiträge, Spenden, Förderungen oder andere Finanzierungssäulen einnehmen solltet.

    Erkenntnis 6: Vereine spielen in der Politik eine untergeordnete Rolle und müssen in der Lobby-Arbeit dringend nachholen.

    Was wirklich wichtig ist, merkt man, wohin investiert wird.

    Und hier zeigte sich während der Pandemie nur allzu deutlich, dass der Sport und seine Vereine eine eher untergeordnete Rolle spielen.

    Denn bei Fördermaßnahmen wurden Vereine als Letzte bedacht, nach der Wirtschaft.
    Unverständlicherweise, denn Sportvereine sind mehr als ein reiner Zeitvertreib. Sie erfüllen wichtige gesundheitsfördernde und soziale Aufgaben und sind daher unerlässlich für unsere Gesellschaft. Entsprechend selbstbewusst können sie auftreten.

    Heißt wiederum für die Vereine: Vereinsvertreter*innen und Verbände müssen in Lobby-Arbeit investieren, um auch die Politik immer wieder dran zu erinnern. Nur so können Vereine in der nächsten Krise besser wahrgenommen werden und einen Platz am Verhandlungstisch erhalten.

    Was du als Verein noch heute tun kannst: Erstellt eine Position „Lobby-Arbeit“ im erweiterten Vorstand


    Erstelle einen Ordner „Lobby-Arbeit“ und beginne, zu recherchieren, was deine Rechte als Sportverein sind.
    Rufe 3 Vereine an und frage an, ob ihr euch bei vereinsübergreifenden Themen zusammenschließen wollt. Beispielsweise zur Hallenverteilung.

    Das heißt für die Zukunft: Kooperation statt Konkurrenz. Legt eure Vereinsbefindlichkeiten zur Seite und schließt euch zusammen, um gemeinsam mehr Verhandlungsmacht zu haben.

    Für die Zukunft kann es bedeuten, dass ihr eine*n Lobby-Beauftragte*n in eurem Verein einführt, der*die sich dem Thema Lobby-Arbeit in Richtung Sportamt, Stadt, Verbände annimmt und eure Interessen dort vertritt.

    Erkenntnis 7: Unternehmen und Engagierte brauchen Vereine nicht zum Überleben. In Krisenzeiten werden sie geskippt.

    Diese Beobachtung schließt sich dem obigen Punkt an.

    Was die Gesellschaft und die Menschen zum Überleben benötigen, merkt man dann, wenn es zu Krisenzeiten kommt. Denn dann wird geskippt, was nicht zum Überleben notwendig ist.
    Und während Corona – oder auch in sonstigen Krisenzeiten – wird das Engagement für Vereine häufig geskippt. In Unternehmen sowie bei Ehrenamtlichen.

    • Unternehmen streichen in Krisenzeiten Sponsoring-Verträge und Spendengelder.
    • Corona, Scheidung, Tod, Krankheit, Pflege eines*r Angehörigen, zu viel zu tun, Erschöpfung, Burnout: Sobald im Leben eines Menschen eine private Krise auftaucht, bleibt für Ehrenamt keine Zeit und Energie mehr. Privatpersonen geben in persönlichen Krisenzeiten ihr ehrenamtliches Engagement auf.

    Das liegt daran, dass wir Überleben mit Finanziellem verbinden. Denn ohne Geld fehlt uns sprichwörtlich „die Luft zum Atmen.“ Geld zahlt unsere Wohnung, unser Essen. Solange es kein Grundeinkommen gibt, benötigen wir Geld, um unser Überleben zu sichern.

    Und Vereine spielen im finanziellen Überleben von Unternehmen und Engagierten eine stark untergeordnete bist eigentlich überhaupt keine Rolle.

    Das bedeutet: Engagement für Vereine mit Hilfe von Zeit oder Geld ist ein Luxus-Gut.

    Und solange Vereine nicht Teil des Überlebens von Unternehmen und Engagierten werden, wird das wohl auch weiterhin so bleiben.

    Wollen Vereine, dass sich die Menschen und die Wirtschaft auch in Krisenzeiten weiterhin engagieren, müssen Vereine auch im Überlebensmodus eine entscheidende Rolle spielen.

    Was du heute tun kannst: Fokussiere dich auf das, was Menschen zum Überleben benötigen. Eine Community.

    Eine starke Vereins-Community spielt hier eine große Rolle. Denn der Zusammenhalt der Menschen ist etwas, was die Menschen zum Überleben benötigen: zwischenmenschliche Beziehungen. Füreinander da sein, wenn es bei einer Person mal schlecht läuft.

    Es ist die Komponente, die die Wirtschaft, Fitness- und Yoga-Studions häufig nicht liefern. Eine Familie.
    Genau hier können Sportvereine daher punkten – doch auch hierfür braucht es Engagement.

    In allen Mitgliederumfragen, die Vereine innerhalb unseres Hauptamt-ready-Programmes durchgeführt haben, haben sich in allen Vereinen die Mitglieder vor allem eins gewünscht: Mehr Aktivitäten außerhalb des Sport- und Spielbetriebes.

    Und mit allen, meinen wir in wirklich allen Vereinen.

    Bedeutet: Liefern Vereine diese wichtige Konstante, können sie auch neben dem finanziellen Überleben weiterhin als wichtiger Faktor wahrgenommen werden – und somit in der Priorität der Menschen eine große Rolle spielen.
    Weihnachtsfeier, Season-Opening-Feier, regelmäßiges Essengehen nach dem Spiel, gemeinsame Spieleabende, gemeinsam zu anderen Vereinen zum Zuschauen gehen. Es gibt viele Anlässe, um die Menschen zusammenzubringen.

    Erkenntnis 8: Ehrenamt ist der Politik wichtig, Hauptamt ist der Politik wichtiger. Vereine haben wenig bis keine Verhandlungsmasse gegenüber der Politik.

    Die folgende Beobachtung bezieht sich nicht auf den einzelnen Verein, sondern den ganzen Vereins-Sektor. Diese Aussage könnte kritisch hinterfragt werden. Also meldet euch gerne, wenn ihr hierzu eine andere Erkenntnis / Einsicht / Meinung habt.

    Aber: Immer wieder wird beteuert, wie wichtig Vereine und das Ehrenamt für die Gesellschaft sind, auch von der Politik.

    Unterstützt wurden die Ehrenamtlichen in der Corona-Zeit jedoch vor allem mit einem: noch mehr Bürokratie-Aufgaben. Diese Bürokratie ist auch notwendig (siehe Punkt 2). Kann aber von den Vereinen nicht mit der notwendigen Struktur abgedeckt werden.

    Was wir daraus lesen: Vereine und Ehrenamt sind der Politik wichtig. Doch Unternehmen und Arbeitsplätze scheinen der Politik wichtiger.

    „Zahnloser Tiger“ ist nur eine Bezeichnung, die auf die fast schon verzweifelten Forderungen von Verbänden und Interessensvertretungen gefallen sind, die alles versuchen. Und doch am Verhandlungstisch nichts einbringen können.
    Denn anders, als der Wirtschafts-Sektor, hat die Zivilgesellschaft wenig in der Hand. Ehrenamtliche streiken (zumindest bisher) nicht. Vereine können keine Menschen arbeitslos machen.

    Möchten Vereine in der Zukunft eine größere Rolle in der Politik spielen, müssen sie die Währung liefern, mit der Politiker*innen handeln und die Sprache sprechen, mit der Politiker*innen sprechen.

    Und die Währung der Politik heißt: Arbeitsplätze.

    Arbeitsplätze sind der Grund, wieso der Staat nicht aus der Kohle aussteigt, Arbeitsplätze sind der Grund, wieso Tesla eine Milliarden-Förderung erhält, Arbeitsplätze sind der Grund, wieso Großkonzerne mal eben ein paar Milliarden Überbrückungskredit erhalten.

    Vereine dagegen haben wenig Verhandlungsspielraum. Weil sie aktuell eine Parallelwelt zum Wirtschaftssystem darstellen. Sie können fordern und fordern und fordern, haben aber wenig in der Hand, um ihre Forderungen auch mit entsprechendem Druck durchzusetzen. Noch dazu haben sie nicht die (personellen wie finanziellen) Ressourcen, um die Öffentlichkeit ins Boot zu holen.

    Was der Vereinssektor noch heute tun kann: Verhandlungsmasse aufbauen

    Die Politik hat einen der größten Hebel auf die Zivilgesellschaft. Nimmt sie ihre Investitionen zurück, wackelt die ganze Zivilgesellschaft. Saniert sie Sporthallen nicht, können Sportvereine keinen Sport mehr anbieten.

    Und dennoch kümmern sich die wenigsten Vereine und Verbände mit hoher Wichtigkeit um Lobby-Arbeit oder darum, Verhandlungsspielräume zu gestalten. Und damit Einfluss auf einen der größten Einfluss-Faktoren zu nehmen.

    Hier sind nur einige Ideen, die deshalb auf der bereits schon überfüllten To Do-Liste von Ehrenamtlichen eigentlich noch Platz finden müsste.

    • Mehr Ressourcen (Zeit und Geld) in Lobby-Arbeit investieren
    • Sich stärker zusammenschließen und Netzwerke bilden
    • Sich stärker wirtschaftlich aufstellen und damit auch in Krisensituationen als wichtiger Faktor wahrgenommen werden

    FAZIT / TAKEAWAYS:

    • Vereine und das Ehrenamt sind ein „nice-to-have“, aber wenn es hart auf hart kommt, fahren Politik und Bevölkerung das Engagement herunter oder streichen es sogar komplett.
    • Wenn Vereine lernen, wie Lobby-Arbeit funktioniert und sich stärker politisch engagieren und zusammenschließen, haben sie bei der nächsten Krise bessere Chancen.
    • Kommunikation und Transparenz sind wichtig, möchten Vereine Unterstützung von der breiten Bevölkerung erfahren (was ihnen wiederum mehr Verhandlungsspielraum gegenüber der Politik bietet).

    Was sind eure Fazits? Habt ihr noch etwas zu ergänzen? Schreibt es uns an hallo@klubtalent.org und wir fügen es dem Artikel hinzu.

  • Was, wenn alle Sportvereine ihren Mitgliedsbeitrag um 7 Euro erhöhen? Ein Gedankenexperiment

    1,61 Milliarden Euro – jedes Jahr. Kann man machen.

    8 Euro – so hoch ist laut Sportentwicklungsbericht 2017/2018 der durchschnittliche Mitgliedsbeitrag in einem Sportverein für Erwachsene (für Kinder beläuft er sich auf 3€ im Monat).
    Hierfür bekommen die Mitglieder im besten Fall:

    • Mehrmals die Woche Training
    • ein lizenziertes Trainer*innenteam
    • einen organisierten Wettbewerbs-Spielbetrieb mit Schiedsrichterinnen, Kampfgericht und mehr
    • Zugang zu städtischen Hallenzeiten
    • Bälle und Trikots zur Verfügung
    • Turniere, Camps, Sommerfeste oder Barbeques mit der Vereins-Community

    Runtergebrochen sind das:

    • 2 Euro pro Woche
    • oder 50 Cent pro Trainingseinheit (bei zwei Trainingseinheiten die Woche)
    • oder 33 Cent, wenn man den Spieltag noch mit einberechnet.

    Gut, 50 Cent pro Trainings-Einheit für die einzelne Person. Aber wenn hunderte Mitglieder trainieren, dann lohnt sich das doch für den Verein!?

    Nicht ganz. Sportvereine können nicht bis ins Unendliche wachsen.

    So können Basketball-Teams meist nicht mehr als 15-18 Spieler*innen aufnehmen, dann muss meist eine zweite Mannschaft aufgebaut werden – mit entsprechenden Kosten. Auch sind Sportvereine an lokale Grenzen gebunden. So werden Kinder aus einem Ort oder Stadtbezirk seltener den Weg in einen Sportverein aus einem anderen Dorf oder Stadtbezirk finden.

