• Warum junge Menschen sich in Startups statt Vereinen engagieren

    Startups sind cool, Vereine sind es nicht.

    Grundsätzlich gibt es eine Minderheit im Sportverein. Diese engagiert sich ehrenamtlich, hilft mit, gibt Zeit oder/und Geld. Und dann gibt es noch die Anderen, die Mehrheit, die trainieren und spielen. Das Ganze in Zahlen: 8,75 Millionen Ehrenamtliche geben, 27,6 Millionen Vereinsmitglieder nehmen. Vor allem junge Menschen engagieren sich dabei nur noch selten.

    Keine Ehrenamtlichen, keine Vereine, keine Jugendarbeit. Wir alle wissen, dass ohne die vielen Helfer*innen im Vereinswesen gar nichts gehen würde.

    Die Herausforderung: Das Ehrenamt bietet häufige keine wirtschaftliche Perspektive, im Gegenteil. Wer auf dem Platz steht und eine Kindermannschaft trainiert kann in der gleichen Zeit eben nicht etwas tun, mit dem er oder sie Geld verdienen würde oder was der eigenen Karriere gut tut. Hinzu kommt, dass die Wertschätzung der Arbeit in der Gesellschaft eher Richtung Null tendiert. Wer sich am Wochenende kostenlos auf den Platz stellt, darf sich meist noch das Gejammere von Eltern und Mitgliedern anhören, wieso das und jenes nicht passiert ist oder nicht gemacht wurde.

    Keine guten Voraussetzungen, um junge Menschen für das Vereins-Team zu gewinnen. Immer weniger junge Menschen wollen sich chaotische Strukturen, frustrierende Abläufe und wenig Anerkennung bei keinem Schmerzensgeld noch antun.

    Das Kuriose: Auch Start-Ups haben zu Beginn chaotische Strukturen, kein Geld für (gute) Gehälter und keine vorhandene Infrastruktur und Ressorucen, sind zudem sehr unsicher aufgestellt.

    Und dennoch: Viele Studenten und junge Menschen sind bereit für gar kein oder wenig Geld (Stichwort: freiwilliges Praktikum) und viel Arbeitszeit für Start-Ups zu arbeiten. Und das trotz best bezahlter Konkurrenz-Angebote von Daimler, Porsche, Bosch, IBM und Konsorten im direkten Umfeld.

    Wie machen die das nur? Was bieten Start-Ups außerhalb des Geldes, dass es vielen jungen Menschen wert ist, ihre Zeit zu investieren? 

    Wir haben euch ein paar Beobachtungen zusammengefasst und am Ende ein paar Anregungen zusammengetragen, die euch helfen können, zum Vereins-Startup zu mutieren.

    Punkt 1: Startups haben die Aussicht auf Besserung

    Anders als bei Vereinen, deren Organisations-Strukturen in den letzten 30 Jahren kaum Veränderungen vorgenommen haben, haben Startups die Aussicht auf Besserung.

    Jetzt gibt es noch chaotische Strukturen, aber in 6 Monaten vielleicht nicht mehr. Jetzt gibt es noch kein Geld für Gehälter, aber in 6 Monaten vielleicht schon. Jetzt gibt es noch kein Projekt, welches dir gefällt, aber in 3 Monaten vielleicht schon. Jetzt gibt es noch kein Büro, aber in 6 Monaten schon.

    Startups liefern jungen Menschen eins: eine Perspektive. Eine Perspektive, seinen eigenen Arbeitsplatz zu schaffen, eine Perspektive, bei etwas Großem dabei sein zu können, die Perspektive, sich selbst weiterentwickeln zu können.

    Punkt 2: Startups investieren, Vereine sparen

    Startups liefern eine Perspektive auf eine rosige Zukunft, weil sie in diese Aussicht investieren. Sie haben eine Mentalität des „there is no return before investment“ (es gibt nichts zurück, bevor man nicht gegeben hat).

    Man gibt jetzt 1.000€ aus, weil man weiß: Wenn ich das Geld jetzt investiere, bekomme ich es in einem Jahr zehnfach wieder zurück. Wenn du nichts investierst, bekommst du auch ziemlich sicher zu 100% nichts zurück.