    50 Cent pro Trainingseinheit bei wenns hoch kommt 18 Spieler*innen. Das macht höchstens 9 Euro pro Trainingseinheit.

    Der Mindestlohn alleine liegt bei rund 10 Euro pro Stunde. Man muss kein BWL-Studium haben, um zu erkennen: Das rechnet sich nicht.

    Dass Vereine chronisch unterfinanziert und jeden Cent dreimal umdrehen müssen, sollte spätestens jetzt niemanden mehr überraschen.

    Dabei muss das gar nicht sein.

    Vereine erhalten bereits jetzt fast den doppelten Mitgliedsbeitrag vom Bund für z.B. Kinder und Jugendliche aus Familien, die wenig Geld haben

    Denn laut Teilhabe-Paket erhalten Vereine pauschal 15€ pro Monat für Mitgliedsbeiträge und damit beinahe das Doppelte von dem, was sie von Nicht-Arbeitslosen verlangen, die laut Studien im Sportverein im Übrigen auch zumeist aus gehobenen Bildungsschichten kommen.

    Wir starten deshalb ein kleines Gedankenexperiment: Was könnte es bedeuten, wenn alle Sportvereine ihren Mitgliedsbeitrag um 7 Euro erhöhen würden und damit der Schnitt auf 15€ pro Monat steigt?

    1,61 Milliarden Euro mehr pro Jahr – ohne einen Förder-Antrag stellen zu müssen

    Im deutschen Sport gibt es vor Corona rund 24 Millionen Mitgliedschaften. Nehmen wir an, dass davon 20% nicht vom Teilhabe-Paket gefördert werden und es sich auch sonst nicht leisten können, dann sind wir bei 19,2 Millionen Mitgliedschaften.

    Wenn 19,2 Millionen Mitglieder 7 Euro mehr Mitgliedsbeitrag im Monat bezahlen, sind das:

    • 134,4 Millionen Euro mehr pro Monat oder auch
    • 1,61 Milliarden Euro mehr pro Jahr.

    Bis 2030 wären das 14,45 Milliarden Euro, die in deutsche Sportvereine fließen könnten.

    Für das zusätzliche Geld müssten Vereine auch keine zusätzliche Zeit aufwenden. Denn das wäre notwendig, um die gleiche Summe über Fördergelder von der Kommune, dem Bund, Spender*innen oder Sponsoren zu erhalten. Zeit, die den Ehrenamtlichen dann wiederum fehlt, die so wichtigen gesellschaftlichen Projekte umzusetzen, für die sie aber eigentlich ehrenamtlich tätig sein wollen.

    Nicht mit einberechnet haben wir, dass Vereine mit mehr Geld auch mehr Mitglieder gewinnen. Denn die kommen vor allem dann, wenn sich jemand darum kümmert, neue Mitglieder in den Verein zu holen. Und laut des Surveys 2017 des Marktforschungsinstituts „Zivilgesellschaft in Zahlen“ steigen die Mitgliederzahlen in den Vereinen, die neben dem Ehrenamt noch zusätzlich bezahltes Personal eingestellt haben. Personal, welches Vereine sich nur leisten können, wenn es eine nachhaltige Gegenfinanzierung für die Personalstellen gibt.

    Nur eine der Möglichkeiten, die sich Vereinen eröffnen würden, wenn sie dieses Geld zur Verfügung hätten. Wir zeigen euch deswegen auf, was man mit dem Geld alles machen könnte.

    Was bedeutet es für Deutschland, wenn Sportvereine 1,61 Milliarden Euro jährlich mehr zur Verfügung haben?

    32.000 Vollzeitstellen oder 64.000 Teilzeitstellen oder 535.000 Übungsleitende

    Eine 3.500 Euro Brutto-Vollzeitstelle kostet einen Verein mit Sozialabgaben rund 50.400 Euro im Jahr. Mit 1,61 Milliarden Euro mehr im Jahr könnten damit also rund 32.000 Vollzeitstellen geschaffen werden.

    Menschen, die sich den ganzen Tag um nichts anderes kümmern, als hunderttausende Ehrenamtliche zu entlasten, weitere Ehrenamtliche für den Verein zu gewinnen, mehr Kinder wieder in den Verein und damit in Bewegung zu bekommen, mehr Bevölkerungsgruppen zu integrieren, die sonst nicht den Weg in den Sportverein finden und professionelle und nachhaltige Strukturen aufzubauen.

    Kurze Erinnerung: Für die Absicherung von einigen zehntausenden Arbeitsplätzen bei Lufthansa hat der Bund 9 Milliarden Euro Kredit bereitgestellt.

    Vollzeit braucht nicht jeder Verein? Ok, wir nehmen auch 64.000 Teilzeit-Jobs für die vielen Menschen, die gern mehr sinnstiftende Arbeit machen möchten, es aber zum aktuellen Zeitpunkt nicht können. Es gibt so gut wie keine bezahlte Arbeit in Sportvereinen.

    Du findest, Übungsleiter*innenpauschale reicht aus, es muss ja nicht immer gleich Hauptamt sein? Dann sag „Hallo“ zu rund 535.000 neuen Übungsleiter*innen á 250€ pro Monat, die unsere Kinder trainieren oder Schul-AG’s betreuen.

    405 Sportanlagen oder 4.025 Freilufthallen

    Eure Sportanlagen bräuchten dringend eine Sanierung? Es tropft durchs Dach und die Halle ist von vorvorgestern? Es gibt zu wenige Sportanlagen, so dass ihr um jede Hallenzeit kämpfen müsst? Mit 1,61 Milliarden Euro kann man ein paar davon bauen.

    Nehmen wir mal an, eine Sportanlage kostet 4 Millionen Euro, dann könnten 405,2 Hallen gebaut werden – jedes Jahr. Freilufthallen sind mit 400.000 € günstiger. Davon könnten also 4.025 gebaut werden – wie gesagt, jedes Jahr.

    1,6 Millionen Trikotsätze

    Bezahlte Arbeit und Hallen sind dir zu groß gedacht? Reicht ja auch, wenn erstmal alle was zum Anziehen haben. 1.000€ pro Trikotsatz, dafür könnten 1.6 Millionen Teams ausgestattet werden. „Fair produzierte Trikots können wir uns nicht leisten“ wäre dann wohl kein Argument mehr.

    5,36 Millionen Workshops für Kinderschutz, Anti-Diskriminierung oder Gewaltprävention

    Nehmen wir an, Vereine zahlen 300€ für 3-stündige Workshops, z.B. um den Kinderschutz in Vereinen sicherzustellen, Kinder und Trainer*innen in Themen wie Gewaltprävention, gewaltfreie Kommunikation, Kinderschutz oder Anti-Diskriminierung auszubilden, so wären das rund 5,36 Millionen Workshops oder auch 16 Millionen Stunden, die unsere Kinder in gesellschaftlich relevanten Themen weiterbilden.

    Realistischerweise ist das Geld nicht bei jedem Verein gleich verteilt, da jeder Verein eine unterschiedliche Anzahl an Mitgliedern hat und Vereine sich selten ihre Mitgliedseinnahmen teilen. Was bedeutet es also für einen einzelnen Verein?

    Was 7€ Mitgliedsbeitrags-Erhöhung für die verschiedenen Vereinsgrößen bedeuten

    Verein mit 100 Mitgliedern

    Ein Verein mit 100 Mitgliedern könnte mit einer Erhöhung des Mitgliedsbeitrages um 7 Euro einen 450-Euro-Job aufbauen. Buchhaltung, Social Media, den Newsletter schreiben, der schon seit Monaten geplant ist, das Vereinsfest planen, das niemand übernehmen will – darum könnte sich jemand rund 8 Stunden pro Woche kümmern.

    Bei 42 Arbeitswochen (abzüglich Urlaub, Krankheit etc.) wären das zusätzliche 336 Stunden für die gute Sache.

    Weitere 100 Euro könnten zurückgelegt werden für schwere Zeiten oder in Workshops für Kinderschutz gesteckt werden.

    Verein mit 200 Mitgliedern

    Bei 200 Mitgliedern wäre eine sozialversicherungspflichtiger Midijob leicht finanzierbar, der einen Verein rund 1.000€ im Monat kostet – inklusive Sozialabgaben.

    65 Stunden im Monat könnte dann eine Person den Vorstand entlasten und beispielsweise Fördergelder beantragen oder Crowdfunding-Kampagnen umsetzen. Wer eher auf hauptamtliche Trainer*innen setzt, kann so Schul-AG’s am Nachmittag betreuen und zusätzliches Geld in die Kasse spülen.

    Mit weiteren 400€ im Monat könnte eine Ombudsperson für Kinderschutz und Anti-Diskriminierung eingestellt werden, die dafür sorgt, dass die Kinder nicht nur auf dem Papier geschützt sind.



    Verein mit 500 Mitgliedern

    Bei 500 Mitgliedern wäre das eine gute Teilzeit-Stelle, die nachhaltig refinanzierbar wäre. 80 Stunden im Monat könnte dann eine Person den Vorstand entlastet. Das sind 960 Stunden im Jahr! Damit können ein paar der „machen wir nächsten, übernächsten, ok überübernächsten Monat, lass mal auf nächstes Jahr schieben“ – Projekte auch mal aus der Schublade herausgeholt werden.

    Zum Vergleich: Um dieselbe Zeit mit Ehrenamtlichen zu füllen, wären zusätzliche 3,4 Ehrenamtliche notwendig, die zuverlässig die im Schnitt 6 Stunden Woche Freizeitopfer bringen.

    Verein mit 1.000 Mitgliedern

    Bei 1.000 Mitgliedern wären das 84.000€ im Jahr. Eine Vollzeitstelle ist damit mehr als drin.

    Das wären 1.680 zusätzliche Stunden, um wichtige gesellschaftliche Projekte umzusetzen. Zum Vergleich: 6,7 zusätzliche Ehrenamtliche wären sonst notwendig.

    Wer das Geld nicht gleich komplett für zusätzliche Zeit ausgeben möchte, kann sich auch überlegen, eine Stelle mit einem benachbarten Verein zu teilen. Ein Teil des zusätzlichen Geldes könnte dann auch in Materielles gesteckt werden. Trikots, Bälle, weitere Ausrüstung, Jugend-Camps, gemeinsame Vereinsfeste, die die Gemeinschaft stärken. The sky is the limit.

    Eine 7 Euro-Erhöhung eröffnet den Vereinen vor allem ein: mehr Gestaltungsspielraum.

    7 Euro mehr. Das ist aber ganz schön viel!

    Wirklich? Wir wollen deshalb das Ganze ein wenig in Perspektive rücken.

    Erinnerst du dich noch, als du letztens Essen gehen warst? Weißt du noch, da, wo du 15€ gezahlt hast, um für genau 1 Stunde ein Gericht und ein Getränk zu dir zu nehmen? Oder als du dir abends für 8€ noch schnell einen Cocktail gekauft hast, von dem du genau 1 Stunde etwas hattest?

    Findest du jetzt beispielsweise 15 Euro Mitgliedsbeitrag immer noch viel für eine Leistung, von der du im Monat knapp 12 Stunden profitierst, bei der du Freunde fürs Leben kennenlernst und zudem etwas für deine Gesundheit tust, sodass du dir tausende Euros im Alter einsparst?

    Laut unseren Berechnungen müssten Vereine im Übrigen einen Mitgliedsbeitrag von 35 bis 50 Euro verlangen, um alle Kosten zu decken. Es handelt sich also selbst mit 7 Euro mehr immer noch nur um einen Solidaritätsbeitrag.