    Startups investieren dabei auch in die eigene persönliche Weiterentwicklung und sind offen für Feedback „von außen“. Einen Coach oder eine Mentorin zu haben, die bei der Entwicklung unterstützt, sind in der Startup-Welt Normalität und sind gerade für junge Menschen eine große Hilfe.

    Die Folge: Sie wachsen. Sie gedeihen. Und wenn es nicht klappt, hat man es zumindest probiert.

    Weil bei Vereinen kein oder wenig Geld von oben reinkommt und damit wenig Spielräume für Investitionen geschaffen werden, nehmen sie es von unten. Sie sparen. Steuern sparen, Ausrüstung sparen, Lohnkosten sparen. Besonders stolz möchte man den Mitgliedern präsentieren, wie man in diesem Jahr wieder kein Geld ausgegeben hat.

    Leider sparen sie so auch an der eigenen Weiterentwicklung. Die Folge: Ohne Investment, kein Return on Investment. Vereine sind bekannt dafür, im Status Quo zu verbleiben. Wenig attraktiv für ambitionierte junge Menschen, sich zu engagieren.

    Punkt 3: Start-Ups haben keine Angst vor großen Visionen

    Startups investieren, weil sie große Veränderungen bewirken möchten, denn unter „Weltänderung“ machen es viele Startup-Gründer*innen nicht. Sie sind visionär, treten an, um ganze Wirtschaftszweige umzukrempeln, stellen den Status Quo in Frage.

    Das funktioniert nur, wenn sie wachsen und sich kontinuierlich verbessern, in der Größe sowie in der Qualität. Während Vereinsvorstände noch dabei sind, jeden Cent dreimal umzudrehen, gehen Start-Ups mit dem genau gleichen Zeitaufwand große Visionen an. Und genau diese Visionen sind es, die den Start-Ups soviel Zulauf bescheren. Sie wirken anziehend auf junge Menschen.

    Die Stunde Ehrenamt in deinem lokalen Verein kann die Person auch pro bono für ein sozial ausgerichtetes Start-up arbeiten – und dabei aufgrund der hoch gesteckten Ziele mit derselben Zeit mehr Veränderung in der Welt bewirken.

    Und wer möchte nicht von Anfang an bei etwas Großem dabei gewesen sein? Was die Welt möglicherweise prägt?

    Punkt 4: Start-Ups sind transparent, risikofreudig und experimentieren viel

    Wenn du unbedingt die Motivation von jemandem nehmen möchtest, dann antworte auf eine Idee mit folgenden Sätzen:

    • Das haben wir schon immer so gemacht.
    • Das wird nicht funktionieren (ohne es jemals probiert zu haben).

    Noch vor 10 Jahren konnte sich niemand vorstellen, dass Menschen ihre privaten Zimmer für völlig fremde Gäste bereitstellen würden. Heute ist Airbnb mit 2 Milliarden Dollar bewertet und der größte Anbieter für Übernachtungen auf der Welt – weit vor etablierten Hotelketten.

    Startups nutzen hierfür die beliebte „Lean Startup“-Methode von Eric Ries. Sie schafft einen Rahmen, wie Ideen schnell und einfach getestet werden können, um so schnell wie möglich aus „ich glaube, das funktoniert nicht“ den Beweis anzutreten.

    Wenn es nicht klappt, dann kommt der sogenannte „Pivot“. Ideen, die nicht funktionieren, werden einfach angepasst. Die Firma bleibt, die Mission bleibt, die Herangehensweise ändert sich. So passen sich Startups schnell Themen an, die eben nicht funktionierten – und machen es einfach anders.

    Dabei scheuen sie auch nicht davor, alles zu veröffentlichen und für Alle völlig transaprent zu sein. Der Deutsche Leo Widrich hat im Silicon Valley ein Millionen-Startup aufgezogen – und dabei unter anderem alle Gehälter veröffentlicht. Vom Praktikant bis zum CEO.

    Das unterscheidet die Startups: sie glauben nicht, sie wollen wissen. Auch wenn es bedeutet, falsch gelegen zu haben. Und sie haben keine Angst davor, alles zu veröffentlichen und mit Fehlern auch öffentlich umzugehen.