    Benachteiligt eine Erhöhung des Mitgliedsbeitrags nicht einkommensschwache Familien?

    Glücklicherweise gibt es in jedem Sportverein den ermäßigten Mitgliedsbeitrag, z.B. für Studenten, Azubis, Rentner*innen oder Arbeitslose. Kinder und Jugendliche von Sozialhilfe- und Wohngeld-Empfänger*innen werden – wie oben erwähnt – mit 15 Euro pro Monat über das Teilhabepaket von der öffentlichen Hand bezuschusst.

    Eine Erhöhung würde also vor allem die betreffen, die sich auch das zweite Auto, das Haus mit Garten und das Essen im Biomarkt aus dem Ärmel schütteln und auch mal gerne 15 Euro für einmal Essen gehen auf den Tisch legen.

    Und zu dieser Kategorie gehören die meisten Vereinsmitglieder: Laut dem Freiwilligensurvey verfügt die Hälfte der Vereinsmitglieder über einen hohen Bildungsgrad. Die Chance, dass ein Kind aus einem sozialschwachen Haushalt Mitglied in einem Sportverein ist, ist um 66% niedriger als bei allen anderen Einkommensgruppen – trotz unvorstellbar niedriger Mitgliedsbeiträge. Daran kann es also nicht alleine liegen.

    Unsere Hypothese: Kinder aus einkommensschwachen Familien kommen in den Verein, weil sie dort aktiv abgeholt werden – von Menschen, die sich darum kümmern. Zu Arbeitszeiten, in denen Ehrenamtliche oft nicht können.

    Das sieht im Übrigen auch der DOSB so. Laut DOSB Bericht „Sport ist fair?!“ sollten Sportvereine aktiv auf sozial Benachteiligte zugehen, feste Bezugspersonen anbieten und eng mit Schulen und Kindergärten zusammenarbeiten, um diese für sich zu gewinnen.

    Und damit schließt sich der Kreis: eine finanzierte Stelle beim Verein könnte auch dafür eingesetzt werden, um sozial Benachteiligte anzusprechen und zu fördern – vielleicht sogar mehr, als es ein niedriger Mitgliedsbeitrag könnte.

    Ging doch vorher auch so!

    Wir wissen, dass der Mitgliedsbeitrag ein sensibles Thema ist. Die (bisher ein klein wenig verwöhnten) Mitglieder fragen sich: Warum plötzlich mehr Geld bezahlen? Ging doch vorher auch so!

    Ging es wirklich vorher auch so?

    Wenn du einen Preis bezahlst, der die Kosten dahinter nicht deckt, bezahlen die Differenz andere.

    Unterbezahlte Trainer*innen, ausgebrannte Vorstände

    Und so gehen niedrige Mitgliedsbeiträge meist zu Lasten unterbezahlter Trainerinnen, deren Gehälter die Mindestlohngrenze selten bis nie erreichen. Zweimal Training die Woche plus Spieltag plus Organisation mit den Eltern. Dafür bekommen Trainerinnen nicht selten die stolze Summe von 50€ Übungsleiterpauschale pro Monat aufs Konto überwiesen – wenn überhaupt.

    Bei 2 Trainingseinheiten die Woche á 1,5 Stunden sowie Spielbetrieb mit z.B. 16 Spielen á 2 Stunden, sind das 152 Stunden im Jahr (abzüglich der Ferien). Das macht einen Stundenlohn von 3,90€. Zur Erinnerung: Der Mindestlohn liegt mit 9,60€ pro Stunde knapp dreimal so hoch.

    Hinzu kommen Ehrenamtliche, die sich aufopfern (müssen), weil es anders nicht geht. Laut Engagementstiftung Mecklenburg-Vorpommern ist der Spagat zwischen Vollzeitberuf, Familie und Ehrenamt nur durch totale Selbstaufopferung möglich. „Immer die Gleichen“, die sich nach 40 Stunden Job und 2 bis 3 Kinder ins Bett bringen dann noch an den PC setzen, weil es „sonst keiner macht“. Laut Sportentwicklungsbericht im Schnitt 6 Stunden die Woche – in der Realität sind die aber nicht gleich verteilt. Laut unseren Interviews verbringen 1-2 Hochengagierte bis zu 20 Stunden die Woche unbezahlt mit der Organisation des Vereins. Die restlichen Ehrenamtlichen bringen dann enstprechend weniger ein.

    Das bedeutet: Ein bis zwei Personen opfern ihre private Freizeit, damit hunderte – meist aus hohen Bildungsschichten stammende Mitglieder – nicht ein paar Euro mehr im Monat bezahlen (müssen).

    Das bedeutet: Die Kosten werden von Privatpersonen getragen, aber die positiven Auswirkungen auf die Gesellschaft, davon profitiert am Ende Alle. Wir privatisieren die Kosten und vergesellschaftlichen die Gewinne.

    Ist das fair?

    Fehlende gesellschaftliche Wirkung

    Zu guter Letzt tragen wir alle die Kosten. Denn ohne die entsprechenden Zeit- und Geld-Ressourcen können Sportvereine ihr Angebot nicht erweitern, nicht verbessern und ihre soziale Bildungswirkung nicht vollständig entfachen.

    Zusätzliche Angebote für Mädchen, Ältere, Obdachlose, Flüchtlinge, Behinderte, Kinderschutz-, Anti-Diskriminierungs- und Gewaltpräventions-Maßnahmen? Dafür benötigt Ehrenamtliche viel Zeit und Energie. Energie, die sie aber aktuell damit verbringen müssen, Geld von irgendwo anders, als den eigenen Mitgliedern zu bekommen, um die horrenden Lücken zu schließen. Die Folge unter anderem: 23% der Sportvereine engagieren sich nicht aktiv im Kinderschutz. Neben dem Spielbetrieb bleibt meist einfach keine Zeit.

    Wer sich gut ausgebildete Trainer*innen, intakte Sporthallen, hochwertige Sportgeräte, ein reibungsloses Vereinsleben und viel gesellschaftliche Wirkung wünscht, der wird nicht darum herumkommen, einen Blick auf den dafür notwendigen solidarischen Beitrag zu werfen.

    Fazit / Take-Aways

    Wir fassen zusammen:
    • 32.000 Vollzeit-Jobs und damit 1.680 mehr Stunden
    • 64.000 Teilzeit-Jobs und damit 890 mehr Stunden
    • 535.000 Übungsleiter*innen
    • 402 Sporthallen
    • 4025 Leichtbauhallen
    • 1.600.000 Trikotsätze

    wären möglich, wenn sich der Mitgliedsbeitrag in allen Sportvereinen um 7€ erhöhen würde.

    Da die meisten Mitglieder aus hohen Bildungsschichten stammen, ist es nicht nur eine Frages des Geldes.

    Es ist auch eine Frage der Wertschätzung – gegenüber den Ideen und Visionen der Ehrenamtlichen, die so auch umgesetzt werden können. Und gegenüber den Trainer*innen, die sich ihre Freizeit dafür nehmen, unsere Kinder zu besseren Menschen auszubilden.

    Jeder zahlt ein wenig, und am Ende haben alle viel davon. Eine Erhöhung um 7€ ist für das, was wir als Gesellschaft dafür bekommen, also eigentlich fast noch zu klein gedacht.

  • Wie du entscheiden kannst, ob Hauptamt das Richtige für deinen Verein ist (inkl. Tool)

    Welchen Preis bezahlst du, wenn du es tust. Und welchen, wenn du es nicht tust?

    Soll ichs wirklich machen, oder lass ichs lieber sein?

    Gehen oder bleiben? Machen oder nicht machen? Sparen oder investieren? Entscheidungen können uns den Kopf zermartern. Und eine hauptamtliche Stelle einzuführen ist eine Entscheidung, die man nicht „mal eben schnell“ trifft.

    Deswegen möchten wir euch im Laufe der Zeit verschiedene Methoden vorstellen. Mit diesen könnt ihr herausfinden, ob eine hauptamtliche Stelle das Richtige für euren Verein ist. Es lohnt sich immer, diese Methoden durchzuführen. Auch dann, wenn ihr keine hauptamtliche Stelle plant.

    In der Methode in diesem Artikel geht es nicht darum, was du alles in welcher Konstellation gewinnst. Sondern es geht darum, was du alles in welcher Konstellation verlierst. Deine Entscheidung basiert in dieser Methode darauf: Welchen Preis bist du bereit zu bezahlen?

    Gliederung dieses Artikels:

    • Es wird immer ein Preis bezahlt.
    • Welchen Preis bezahlst du mit Hauptamt, welchen mit Ehrenamt?
    • Typische Sätze, die du bei der Entscheidung ausblenden kannst.
    • Häufige Fragen
    • Was, wenn wir eine falsche Entscheidung treffen?
    • Wieso wir uns für die Förderung von Hauptamt entschieden haben.

    Denn: Es wird immer ein Preis bezahlt

    Wer an Ehrenamt denkt, denkt auch meist: Es ist kostenlos.

    Aber ganz stimmt das nicht.

    Zwar sind die positiven Seiten, dass der Verein unabhängiger von Geld ist und – wenn er welches hat – dieses zu 100% in Projekte investieren kann.

    Doch es gibt auch einige negative Seiten. Werden Engagierte für die sinnstiftenden Tätigkeiten nicht bezahlt, müssen sie neben dem Ehrenamt noch woanders für Geld arbeiten, um überleben zu können. Und laut Gallup-Studie haben 70% der Erwerbstätigen in ihren Arbeitsstellen innerlich gekündigt. Sie laufen jeden Morgen in ein Büro, auf das sie eigentlich keine Lust haben. Um dann in ihrer Freizeit das zu tun, was sie eigentlich erfüllt, für das sie aber nicht bezahlt werden. Das hat zur Folge, dass Ehrenamtliche sich nicht mehr als im Schnitt 6 Stunden pro Woche für das Gemeinwohl engagieren können. Wenig Zeit. Häufig zu wenig. Viele wichtige gesellschaftliche Projekte können deshalb nicht oder nur sehr langsam umgesetzt werden. Das wiederum bedeutet, dass Vereine so nicht vollumfänglich ihre Wirkung entfachen können.

    Every decision comes with a trade-off.“

    Jede Entscheidung hat also immer Vor- und Nachteile. So auch eure Entscheidung, ob ihr für eine hauptamtliche Stelle bezahlen möchtet oder in eurer aktuellen Ehrenamts-Konstellation verbleibt.

    Hauptamt – machen oder nicht machen? Die „Welchen Preis bin ich bereit zu bezahlen“-Methode

    Wir wollen uns für eine Entscheidung bewusst machen, welchen Preis wir für welche Entscheidung bezahlen.

    Diese Fragen können dir dabei helfen:

    • Was kostet es uns, Hauptamt in der Vereinsorganisation einzuführen?
    • Was kostet es uns, ehrenamtlich zu bleiben?

    Dararufhin folgt die alles entscheidende dritte Frage:

    • Welchen Preis sind wir eher bereit zu bezahlen? (oder auch: Mit welchen Nachteilen können und wollen wir leben?)

    Denn es geht nicht darum, was euch wichtig ist. Es geht darum, was euch wichtiger ist.

    Um euch dabei zu unterstützen, haben wir euch ein Tool vorbereitet, welches ihr hier herunterladen könnt.

    Unternimm folgende Schritte mit dem Tool:

    1. Lade das Tool herunter.
    2. Fülle die leere Liste mit deinen Gedanken aus. Was für Nachteile fallen dir ein?
    3. Es gibt für jedes Problem und jeden Nachteil eine Lösung! Füge deshalb hinter jedem Punkt Präventionsmaßnahmen ein, mit denen du die Folgen des Nachteils abmildern kannst.
    4. Checke deine Liste mit unserer Liste quer. Gibt es noch Punkte, an die du noch nicht gedacht hattest?
    5. Schließe die Augen und visualisiere beide Szenarien. Wie sieht dein Vereinsleben in 5 Jahren aus? Einmal gehst du den Schritt in Richtung Hauptamt und Professionalisierung. Einmal verbleibst du in der aktuellen Situation. Wie fühlt es sich an?