    Punkt 5: Startups sind schnell, Vereine sind langsam

    Wer nicht oder wenig investiert, muss mit einem Kompromiss leben: es dauert dann eben einfach sehr, sehr, sehr viel länger.

    • Geld sparen: Kostet nichts, dafür dauert alles länger
    • Geld investieren: Kostet etwas, dafür gehen die Dinge schneller voran

    Dies ist grundsätzlich nicht gut oder schlecht. Zu schnelles Wachstum hat sich auch für Startups als nicht immer gesund herausgestellt.

    Doch während Startups das eine Extrem haben, haben Vereine das Andere. Trotz ihrer kleinen Größe, die sie eigentlich wie ein wendiges, schnelles Boot handeln lassen sollte, gleichen die Prozesse die eines schwerfälligen Tankers. Von der Idee zur Umsetzung kann es dann mal eben gut 8-12 Monate dauern.

    Langsame Prozesse (das sollten wir erst bei der Mitgliederversammlung abstimmen lassen, die in 6 Monaten stattfindet), lange Entscheidungswege über Vorstand oder Geschäftsführer, abgeschirmte Vorstands-Sitzungen, zu denen neben dem Vorstand niemand eingeladen wird, um die Menschen dann bei der Mitgliederversammlung mit meist vorher abgestimmten Anträgen zu konfrontieren, Einschränkungen, was man machen darf und was nicht, vorgefestigte Strukturen, an die man gebunden ist, fehlende digitale Prozesse.

    Selbst kleinste Vereine haben Prozesse wie in einem Großkonzern. Und deswegen sind Vereine eben auch so attraktiv für junge Menschen, wie Großkonzerne. Nicht.

    Punkt 6: Startup sind „cool“, Vereine sind es nicht

    Im Großkonzern zu arbeiten, eingeengt durch mächtige Prozesse, lange Entscheidungswege und große Hierarchien ist uncool geworden. Lieber wenig verdienen im kleinen Startup mit flachen Hierarchien und dafür seine Ideen umsetzen dürfen und können. Nur deshalb erreichen Start-Ups viele Bewerbungen von Studenten und jungen Leuten. Es ist „hip“.

    Bilder aus den Büros von Google, facebook, AirBnB und anderen bekannten „Startups“ mit Tischkickern und Hängematten, Menschen die fröhlich in der Pause Volleyball spielen helfen dabei, ein Image aufzubereiten, bei dem jede*r denkt: da will ich auch arbeiten.

    Auch wenn dies im Übrigen in der Realität meist anders aussieht: Start-Ups haben es geschafft in der Außenwelt ein Image zu erschaffen, welches viele Menschen anzieht.

    Für eine solche Außenwirkung sind Vereine eher weniger bekannt. Hier nur ein paar Assoziationen, die Menschen mit Vereinen in Verbindung bringen:

    • Vereinsmeierei
    • Alte, weiße Männer im Vorstand die am liebsten keine Veränderung möchten
    • Statt miteinander, lieber gegeneinander

    Selbst wenn dies bei deinem Verein nicht der Fall ist und er alle Eigenschaften eines Start-Ups aufweist, kämpft auch dein Verein gegen diese in der breiten Masse vorhandene Klischees in den Köpfen der Mitglieder.

    Was kannst du als Verein tun, um zum Startup zu werden und junge Menschen zu gewinnen?

    Kostenlos ist nicht gleich umsonst. Hier ein paar Dinge, die du tun kannst, um wieder attraktiver für die nächste Generation zu werden.

    Biete jungen Menschen eine Perspektive

    Auch wenn du „nur“ ein kleiner Verein bist und nur in einer kleinen Ortschaft aktiv bist, so leistet ihr doch einen Beitrag zu den großen Themen, die die Menschen aktuell bewegen.

    Wenn ihr euch unsicher seid, zu welche großen sozialen Zielen unserer Zeit ihr mit eurem Verein einen Beitrag leisten möchtet oder könnt, so kann euch die Liste der 17 Nachhaltigkeitsziele der UN weiterhelfen. Die 17 Nachhaltigkeitsziele (auch Sustainable Development Goals, kurz SGD genannt) haben sich zum Ziel gesetzt, die Rahmenbedingungen für die Menschen auf dieser Welt bis 2030 größtmöglich zu verbessern.