    Typische Gedanken, die du bei einer Entscheidung ausblenden kannst:


    Triff eine Entscheidung, weil es für Euch und eure Vereins-Ziele Sinn macht, nicht …

    weil wir es uns nicht leisten können“: Die wenigsten Menschen kaufen sich eine Eigentumswohnung auf der Basis „Hab kurz aufs Konto geschaut. Jap, kann ich mir leisten.“ Sie möchten ein eigenes Heim haben, weil es für ihre Lebensziele Sinn macht und gehen dann die notwendigen Schritte, um dies zu ermöglichen. Das kann auch bedeuten, sich zu verschulden und einen Kredit aufzunehmen. Oder den Job zu wechseln, weil man dort mehr verdient und damit mehr Chancen hat, den Traum zu finanzieren.

    „weil es alle anderen auch so machen“: Für hunderte Vereine, bei denen reines Ehrenamt funktioniert, gibt es genau so viele Vereine, bei denen es nicht (mehr) funktioniert. Trefft eine Entscheidung, weil es für euch und eure Vereinssituation Sinn macht, nicht, weil es die anderen so machen. Am Ende hängt es von der individuellen Situation ab und den Menschen, die es möglich machen wollen.

    „weil wir es schon immer so gemacht haben“: Nur weil es früher funktioniert hat, muss es heute nicht weiterhin funktionieren. Das Verschwinden von Unternehmen wie AOL, Nokia oder der ein oder anderen früher mal großen Zeitung liefern hierfür die leider traurigen Beweise. Was früher funktioniert hat, muss in der Zukunft nicht weiterhin funktionieren.

    „weil dann bestimmt das oder das passiert“: Wurde bei der Einführung des Mindestlohns auch gesagt. „Die Menschen werden bestimmt in Massen entlassen werden.“ Ist nicht passiert. Sei alarmiert, wenn in deinen Sätzen Floskeln wie „es wird bestimmt…“ oder „es wird das oder das passieren…“ auftauchen. Wenn du es nicht ausprobiert hast, kannst du es nicht wissen. Bleibe offen und behalte einen „ich kann das nicht wissen“-Mindset. Es kann alles passieren. Es kann gut gehen, es kann nicht gut gehen. Wichtig ist nur: Es gibt immer eine Lösung!

    Häufige Fragen und mögliche Antworten


    Was tun mit den Nachteilen von Hauptamt?

    Helfen kann dir hier die Fear Setting-Methode von Tim Ferris. Nimm alle Ängste und Nachteile, weswegen du noch zögerst und notiere sie. Überlege dann, wie du das Eintreten des Worst Case Scenarios durch Maßnahmen im Vornhinein verhindern kannst.

    Zum Beispiel indem du schon vorher ein Rücklagenkonto aufbaust. Notiere auch, wie anstrengend es ist, das umzusetzen. Wir haben dies in das Tool eingefügt.

    Wie kann ich herausfinden, was ich als Nachteil eintragen soll, wenn ich doch noch gar kein Hauptamt habe?

    Trage einfach deine eigenen Bedenken und Zweifel ein, die dir beim Hauptamt aufkommen. Ansonsten recherchiere drei Vereine, die den Weg ins Hauptamt bereits gegangen sind und sprich mit diesen für 15 Minuten.

    Du kannst ihnen folgende Frage stellen:

    • Was für Herausforderungen hattet ihr bei der Einführung? Wie habt ihr diese gelöst?
    • Was würdest du im Nachhinein anders machen?
    • Was würdest du mir noch sagen wollen / empfehlen zu der Thematik?


    Was wenn wir uns dafür entscheiden, und es war die falsche Entscheidung?

    Wir haben oft die (schlechte) Angewohnheit, in eine endlose Gedankenschleife zu verfallen.

    Wir überdenken alles, und überdenken alles, und überdenken alles, und überdenken alles. Das führt dazu, dass wir nie eine Entscheidung treffen und folglich nie erfahren werden, was hätte sein können.

    Wir glauben, die Zukunft durch Nachdenken voraussagen zu können und darauf basierend die „richtige“ Entscheidung treffen zu können.

    Aber die Zukunft lässt sich nicht durch Nachdenken vorhersehen. Nicht umsonst heißt es: Im Nachhinein ist man immer schlauer. Es gibt auch keine „richtige“ oder „falsche“ Entscheidung. Es gibt nur machen, oder nicht machen.

    Uns ist es deshalb wichtig, euch dies mitzugeben. Wenn ihr eine Entscheidung trefft, müsst ihr diese nicht bis an euer Lebensende durchziehen. Ihr könnt diese auch einfach wieder anpassen.


    You do it, you fail, you adjust.

    Warum wir uns dafür entscheiden haben, Hauptamt in Vereinen zu fördern

    Die Idee zu Klubtalent kam, als wir genau diese Aufstellung gemacht haben.

    Und dabei gesehen haben, dass wir in unseren Vereinen weniger Kinder und Benachteiligte erreichen, wir nicht mit Schulen zusammen arbeiten oder uns mit anderen sozialen Organisationen vernetzen können.

    Einfach, weil wir als Ehrenamtliche während der Arbeitszeiten dafür keine Zeit haben.

    Wie viele Kinder spielen jetzt kein Basketball, Fußball, Handball oder betreiben Leichtathletik? Wie viele Kinder aus ärmeren Verhältnissen haben keinen Berührungspunkte mit dem Verein, weil sie nie angesprochen werden? Wie viele Geflüchtete sind nicht über den Sport integriert worden, weil niemand die Zeit hatte, dies voranzutreiben?

    Für uns ist das ein Preis, der zu hoch ist.

  • Die finanzielle Reichweite. Der vielleicht wichtigste Finanzbegriff für deinen Verein

    Stefan Merath hat mehrere Unternehmen gegründet. In einem E-Book erklärt er den aus seiner Sicht „wichtigsten Finanzbegriff, den man kennen sollte“.

    In unserem letzten Artikel haben wir 6 ungewöhnlichen Finanz-Ziele für deinen Verein vorgestellt. Eines dieser Finanz-Ziele ist: „Nachts ruhig schlafen können.“

    Kein Geld auf dem Konto zu haben und kurz vor der Pleite zu stehen führt sehr wahrscheinlich zu weniger Schlaf.

    Viele Vereine und ihre Vorstände durchleben mit der Corona-Pandemie in diesem Moment eine solche Krise. Der DOSB rechnet mit einem Mitgliederschwund von bis zu 3 Millionen Menschen bis 2021 – innerhalb eines Jahres. Einnahmen aus Turnieren und Spielbetrieb sind von jetzt auf gleich bei vielen Vereinen auf 0 gesunken.

    Aber neben Corona gibt es noch zahlreiche Situationen, die deinen Verein in eine Krise stürzen können. Vielleicht kommt eine Abteilung nicht mit dem Trainer klar und wandert komplett zum Nachbarverein. Euer Großsponsor, der bisher alles bezahlt hat, springt von heute auf morgen ab. Oder Fördergelder, mit denen ihr gerechnet habt, werden doch nicht zugesagt. Es gibt unzählige Situationen, die euch finanziell kurzfristig in große Schwierigkeiten bringen können.

    Für diese Fälle gibt es eine Lösung: die finanzielle Reichweite.

    Was ist die finanzielle Reichweite?

    Stefan Merath ist Unternehmensberater und hat selbst mehrere Unternehmen gegründet und geführt. In einem E-Book erklärt er das Prinzip der „finanziellen Reichweite“, den aus seiner Sicht „wichtigsten Finanzbegriff, den man kennen sollte“.

    Die finanzielle Reichweite ist eine Kennzahl und zeigt dir:
    Wie viele Monate überlebst du, wenn alle deine Einnahmen auf 0 sinken? (Dank Corona hinterfragt jetzt auch niemand mehr, ob das wirklich passieren kann…)

    Seine Vorgabe:

    • Alles unter 3 Monate ist Alarmstufe Rot
    • von 3 bis 6 Monaten ist Gelb
    • idealerweise hat eine Organisation aber mehr als 6 Monate Überbrückungsgeld


    Soll heißen: Im Idealfall hat dein Verein soviel Geld zurückgelegt, dass er im Krisenfall 6 Monate überleben kann, ohne dass ein Cent auf der Einnahmen-Seite auftaucht.

    Bekannt vorkommen könnte dir das aus deinen eigenen Finanzen. Bei Privatpersonen spricht man klassisch von 3 Netto-Monatsgehältern, die dir im Falle eines Jobverlusts helfen, etwas Neues zu finden. Das Prinzip ist das Gleiche, nur eben für Organisationen.

    Wie hoch ist die finanzielle Reichweite deines Vereins?

    Um herauszufinden, wie hoch deine finanzielle Reichweite ist, nimmst du laut Stefan Merath alle deine verfügbaren Zahlungsmittel (also zum Beispiel das Geld auf deinem Konto) und teilst diese durch die fixen Kosten, die dir jeden Monat entstehen (z.B. Trainer*innen-Gehälter, Versicherungen, Miete, Lizenzgebühren).

    Tipp: Fixe und variable Kosten, ist dir alles zu kompliziert? Keine Lust dich einzulesen? Dann nimm aus Gründen der Einfachheit den Schnitt aller Ausgaben, die dir monatlich entstehen.

    Hier ein vereinfachtes Rechenbeispiel:

    • Du hast 10.000€ auf dem Konto.
    • Du gibst jeden Monat rund 5.000€ aus.
    • Bedeutet: dein Verein überlebt Stand heute 2 Monate, wenn alle Einnahmen auf 0 sinken.

    Wenn diese Zahl bei 0-3 ist, ist laut Stefan Merath Zeit zu handeln. Jetzt.

    Wie baue ich eine finanzielle Reichweite auf?

    Finanz-Mogul Warren Buffet hat hier einen entscheidenden Tipp:


    „Don’t save what’s left after spending. Spend what’s left after saving.“

    Warren Buffet

    Egal, wie viel Geld du einnimmst – selbst wenn es nur 1.000€ im Monat sind -, es wird ein Teil davon für harte Zeiten zurückgelegt. Und zwar so, dass du keinen Zugriff darauf hast.

    Der Fokus liegt hier auf „Teil“ des vorhandenen Geldes. Beim oben genannten Rechenbeispiel hättest du Stand heute eigentlich kein Geld mehr zur Verfügung. Denn abzüglich der finanzielle Reichweite für 6 Monate wärst du jetzt bereits im Minus. Und das, obwohl du doch offensichtlich Geld auf dem Konto hast.

    Deswegen kann es hilfreich sein, das Geld nicht auf einmal zurückzulegen, sondern eine finanzielle Reichweite über einen Zeitraum von mehreren Jahren aufzubauen. Ausnahme: Ihr wisst gerade nicht, wohin mit dem Geld. Dann steht es euch natürlich frei, gleich die gesammte Summe zu blocken.

    Hier ist beispielsweise eine Planung für den Aufbau einer finanziellen Reichweite von 6 Monaten in einem Zeitrahmen von 5 Jahren.

    • Kosten pro Monat: 5.000 EUR
    • 6 Monate überleben: 30.000 EUR
    • Verteilt auf 5 Jahre: = 6.000 EUR pro Jahr = 500 EUR pro Monat

    Je länger du für den Aufbau einplanst, desto risikoreicher ist es für deinen Verein. Denn so lange kann immer etwas passieren, was deinen Verein ins Wanken bringt.

    Achtung: Das notwendige Guthaben für eine finanzielle Reichweite von 6 Monaten wächst mit deinen Ausgaben.

    Stellst du neue Trainerinnen oder eine Vereinsmanagerin ein, dann steigen logischerweise auch deine monatlichen Kosten. Deine finanzielle Reichweite muss dann mitwachsen. Helfen kann deshalb, sich einmal im halben Jahr anzuschauen, ob die Einzahlungen in die Rücklage überhaupt noch aktuell sind oder nach oben angepasst werden müssen. Diese Aufgabe kann im Zuge der Vorbereitung einer Mitgliederversammlung oder auch über den*die Finanzwart*in passieren.

    Was bringt es, eine finanzielle Reichweite aufzubauen?

    • Du hast mehr Sicherheit, um auch mal risikoreichere Entscheidungen zu treffen (wenn sich Menschen sicher fühlen, treffen sie mutigere Entscheidungen)
    • Deine Trainer*innen fühlen sich sicher, weil sie in Krisenzeiten nicht sofort um ihren Job bangen müssen.
    • Du bist unabhängiger von Banken und anderen fremden Geldgeberinnen, denn mit der finanziellen Reichweite bist du deine eigene Bank, die du schnell anzapfen kannst.
    • Du hast genug Überbrückungsgeld, um in Krisenzeiten verschiedene Optionen auszuprobieren und machst dich nicht abhängig von der Zustimmung von Fördergeldgebern oder Banken.
    • Aber am Wichtigsten: Du kannst auch in Krisenzeiten Ruhe bewahren und nachts ruhig schlafen.

    Wo taucht die Finanzielle Reichweite überall auf?

    In deiner jährlichen Budgetplanung:

    Die Rücklage muss mitfinanziert werden, z.B. durch die Mitgliedsbeiträge. Ein Grund, wieso 8 Euro Mitgliedsbeitrag im Monat häufig nicht ausreichen, um einen Verein stabil finanzieren zu können.

    Du kannst die Einzahlungen auf das Unterkonto „Rücklagen für Betriebsmittel (Finanzielle Reichweite)“ eintragen. Laut unserem Beispiel waren dies 6.000 EUR.

    Solltest du einen Überschuss machen, dann kannst du auch mehr in die Rücklage einplanen.

    So könnte beispielsweise deine Budgetplanung dann aussehen:

    In deiner Liquiditätsplanung:

    Analog zur Budgetplanung kannst du die monatlichen Zahlungen auch in der Liquiditätsplanung eintragen. So fließt jeden Monat 500€ in die „Rücklage Betriebsmittel“.

    (P.S. Auf die Liquiditätsplanung werden wir in einem späteren Artikel nochmal stärker eingehen.)

    In deiner Bankkonten-Struktur:

    Das Geld der finanziellen Reichtweite ist geblockt und steht damit nicht zur freien Verfügung. Im Idealfall hast du deshalb hierfür ein extra Konto, auf dem sich das Geld befindet. Wenn du z.B. als Abteilung kein Zugriff auf das Konto hast oder kein zweites Konto eröffnen kannst/willst, dann kannst du auch mit einer Excel-Liste arbeiten. Hierfür werden wir noch einen ausführlicheren Artikel erstellen.

    Weitere häufige Fragen:

    Wieso gleich 6 Monate oder länger?

    Wer aktuell Rettungsschirme beantragt weiß: Geld beantragen heißt nicht gleich Geld bekommen. Kredite beantragen, eine Crowdfunding-Kampagne durchführen oder dich von Verträgen mit Kündigungsfristen von mehreren Monaten lösen. Eine finanzielle Reichweite gibt dir 6 Monate Zeit, alle diese Dinge anzugehen und sogar einen Fehlversuch zu machen. Für einen kleinen Verein mit wenigen fixen Kosten können aber auch

    Wann gehe ich an das Geld ran?

    Das einzige Ziel ist es, das Überleben in einer finanziellen Krise zu sichern. Es wird deshalb nur verwendet, wenn

    • deine zur verfügungstehenden Mittel ausgehen, dein Konto also eine Talfahrt gen Null macht
    • und gleichzeitig auch keine Einnahmen mehr erzielt werden.

    Nur dann wird auf das zurückgelegte Geld zurückgegriffen. Ansonsten wird das Geld nicht angerührt. Deswegen liegt das Geld im besten Fall auch auf einem extra Konto, sodass es aus dem Blickfeld ist.

    Der Krisenfall ist eingetreten. Was tue ich jetzt?

    Du bist in einer finanzielle Krise und das Geld auf deinem Bank-Konto geht gen Null. Du hast nun 6 Monate Zeit, dich zu fragen, woran es liegt und neue Erlösquellen zu erschließen (z.B. eine Crowdfunding-Kampagne zu starten, Kredite bei einer Bank oder bei deinen Mitgliedern anzufragen, oder sogar den Mitgliedsbeitrag nach oben anzupassen).

    Wichtig: Hast du den Engpass überwunden, solltest du – wie bei einem Kredit – das Geld später wieder dem Rücklagen-Konto hinzufügen.

    Wann soll ich mit dem Aufbau einer finanziellen Reichweite anfangen?

    Gestern. Wenn du größere finanzielle Speicher hast, leg alles in einem Rutsch zurück. Ansonsten lege dir einen 5-Jahres-Plan zurecht, bis du das notwendige Guthaben aufgebaut hast.

    Wie ist das mit der Gemeinnützigkeit vereinbar? Ich muss das Geld ja ausgeben.

    Die Pflicht, Mittel zeitnah zu verwenden, wird für kleine Körperschaften abgeschafft (§55 Abs. 1 Nr. 5 Satz 4 AO), wenn die Jahreseinnahmen nicht mehr als 45.000 Euro betragen.

    Rücklagen für Betriebsmittel dürfen zudem zurückgelegt werden. Im Zweifel kannst du auch mit dem Finanzamt sprechen und erklären, wofür das Geld auch längerfristig zurückgelegt wird.

    Mehr Infos dazu findest du hier.

    Soviel Geld einfach so rumliegen lassen?

    Es ist bei Privatpersonen der Normalfall, drei Netto-Monatsgehälter auf dem Konto vorrätig zu haben, es ist bei Unternehmen der Normalfall. Wieso sollte es bei Vereinen nicht der Normalfall sein?

    Zusammenfassung und Fazit:

    Der Aufbau einer finanziellen Reichweite hilft dir, Krisen gelassen angehen zu könnenn.

    Rechne hierfür den notwendigen Betrag aus, um 6 Monate überleben zu können, und zahle den dafür notwendigen Beitrag monatlich in ein Rücklagen-Konto ein.

    Mögliche Aufgaben, die sich hieraus für dich als Finanzwart*in ergeben:

    • Eine Entscheidung im Vorstand hierzu treffen und in der nächsten Mitgliederversammlung von den Mitgliedern über die Budgetplanung absegnen lassen.
    • Notwendiges Kapital für 6 Monate finanzielle Reichweite ausrechnen.
    • Finanzielle Reichweite in den Budgetplan einfügen (jährliche Summe).
    • Finanzielle Reichweite in die Liquiditätsplanung einfügen (monatliche Einzahlung).
    • Neues Bankkonto eröffnen oder optional ein weiteres Konto virtuell in Excel in die Liquiditätsplanung einfügen.
    • Nachts ruhig schlafen und sicher sein, dass man für die nächste Krise gut gewappnet ist.
  • JoinPolitics: Förderung für sportpolitische Aktivisten

    JoinPolitics fördert Talente mit 50.000€, die bereit sind politische Verantwortung zu übernehmen und ihre Ansätze nicht nur zu entwickeln, sondern auch selbst politisch umzusetzen.

    JoinPolitics fördert Talente, die bereit sind politische Verantwortung zu übernehmen und ihre Ansätze nicht nur zu entwickeln, sondern auch selbst politisch umzusetzen.

    Du möchtest mit deiner Idee Politik neu gestalten? Sie unterstützen dich in der Umsetzung mit Kapital, Know-how und Netzwerk.

    Du erhältst eine Starthilfe von bis zu 50.000 Euro. Hiervon können sowohl Lebensunterhaltskosten der Teammitglieder als auch andere Bedarfe wie Reisekosten, Trainings, Services oder Infrastruktur gedeckt werden. Die besonders erfolgreichen Talente können um eine Anschlussfinanzierung von bis zu 150.000 Euro pitchen.

  • LSB Berlin: Förderung Kiezkoordinations-Stelle (50%)

    Vereine aus Berlin können eine anteilige Zuwendung von max. 50% der förderfähigen Gesamtkosten von max. 15.000€ zum Einsatz einer ½ Personalstelle (19,5 Std.) erhalten.

    Förderprogramm zur Vereinsentwicklung 2021

    Für Berliner Sportorganisationen ist dieses Förderprogramm eine hervorragende Basis zur Anteilsfinanzierung ihrer bedarfsspezifischen Personalförderungim Rahmen einer individuellen Vereinsentwicklung im Kiez. Die inhaltliche Ausrichtung und Ausgestaltung des/der zu fördernden Kiezkoordinators/-in kann hierbei sowohl im Schwerpunkt der Weiterentwicklung sozialer Knotenpunkte sowie der Ansprache neuer, sozial benachteiligter Zielgruppen als auch im Auf- und Ausbau von Nachbarschaftshilfen und Netzwerken verortet sein.

    Die Auszahlung der Zuwendung zur Projektförderung erfolgt als einmaliger Zuschuss in Form einer Fehlbedarfsfinanzierung. Ein Sportverein/-fachverband kann eine anteilige Zuwendung von max. 50% der förderfähigen Gesamtkosten von max. 15.000€ zum Einsatz einer ½ Personalstelle (19,5 Std.) erhalten, eine Eigenleistung von min. 50% vorausgesetzt. Es sind die jeweiligen Ausgaben des Zuwendungsempfängers förderfähig, die der beantragten Personalstelle eindeutig zuzuordnen sowie zuzurechnen sind.

  • 6 ungewöhnliche Finanzziele für deinen Verein

    „Nachts ruhig schlafen können und „sich nicht wegen Geld streiten“ sind unter anderem dabei.


    Das Leben ist eindeutig zu kurz für Stress. Grund genug, die Arbeit im Verein so stressfrei wie möglich zu gestalten und entsprechende Finanzziele zu formulieren.

    Geld ist hierbei ein großer Faktor. Es kann der Grund für viele Konflikte und schlaflose Nächte sein, gleichzeitig aber auch ermöglichen sich von Stress und Sorgen freizukaufen oder sich sicher zu fühlen.

    Jetzt könnte man sagen: ok super, wir arbeiten einfach darauf hin, jeden Monat 10.000 EUR einzunehmen. Problem gelöst. Damit haben wir Geld und Geld haben = Spaß.

    Nicht ganz. Das Problem mit Glück, Spaß und Freude aber auch Stress ist: Es sind Gefühle und sie lassen sich nicht so gut mit einer Zahl messen. Denn Stress und Spaß entsteht bei jeder Person unter komplett unterschiedlichen Bedingungen. Während sich die eine Person bei 10.000 EUR auf dem Konto schon sehr sicher fühlt, geht bei einer anderen Person bei diesem Betrag die Herzpumpe an. Wenn wir wollen, dass unsere Finanz-Ziele nicht nur für uns Gültigkeit haben, sondern für alle, die im Verein arbeiten und auch langfristig für die Vorstände, die nach uns kommen, dann könnten Zahlen nicht die geeignete Basis für die Zielsetzung (und die Erfolgsmessung) sein.