    Sie sind die Grundlage für viele Maßnahmen auf politischer Ebene, Stiftungen vergeben ihre Gelder, ob das Projekt und die Stiftung das gleiche SDG angehen.

    In einem Strategie-Workshop (z.B. für drei bis vier Stunden) an einem Nachmittag könnt ihr entscheiden, für welche Ziele und Visionen euer Verein steht.

    Jetzt geht es auch darum, dass die Menschen davon erfahren. Denn nur dann, können diese auch auf Euch zukommen. Das ist vor allem dann der Fall, wenn sich die persönlichen Visionen einer Person mit den Visionen des Klubs matchen.

    Damit das passiert, geht es nach dem Strategie-Workshop darum, die definierte Vision auch immer und überall zu kommunizieren. Hier ein paar Anregungen:

    • Veröffentlicht eure Vision als Navigations-Punkt auf eurer Webseite und baut hierfür eine eigene Unterseite auf
    • Veröffentlicht eine Kurzbeschreibung eurer Vision (in zwei Sätzen) in der Signatur eurer E-Mail. So sendet ihr diese automatisch bei jeder E-Mail-Kommunikation mit.
    • Veröffentlicht eine Kurzbeschreibung in die Fußzeile eurer Webseite oder eures Newsletters.
    • Sendet die Vision als E-Mail an jedes neue Mitglied beim Einarbeitungsprozess oder hängt diese als erste Seite an den Mitgliedsantrag an („Wir sind mehr als ein Sportverein. Deine Mitgliedschaft leistet einen wichtigen Beitrag zur Gleichberechtigung im Sport“).
    • Sprecht bei jeder Gelegenheit darüber, z.B. bei Trainer*innen-Gesprächen, bei Elternabenden, bei Heimspielen, zu Beginn der Saison in den Teams.

    Starte damit, zu investieren

    Möchtest du mehr junge Menschen gewinnen, dann könnte helfen, die vorhandenen Klischees im Kopf mit Gegenbeweisen zu ersetzen.

    • Starte damit zu investieren und zeige den jungen Menschen und der Öffentlichkeit, dass es zwar jetzt noch nicht perfekt ist, aber ihr auf dem Weg dahin seid.
    • Starte damit, deinen Verein zu verbessern. Das können kleine Dinge sein, wie ein neues Logo
    • Statt Vereinmeierei, Offenheit für neue Projekte: Übt euch darin, Dinge erst dann zu bewerten, wenn sie gemacht wurden, nicht vorher.
    • Statt alte weiße Männer im Vorstand: Setzt aktiv darauf, euren Vorstand divers zu besetzen, z.B. bei Alter, Geschlecht, Herkunft.

    Sei offen und transparent

    Gestalte Vorstands-Meetings nicht als „Vorstands“-Meetings, sondern öffne die Sitzungen allen ehrenamtlichen Helfer*innen und sogar Mitgliedern, die sich für ein Engagement interessieren. So gibst du diesen die Möglichkeit, deine Arbeit „Behind the Scenes“ kennenzulernen und auch bei Entscheidungen gehört zu werden.

    Zusammenfassung: Biete jungen Menschen, was man mit Geld nicht kaufen kann

    Kein Mensch arbeitet für „umsonst“. Wer kein oder nur wenig Geld geben kann, kann andere Dinge bieten. Wenn du herausfindest, was den jungen Menschen wichtig ist und welche Bedürfnisse diese haben, kannst du diese genau dort abholen. Dann lohnt sich die Vereinsarbeit – auch ohne Entlohnung. Zum Beispiel:

    • eine Perspektive, dass die eigene Arbeit einen Teil zur Vision beigetragen hat
    • eine Spielwiese, um Projekte auszuprobieren, die man woanders so nicht umsetzen kann
    • Zugang zu einer Community an Menschen, bei denen man sich zugehörig fühlen kann.
    • Spaß

    Siehe ebenfalls: Was Vereine von Startups lernen können

  • Liebe Eltern und Vereinsmitglieder: Deshalb reichen 8€ Mitgliedsbeitrag NICHT, um einen Verein zu finanzieren

    Eine Antwort für jammernde Eltern und Mitglieder.