    Zahlen als Ziele haben zudem häufig eins zur Folge: Enttäuschung, wenn diese nicht erreicht werden. Bist du als Verein nicht erfolgreich, wenn du statt 10.000 EUR nur 8.000 EUR Einnahmen erzielst? Enttäuschung ist das Gegenteil von Spaß, es ist ein negatives Gefühl. Wenn wir wollen, dass unsere Vereinsarbeit vor allem für positive Gefühle verantwortlich ist, ist es das Beste, wir vermeiden Situationen, die negative Gefühle auslösen.

    Wir haben deshalb als Basis für eine Zielsetzung folgende Stress- und Konflikt-Situationen rausgearbeitet, die vermieden werden sollen:

    1. Es gibt kein oder nicht genug Geld
    2. Man kann Geld bekommen, müsste dafür aber Dinge tun, die nicht den Werten entsprechen (z.B. ethisch fragwürdige Sponsoren ,Werte-Konflikt)
    3. Man kann Geld bekommen, müsste dafür aber Dinge tun, auf die man keine Lust hat (z.B. Förderanträge oder Reportings für Fördergelder schreiben, Sponsoren und Spender*innen um Geld bitten, Spaß-Konflikt)
    4. Es gibt genug Geld, aberes wird darum gestritten, woher es kommt, wer es bekommt und wer entscheiden darf, wer es bekommt (Konflikte aufgrund unterschiedlicher Vorstellungen und Visionen)

    Finanzziele für euren Verein

    Hieraus sind folgende 6 Ziele entstanden:

    1. Nachts ruhig schlafen und keine Gedanken ums Geld machen
    2. Ideen verwirklichen
    3. So unabhängig wie möglich sein und unsere Werte schützen
    4. Nicht wegen Geld streiten
    5. Den Vereinszweck bestmöglich verfolgen
    6. Ausgeglichen sein und Spaß haben

    Im Folgenden seht ihr, wie diese Ziele auch erreicht werden könnten. Da einige Maßnahmen für mehrere Ziele wichtig sind, findet ihr manche Maßnahmen doppelt oder sogar dreifach vor. Eine Zusammenfassung aller Aufgaben findet ihr am Ende dieses Artikels.

    Einige Maßnahmen gehen über das Finanzielle hinaus, aber die Lösungen sind mit Geld zu haben.

    Ziel 1: Nachts ruhig schlafen und keine Gedanken ums Geld machen

    Wessen Konto schon einmal eine Talfahrt gen Null erfahren hat, weiß, dass kein Geld zu haben den Stress-Pegel exponentiell in die Höhe schnellen lässt. Eine drohende Insolvenz/Auflösung des Vereins ist definitiv ein Szenario, die einem den Schlaf regelrecht rauben kann. Aber wer immer auf 0 wirtschaftet, bei dem reichen auch schon kleinere Sorgen, um die Gedanken nicht mehr frei zu bekommen.

    Besser also, es kommt gar nicht erst dazu und es ist genug Geld da, um uns das ein oder andere Mal von Sorgen „freikaufen“ zu können.

    Folgende Szenarien können bei Vereinen Gründe für eine nervenaufreibende Abhängigkeits-Situation oder sogar eine Insolvenz sein. Wir möchten Geld nutzen, um diese Situationen zu vermeiden

    • Risiko 1: Wir haben kein oder nicht genug Geld auf dem Konto
      • Kein Geld haben = Stress
      • Geld haben = kein Stress
    • Risiko 2: Wir sind abhängig von einer Einnahme-Quelle (weil wir bspw. nur einen Groß-Sponsor haben), der jeden Moment abspringen könnte
      • Geld von nur einer Quelle bekommen = potentieller Stress
      • Geld von vielen Quellen bekommen = weniger Stress
    • Risiko 3: Wir finden keine Nachfolger*innen für Vorstands-Posten (oder andere Positionen im Verein). Dies ist bei 41% der Vereine in Deutschland das größte existenzielle Problem. Ohne Vorstand muss der Verein aufgelöst werden.
      • kein Geld für die Bezahlung des Managements haben = Stress, (gute) Nachfolgerinnen zu finden
      • Geld für Bezahlung der Organisation haben = kein Stress, weil im Zweifel mit Bezahlung (fast) immer gute Leute gefunden werden können
    • Risiko 4: Wir sind abhängig von der Hallensituation. Ohne Hallen, kein Sportbetrieb; ohne Sportbetrieb, kein Verein.
      • keine eigene Halle haben /wenig Hallenzeiten in der Kommune = Stress, um Hallenzeiten zu kämpfen
      • eigene Halle haben / genug Hallenkapazitäten in der Kommune = kein Stress

    Welche Maßnahmen führen dazu, dass ihr nachts ruhiger schlafen könnt?

    Das sind unsere Vorschläge:

    • Ein unantastbares Unterkonto Krisenabsicherung einrichten (mit einer Excel-Liste möglich) und hierauf jeden Monat per Dauerauftrag eine feste Summe überweisen (auch virtuell per Excel möglich, dies zeigen wir euch in einem nächsten Artikel). Die Einzahlung auf das Konto ist nicht verhandelbar. Angetastet werden darf das Geld nur – und zwar wirklich nur – bei Insolvenz-Drohung. Ziel: 6 Monate ohne Einnahmen überleben können.
    • Gezielt mehrere Einkommensströme aufbauen, sodass – wenn einer wegfällt – nicht die ganze Organisation wackelt
    • Eine regelmäßige Liquiditätsplanung einführen, um frühzeitig zu sehen, wann die Null-Linie in Richtung Minus überschritten wird
    • Eine Überbrückungs-Strategie abstimmen und im Zweifelsfall wissen, was wann wie zu tun ist. Die Überbrückungs-Strategie ist idealerweise in der Abteilungsordnung verankert, um Diskussionen zu vermeiden.
    • Ein Unterkonto für Rücklagen für Investitionen einrichten, auf das Geld für die Investition in die Infrastruktur (Sportstätte) oder für professionelle Lobby-Arbeit in Richtung Kommune bezüglich dem Ausbau der Sportstätten eingezahlt wird.
    • Attraktive Rahmenbedingungen schaffen, die es Ehrenamtler*innen ermöglichen, sich selbst zu verwirklichen und Spaß bei der Arbeit zu haben und so mehr Helfer*innen finden.
    • Langfristig ein Bezahlsystem für die Organisation aufbauen, um beispielsweise das Vereinsmanagement und das operative Geschäft auf ein bezahltes und nachhaltiges Fundament zu stellen.


    Ziel 2: Ideen verwirklichen

    Wenn ihr euch die letzten Jahre in eurem Verein anschaut. Überlegt doch mal kurz: Wie viel Ideen wurden direkt umgesetzt? Kurzer Blick in die Portokasse und ab gehts.

    Und wie viele eurer Ideen wurden stattdessen erstmal auf „später irgendwann“ verschoben und abgelegt in einer Schublade, auf einen Stapel anderer Ideen? Wir wollen gar nicht wissen, wie viele wertvolle Ideen und Projekte, die unsere Gesellschaft zum Positiven verändern könnten, in Vereinschubladen liegen.

    Wer kein Geld hat, dessen Antwort ist von Grund auf bei jeder Idee „Nein“. Und ein Nein nicht nur einmal, sondern immer und immer wieder zu hören, das frustriert ganz schön.

    Wir möchten aber „Ja“ sagen können.

    „Ja sagen“hat aber auch immer etwas mit Mut zu tun, und wir Deutschen sind dafür nicht gerade bekannt. Nicht erst seit der aktuellen Corona-Situation wissen wir: Fühlen die Menschen sich sicher, dann investieren sie, gehen Risiken ein. Fühlen sie sich nicht sicher, bunkern sie und fahren ihre Ausgaben auf das Nötigste herunter.

    Um ein „Ja“ zu erleichtern, ist es also das Ziel, sich so sicher wie möglich zu fühlen. Wir gehen davon aus, dass wir uns als Menschen generell finanziell sicher fühlen, wenn:

    • genug Rücklagen auf dem Konto sind und wir den Verlust eines Teils davon verkraften können
    • auf das Konto regelmäßig mehr Geld reinkommt, als rausgeht.


    Wie könnt ihr erreichen, dass Ideen verwirklicht werden?

    Hier sind unsere Vorschläge:

    • Hilfreich ist hierbei die Empfehlung von Star-Investor Warren Buffet: Don’t save what’s left after spending, spend what’s left after saving. Bestenfalls bist du dein eigener Investor*in. Dies bedeutet, dass es ein Rücklagen-Konto für Investitionen gibt, auf das monatlich und unverhandelbar Geld eingezahlt wird. Wer sichergehen will, dass dies auch wirklich passiert, kann zusätzlich noch einen Passus in der Satzung / Abteilungsordnung einfügen.
    • regelmäßig Zeit damit verbringen, Gelder zu gewinnen. Das hört sich logisch an, aber wer jetzt in sich geht und einfach mal überlegt: Wie viel Zeit habe ich dieses Jahr schon darin investiert, dass wir mehr Einnahmen generieren? Der weiß, was ab morgen zu tun ist.
    • regelmäßige und kalkulierbare Einkommensströme (im Gegensatz zu Projektfinanzierungen) haben. Mitgliedsbeiträge sind hierbei der kalkulierbarste Einkommensstrom.
    • Mitgliedsbeiträge sind in einer Größenordnung haben, die zumindest einen großen Teil der Kosten deckt. Falls notwendig, eine Mitgliedsbeitragsanpassung durchführen.


    Ziel 3: Unabhängig sein und Werte schützen

    Finanzielle Abhängigkeit hat einen Preis. Das weiß jeder Verein, wenn ethisch fragwürdige Unternehmen an die Tür klopfen und mit Geldscheinen rumwedeln.

    Wer kein Geld und keine Werte-Strategie hat, kommt in einen Interessens-Konflikt „Ja ok“ sagen zu müssen, obwohl man am liebsten Nein schreien und die Faust nach oben strecken würde. Ein kurzer Blick aufs Konto, und schon sind die Werte – zumindest teilweise – über Bord geworfen. Ok für die einen, Integritätsverlust für die Anderen.

    Abhängigkeit kann aber auch an anderen Stellen entstehen. Der chronisch unpünktliche Trainer verbleibt dann eben, auch wenn es einen bis ins Mark nervt. Die chronisch unzuverlässige Person behält den Vorstandsposten, weil es sonst niemand macht.

    Und wieso? „Nein“ sagen und Grenzen zu setzen muss man sich einfach leisten können.

    Und wir wollen auch mal „Nein“ sagen können.

    Wie könnt ihr so unabhängig wie möglich bleiben?

    Das sind unsere Vorschläge:

    • bestmögliche Rahmenbedingungen aufbauen, um Mithelfer*innen und Trainer*innen für uns zu begeistern. Eine angemessene Bezahlung ist ein Teil davon.
    • eine hauptamtliche Stelle und Trainer*innen angemessen bezahlen, um das Kerngeschäft nachhaltig und personell unabhängig zu gestalten.
    • Geld-Ressourcen idealerweise auf mehrere Personen verteilen (falls dies mit der Lebenssituation der Personen vereinbar ist)
    • Unsere eigene*r Investor*in werden
    • Um den Einfluss einzelner Geldgeber*innen zu beschränken, kann in der Satzung ein Passus eingefügt werden, dass ein Sponsor nicht mehr als einen bestimmten Prozentsatz des Gesamthaushaltes stellen darf.
    • Fokus auf Mitgliedseinnahmen als wichtigste Einnahmequelle setzen. Der Anteil der Mitgliedseinnahmen ist bestenfalls der Mehrheits-Anteil (z.B. 60-70% der Einnahmen).

    Ziel 4: Nicht wegen Geld streiten

    Sich niemals zu streiten, ist ein Zustand, der wohl unerreichbar ist, sobald mehrere Menschen aufeinander treffen. Unterschiedliche Vorstellungen, Meinungen, andere Arbeitsweisen. Konflikte sind hierbei vorprogrammiert.

    Gleichzeitig gibt es jedoch fast nichts Teureres als (unterschwellige) Konflikte. Sie verschwenden Energie und führen häufig zu Demotivation und schlimmstenfalls sogar zu einer Trennung oder dem Abspringen einer oder mehrerer Personen, die teuer mit Zeit oder Geld ersetzt werden müssen.

    Dabei gibt es etwas viel Günstigeres: Prävention. Denn die meisten Konflikte würden sich schon mit ein paar wenigen Gesprächen, oder auch klaren Regeln gar nicht erst entstehen – um sie dann teuer beseitigen zu müssen.

    Deswegen haben wir überlegt, wie wir uns Konflikte „sparen“ können. Und zwar am besten dann, wenn der Status noch auf „best friends forever“ steht.

    Laut unserer Erfahrung gibt es in Geldfragen meist Diskussionen zu folgenden Themen:

    • Wo kommts her? (siehe Werte)
    • Wo gehts hin? (Senioren, Jugend?)
    • Wer darf entscheiden, wo es her kommt und wo es hingeht? (Ich, ich, ich)

    Klare Vereinbarungen und Regeln können helfen, dass es in vielen Situationen gar nicht erst zu Diskussionen kommt. Sie regeln die Erwartungshaltungen, sie limitieren den Ermessensspielraum einzelner (privater) Interessen.

    Ist Nachhaltigkeit und Gleichberechtigung beispielsweise ein Wert der Organisation, ist auch klar, dass dann gewisse Dienstleister*innen und Sponsoren nicht in Frage kommen, auch wenn diese günstiger sind oder mehr Geld bringen.

    Damit sich die Vorstände nicht nur dieses Jahr, sondern auch in 30 Jahren noch an diese Vereinbarungen halten, ist die Satzung das Werkzeug schlechthin, um die eigenen Werte-Vorstellungen auch langfristig zu verankern. Wir schreiben bspw. dem Thema Gleichberechtigung einen hohen Wert zu. Deswegen ist unsere Fokus auf Mädchenbasketball in unserer Abteilungsordnung fest verankert, gleich mit einer Geschlechter-Quote im Vorstand sowie einer festen Regelung, dass nach der Gründung des Teams eines Geschlechts, erst das andere Geschlecht zum Zuge kommen muss. Klar ist dann auch, dass die Gelderverteilung entsprechend unserer Satzung v.a. in die Jugend-Teams fließen.

    Es kann also sinnvoll sein, für die Gelderverteilung Quoten bzw. klare Regeln zu definieren. Hier ein paar Möglichkeiten:

    • Es gibt ein Bezahlsystem für die Mitarbeit im Verein, die das Zeitinvestment klar regelt
    • Es gibt eine Quote für Jugend-Investitionen (X% des Haushaltes müssen in Jugend-Teams investiert werden)
    • Es gibt eine Quote für die Verteilung der Ressourcen auf alle Organisations-Bereiche, um einseitige Investitionen zu vermeiden
    • Es gibt eine abgestimmte Überbrückungs-Strategie, die bspw. die Investitionen in Gehälter von Spielerinnen und Trainerinnen in finanziell schwierigen Phasen regelt (Schutz der Mitarbeiter*innen)

    Wie schafft ihr es, euch nicht wegen Geld zu streiten?

    Hier sind unsere Vorschläge:

    • regelmäßig die Werte-Vorstellungen abgleichen und einen Strategie-Workshop durchführen
    • regelmäßig moderierte Mediations-Sessions durchführen, gerade dann, wenn es gut läuft
    • Quoten, Regelungen und Anpassungen in der Satzung oder Abteilungsordnung einführen, die die Gelderverteilung langfristig nach den Wertevorstellungen regeln.
    • In Prävention investieren und eine „gemeinsame Willensbildung“ in der Satzung verankern. Diese bestimmt, dass bei Konflikten z.B. in eine professionelle und bezahlte Mediation von außen investiert wird.

    Ziel 5: Vereinszweck bestmöglich verfolgen

    Wenn wir ehrenamtlich arbeiten, dann weil wir fest davon überzeugt sind, dass unser Vereinszweck etwas Gutes in der Gesellschaft beitragen kann. Deswegen wollen wir, dass alle unsere Ressourcen (Zeit, Geld, Talent) für diesen Vereinszweck eingesetzt werden.

    Wir können unsere Vereinszweck bestmöglich verfolgen, wenn:

    • die finanziellen Mittel in Projekte fließen, die den Vereinszweck dienen (und nicht z.B. Bürokratie)
    • Die Besten der Besten für den Vereinszweck arbeiten und diesen vorantreiben
    • Wir die meiste Zeit mit der Verfolgung des Vereinszwecks verbringen

    Wie erreicht ihr bestmöglich eure Vereinsmission?

    Das sind unsere Vorschläge:

    • Ins „gut sein“ investieren. Wer gut mit seinem Produkt ist, der kann sich zum Beispiel zeit- und geldaufwendige Werbung sparen, um die Menschen davon zu überzeugen, dass man gut ist. Schon mal versucht, beim besten Physiotherapeuten der Stadt einen Termin zu bekommen? Qualität ist die beste Werbung.
    • Die meiste Zeit mit dem Vereinszweck verbringen. Förderanträge schreiben und Sponsoren-Gespräche führen sind in der Regel nicht direkt der Vereinszweck, sondern Tätigkeiten, die zur Querfinanzierung dienen. Das bedeutet, dass im Idealfall mit Tätigkeiten, die direkt dem Vereinszweck dienen das meiste Geld verdient wird. Leider ist dies nicht immer in der Realität möglich. Dennoch kann es ein Ziel sein, auf die Gewinnung von Mitgliedern zu setzen und Mitgliedsbeiträge so zu gestalten, dass sie ihren Teil zu diesem Ziel beitragen und den Anteil an Tätigkeiten zur Querfinanzierung mindern.


    Ziel 6: Ganzheitlich erfolgreiche Organisation und Spaß bei der Arbeit

    Wir sehen hierbei Ausgeglichenheit auf zwei Ebenen:

    1. als Organisation ausgeglichen sein
    2. als Menschen, die in der Organisation arbeiten, ausgeglichen sein

    1. Ausgeglichenheit in der Organisation:

    Was bringt es dir, ganz viel Geld auf dem Konto zu haben, wenn gleichzeitig sich die Vorstandschaft bis aufs Blut streitet? Was bringt es dir, hunderte Kinder zu gewinnen für deinen Sport, wenn du nicht die Hallenkapazitäten hast, um Platz zu bieten?

    Stressfrei ist, wer in vielen Organisations-Bereichen erfolgreich ist. Dies bedeutet auch, dass in alle diese Kernbereiche investiert werden muss (Geld und Zeit), um in allen Bereichen die Rahmenbedingungen für Erfolg zu schaffen.

    Klingt gut? Alles was du dafür tun musst, ist deine Investitionen ausgeglichen auf alle Organisations-Bereiche zu verteilen und regelmäßig zu prüfen, wo vielleicht ein Bereich vernachlässigt wird.
    Wir haben hierfür 10 Organisations-Bereiche definiert:

    1. Vision und Wirkungsmessung
    2. Spiel- und Trainingsbetrieb, Camps, Events
    3. Aufgabenplanung und Abläufe
    4. Mitgliederbindung und -gewinnung
    5. Soziale Verantwortung
    6. Rechtlicher Rahmen und Regelwerk
    7. Außendarstellung und Media
    8. Ausrüstung und Infrastruktur
    9. Team und Wohlbefinden
    10. Finanzen und Steuern

    Wie könnt ihr als Organisation ausgeglichen werden?

    Das sind unsere Vorschläge:

    • Quotenverteilung der Investitionen einführen und prüfen, ob auch in alle Organisations-Bereiche investiert wird.

    2. Ausgeglichenheit bei den Menschen in der Organisation:

    „Wenn ichs nicht mache, machts keiner.“ Deswegen wird weiter geschuftet, obwohl man längst nicht mehr kann, bis der Burnout an die Tür klopft.

    Burnout ist definitiv nicht spaßig. Und das beste Zeichen für Unausgeglichenheit.


    „Ohne strukturelle Unterstützung ist der Spagat zwischen Familie, Beruf und Ehrenamt nur durch absolute Selbstaufoperung möglich.“

    Ehrenamtsstiftung Mecklenburg-Vorpommern

    Das ist ein Ergebnis des Forums Haupt- und Ehrenamt der Ehrenamtsstiftung Mecklenburg-Vorpommern. Selbst wenn viele Menschen wollen: Wer Vollzeit-Job und Familie hat, kann eben nicht einfach ehrenamtlich helfen, ohne die eigene Gesundheit aufs Spiel zu setzen. Das hört sich nach wenig Spaß an.

    Wie könnt ihr als Menschen in der Organisation ausgeglichen werden?

    • Nicht zu viel vornehmen, sondern eine gesund wachsende Strategie aufbauen.
    • aktiv Spieler*innen zur Mitarbeit ansprechen, um die Last auf viele Schultern zu verteilen.
    • Aufgabenprofile aufbauen, die ein Pensum von 1-3 Stunden pro Monat nicht überschreiten.
    • Aufgabenprofile als sich wiederholende Routinen einführen, um hierfür Anleitungen schreiben zu können
    • Da dann viele Ehrenamtliche koordiniert werden müssen: langfristig eine hauptamtliche Koordinationsstelle aufbauen, die den Druck von den Schultern der Ehrenamtlichen nehmen und ihnen spaßige Themen ermöglichen.
    • Pool an Freiberufler*innen aufbauen, die im Zweifel bei schwierigen Zeiten flexibel und schnell hinzubuchbar sind, um uns Luft zum Atmen zu verschaffen und das Potential von Ausbrennen zu vermeiden.

    Fazit/Zusammenfassung:

    Unsere Finanz-Strategie soll uns helfen, ein stressfreieres Vereinsleben zu gestalten.

    Unsere 6 Finanz-Ziele für ein stressfreies Vereinsleben sind:

    1. Nachts ruhig schlafen (weil wir nicht pleite gehen)
    2. Keine Gedanken um Geld machen müssen (weil wir Ja sagen können zu Ideen und Visionen)
    3. So unabhängig wie möglich sein (weil wir Nein sagen können)
    4. Uns nicht wegen Geld streiten (weil es klare Regelungen gibt, wie es ausgegeben wird)
    5. Unseren Vereinszweck bestmöglich verfolgen können (weil wir damit unser Geld verdienen und es nicht von woanders zeitaufwendig querfinanzieren müssen)
    6. Ausgeglichen sein und Spaß haben (weil wir unser Geld in alle Organisations-Bereiche gleich investieren und die Koordinierung der Ehrenamtlichen auf ein bezahltes Fundament stellen)

    Folgende Aufgaben ergeben sich hieraus für unsere*n Finanzwart*in (nach Priorität geordnet):

    • Rücklagen-Konto für Krisenabsicherung einrichten (6 Monate überleben ohne Einnahmen) und regelmäßige Einzahlungen ins Budget einplanen
    • Rücklagen-Konto für Inestitionen einrichten und regelmäßige Einzahlungen darauf ins Budget einplanen
    • Verhältnismäßigkeit der Mitgliedsbeiträge überprüfen und ggf. Anpassung angehen (im Idealfall kommen 60-70% der Einnahmen von den Mitgliedern)
    • Zeitkapazitäten für die Gelder-Gewinnung einplanen (50% der Zeit mit der Gewinnung von finanziellen Mitteln verbringen, z.B. durch Organisation von Camps, Turnieren oder Crowdfunding-Kampagnen)
    • Investments in Qualität und professionelles Auftreten auf allen Ebenen einplanen (angemessenes Bezahlsystem für Trainer*innen erarbeiten)
    • Einbindung von hauptamtlichen Personal (z.B. Minijob = rund 560€/Monat) in langfristige Budgetplanung aufnehmen
    • Quoten-Verteilung in der Budgetplanung übernehmen und regelmäßige Prüfung der Investments
    • Satzungsanpassungen prüfen
    • Gemeinsame Willensbildung in Satzung aufnehmen
    • optional: Prozent-Klausel für Geldgeberinnen in die Satzung einfügen

    Weitere Aufgaben, die die Finanzen indirekt betreffen:

    • Aufgabenprofile mit einem Pensum von 1-3 Stunden pro Monat erarbeiten
    • Strategie-Workshop durchführen und Stoßrichtung bestimmen
    • 1x im Jahr moderierte Team-Session einplanen, um Konflikte
    • Werte-Vorstellungen in Satzung verankern

    Was ebenfalls für dich interessant sein könnte: Die finanzielle Reichweite.

    Ihr habt noch andere Ziele?

    Dann schreibt sie als Kommentar darunter oder schreibt uns an: hallo@klubtalent.org.

  • Was Vereine von Startups lernen können

    Startups schaffen, was Vereinen immer mehr fehlt. Sie sind vor allem bei jungen Menschen gefragt wie nie.

    Es fehlt meist an Geld, Zeit und tiefgründigem Wissen. Für die Arbeit wird man selten “angemessen” mit Geld entlohnt, stattdessen steht das Herz und der Glaube an das große Ganze im Vordergrund. Das kommt wohl jedem Ehrenamtlichen bekannt vor, ABER auch jeder Existenzgründerin. Egal ob Verein oder Startup-Unternehmen: Beide kämpfen mit den gleichen Herausforderungen.

    Gerade jetzt aber schaffen Start-Ups, was der Vereinslandschaft immer mehr abhanden kommt.

    Sie sind gefragt wie nie, in der Wirtschaft, in der Politik, in der Gesellschaft. Die Bundesregierung legt Förderpakete für die Finanzierung von Startups auf, Großkonzerne möchten mit ihnen zusammenarbeiten und von ihnen lernen und wer im Trend sein will, arbeitet nicht jahrzehntelang für den guten alten Großkonzern (“gähn”) sondern zieht im jungen Startup mit Jeans und T-Shirt die Strippen. Tischkicker inklusive.

    Was also machen Startups anders? Und was können Vereine von ihnen lernen? Wir haben ein paar Klischees auseinandergenommen.

    Start-Ups interessiert “es hat aber schon immer so funktioniert” eher nicht so

    Die Wirtschaft befindet sich im digitalen Wandel und die deutschen Gerichte haben viel zu tun. Denn: “alte” Branchen versuchen sich verzweifelt gegen neue Ideen und Entwicklungen von Startup-Unternehmen zu wehren.

    So wehrt sich die deutsche Hotellobby gerichtlich gegen das bereits milliardenschwere Online-Portal AirBnB, bei dem Menschen ihre Privatunterkünfte einfach per App an Reisende oder Stadtbesucher kurzzeitig vermieten können.

    Daimler-Chef Zetsche muss sich immer öfter rechtfertigen ob er sich vor Apple und dem Internetunternehmen Google fürchte, welches derzeit dabei ist, selbstfahrende Autos zu produzieren. Wer hätte gedacht, dass sich das auf Suchmaschinen spezialisierte Unternehmen einmal in diesen Bereich wagt?

    image

    Beitrag aus dem manager magazin vom 29.09.2014, abrufbar hier.

    Beschweren dürfen sich die Branchen eigentlich nicht, denn sie hätten selbst auf diese Ideen kommen und umsetzen können. Schließlich haben die Startups nur Märkte besetzt, die vorhanden waren, aber eben von noch keinem anderen besetzt wurde.

    Die Medien fassen dies so zusammen: in Deutschland ist der Mittelstand mit der Digitalisierung im Verzug und verliert zunehmend den Anschluss. “Viele Mittelständler hadern mit der Digitalisierung oder verkennen noch ihre Bedeutung. Das könnte sich schon bald rächen”, so Experten auf n-tv.de.

    Dabei haben die Startups ihre Kunden nur dort gefunden, wo diese sich gerade aufhalten: im Internet.

    Der Mittelpunkt von allem: Der Kunde

    Auch die Sport- und Fitness-Branche ist nicht vor Veränderungen gefeit. Bestes Beispiel: die Fitness-App Freeletics. Innerhalb von nur zwei Jahren haben drei Studenten ein millionenschweres Unternehmen aufgebaut.

    Wie die drei jungen Männer das vor den großen Fitness-Studio-Ketten herausgefunden haben? Sie haben sich einfach ihre potentiellen Kunden angeschaut. Erkenntnis:  “Wir wollten eben ein Fitnesskonzept, das an die Bedürfnisse des 21. Jahrhunderts angepasst ist. Viele Menschen haben nicht mehr die Zeit, zweimal die Woche zum Sportverein oder ins Fitnessstudio zu fahren. Mit dem Programm können sie mit wenig Zeitaufwand das Maximale rausholen, denn unsere Übungen sind sehr effektiv, und trainieren kann man überall. ” Deswegen nutzt die App für ihre Übungen auch nur das eigene Körpergewicht und facebook-Gruppen als Motivationsgrundlage. Sie sind dort, wo auch ihre Kunden sind: in den sozialen Netzwerken, auf dem Smartphone.

    Da die technologischen Entwicklungen so schnell vorangehen sind Startups eigentlich die ganze Zeit damit beschäftigt, mit ihren Kunden zu sprechen, denn: Klassische Startups bringen meist ein neues Produkt auf den Markt und wissen deshalb vorher nicht, ob dieses überhaupt gekauft wird. Funktioniert das Produkt nicht schnell genug kann es sein, dass das Startup ein komplett anderes Produkt, Dienstleistung und damit eine andere Einnahmequelle setzen muss. Schnell ist hierbei das Stichwort, denn: kommt nicht schnell genug Geld in die Kasse, überlebt die Firma nicht. Das Geschäftsmodell wird also andauernd hinterfragt, z.B. mit Kunden-Interviews, Meinungsumfragen oder durch das Lesen der Meinungsausrufe in den Social Media-Kanälen.

    Damit besonders schnell und günstig Rückmeldung von den Kunden kommt,  hat Freeletics nicht etwa als App gestartet. Statt dessen wurden Trainingspläne einfach per PDF versendet und auf einer Standard-Webseite beworben. Ein Tipp vom Gründerteam: “Seid Euch nicht zu scheu, unperfekte Produkte auf den Markt zu bringen“, schreibt Joshua Cornelius im Rückblick auf diesen Schritt. „Unsere ersten bezahlbaren Freeletics-Produkte waren PDF-Trainingspläne. Runtergeschrieben an 3 Tagen. Angeboten mit einem Standard-SaaS-Shopsystem. Wir waren alles andere als stolz darauf.“

    image

    Über eine Shopify-Seite verkauften die Gründer zu Anfang über Freeletics.com drei Trainings-PDFs (Screenshot: Archive.org)

    Eine halbe Millionen Euro Umsatz haben diese PDFs  ihnen immerhin alleine im ersten Jahr beschert. Da hat sich das Testen gelohnt.

    Start-Ups probieren ständig Neues aus – auch wenn es bedeutet, dass sie ab und an mal scheitern

    “Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit. Und nicht der Stärkste überlebt, sondern der, der sich am besten an seine Umwelt anpassen kann.“

    image

    Aussage von Charles Darwin zur Überlebensfähigkeit einer Gattung

    Dies wusste auch schon Darwin und genau aus diesem Grund erfinden sich Startups immer wieder neu, stehen neue Ideen und Entwicklungen andauernd auf dem Prüfstand. Ein bekanntes Beispiel ist Suchmaschinen-Gigant Google.

    Denn was so gut wie keiner weiß: “Das Unternehmen wird vor allem für seine Erfolge wahrgenommen, für seine Suchmaschine, sein Mailprogramm, seine riesigen Gewinne. Aber auch die Liste der Fehlschläge des Konzerns ist umfangreich, da seine mehr als 20.000 Mitarbeiter ständig Neues aushecken und Google Ideen im Gegensatz zu vielen anderen Firmen auch als Frühgeburten aussetzt.“ Der Titel des Artikels von zeit.de: Scheitern als Geschäftsmodell.

    Der Erfolg aber gibt Google recht. Das Unternehmen hat erkannt: Nichts ist so beständig wie der Wandel.

    Spielend motivieren: Startups haben eine neue Unternehmenskultur der flachen Hierarchien

    Wie bei Vereinen müssen eben auch Gründer die richtigen Mitstreiter von ihrer Idee und ihrem Unternehmen überzeugen, und davon, für wenig oder gar kein Geld, sehr, sehr, sehr, sehr viel zu arbeiten. Und sie schaffen es auch. Selbst in Zeiten des Mindestlohns wollen viele Menschen lieber für wenig Geld in einem Startup arbeiten, und das, obwohl die jungen Unternehmen gegen große Konzerne konkurrieren, die sich gute Mitarbeiter leisten und auch entsprechend bezahlen können.

    Dabei setzen Startups genau bei der Kultur an, die sich auch für Ihr Produkt anwenden. Was wollen meine Kunden, in diesem Fall: meine Mitarbeiter? Was können wir diesen bieten, was ein großer Konzern (oder Sportclub) nicht bieten kann?

    Und die Generation Y, so wird die heutige Generation genannt, will vor allem sich selbst verwirklichen, Spaß haben, mit Gleichgesinnten arbeiten: die wichtige Schraube im Glied zu sein, die Möglichkeit, Ideen zu verwirklichen, ohne dass erst 10 Managemenstufen unterschreiben, ein Team, dass während der Arbeit auch mal Tischtennis oder Tischkicker spielt, bei der auf gleicher Ebene kommuniziert wird, bei der man etwas bewegen kann. „Die neuen Chefs: Spielend regieren” tituliert das Magazin t3n.

    image

    Titelblatt der aktuellen t3n Nr.39, abgerufen auf t3n.de

    Alleine schon eine Geste von zwei der großen Startups, facebook und AirBnB zeigen diese Veränderung in der Arbeitswelt. Beide sitzen im Großraumbüro mit ihren Mitarbeitern zusammen und zeigen: ich bin einer von euch. Für Machtspiele und Ellenbogenmentalität haben wir schlicht und einfach keine Zeit.

    FAZIT:

    Es ist nicht nur ein neues digitales Zeitalter angebrochen, sondern auch eine damit anders denkende Generation.  Auch wenn Vereine seit Jahrhunderten mit den selben Einnahmen Geld verdienen (Mitgliedsbeitrag, Einnahmen über Sponsoring etc.) zeichnet sich ab, dass sie nun mit großen Änderungen zu kämpfen haben. Schafft der Verein der Zukunft noch so viel Mehrwerte, dass ihre Kunden, die Mitglieder, dafür Mitgliedsbeitrag zahlen? Ist das Vereinsmodell überhaupt noch zeitgemäß oder trainieren in Zukunft alle nur noch mit Apps (siehe Freeletics)? Zahlen die Unternehmenskunden der Vereine, die Sponsoren, in Zukunft überhaupt noch für das Logo auf dem Trikot oder auf der Bande, wenn die Werbebranche zunehmend ins Internet abwandert und nur noch nach “Klick” oder nach “Kauf” vergütet wird?

    Möchte man das Vereins-Mitglied und die Ehrenamtlichen der Zukunft erreichen, wird „wir machen so weiter, wie bisher, weil es schon immer so funktioniert hat“ eben nicht mehr funktionieren.