    Beim Crowdfunding geht es vor allem darum, dass eigene Netzwerk als Unterstützer*innen zu gewinnen. Beim Verein sind das die Eltern und die eigenen Vereinsmitglieder. Die Herausforderung: “Wir zahlen doch schon Mitgliedsbeitrag, wieso sollen wir jetzt noch einmal extra Geld hinlegen?. Ein Satz, den wohl jede*r Ehrenamtliche*r schon einmal gehört hat. Zu hören auch bei folgenden Situationen: Wieso soll ich jetzt noch mein Kind zum Spiel fahren? Kuchen backen? Beim Vereinsfest helfen? In der Abteilung mithelfen? Mich als Trainer*in oder Schiedsrichter*in engagieren?

    Die bittere Wahrheit: Grundsätzlich gibt es eine Minderheit im Verein. Diese engagiert sich ehrenamtlich, hilft mit, gibt Zeit und/oder Geld. Und dann gibt es noch die anderen, die Mehrheit, die trainieren und spielen. Das Ganze in Zahlen: 8,75 Millionen Ehrenamtliche und Helfer*innen geben, 28,7 Millionen Vereinsmitglieder nehmen.

    Deshalb möchten wir ein wenig Aufklärungsarbeit leisten. Liebe Eltern, Spieler*innen, liebe Gesellschaft: Deshalb reichen 8€ Mitgliedsbeitrag im Monat nicht aus, um einen Verein, eine Mannschaft zu finanzieren.

    Zwischen sozialer Verträglichkeit und ausreichender Höhe

    Aller Anfang ist hierbei die Gemeinnützigkeit. Laut Gemeinnützigkeit soll der Mitgliedsbeitrag im Verein “sozial verträglich” sein. Jeder soll es sich leisten können, Sport im Verein zu treiben. Das gilt auch für Personen, die am Existenzminimum leben.

    Ich interviewte den damaligen Vorstand des Stuttgarter Eishockey-Clubs für meine Bachelorarbeit zum Thema Crowdfunding. Die Antwort zur Notwendigkeit alternativer Finanzierungsmittel: Sie sind relevant, weil „diese die Diskrepanz aus den Einnahmen aus Mitgliedsbeiträgen und den Kosten des Nachwuchses decken.” Wäre der Mitgliedsbeitrag nicht sozial verträglich gestaltet, müsste sich dieser auf mindestens 60€ belaufen. Im Monat wohlgemerkt. Andere Finanzierungssäulen wie Sponsoring, Staatliche Zuschüsse, Ticketeinnahmen oder eben Crowdfunding müssen die entstehende Differenz ausgleichen. Fällt der Verein bei Sponsoren durchs Raster und kürzt die Kommune die Zuschüsse bleibt als Finanzierungsmittel fast keine andere Möglichkeit als eben das Geld von Mitgliedern, Freund*innen, Familien, Fans und Unterstützer*innen einzusammeln.

    (K)eine Selbstverständlichkeit


    Auch ich erhielt während meiner Abteilungsleiter-Zeit immer wieder obige Aussage. Besonders eine E-Mail einer Mutter hatte mich getroffen. In dieser hatte sie sich über unsere Trainer beschwert (zu Recht) und dann noch folgenden Satz hintergeschoben: “Und Trikots sollten eigentlich in einem Verein wie dem MTV, wo alle Mitglieder Mitglieds-Beiträge plus Extra-Beiträge für die diversen Abteilungen bezahlen, eine Selbstverständlichkeit sein.” Ich brauche nicht zu erwähnen, dass ihre Mitarbeit bei unserer Crowdfunding-Aktion für neue Trikots sich auf das Nötigste belief.
    Um für derartige Kommentare gewappnet zu sein, habe ich euch hier meine Antwort hineinkopiert, gerne zum Übernehmen.

    Auf das Thema Beiträge und Extra-Beiträge (die im Übrigen für die Basketball Abteilung nicht anfallen) möchte ich gerne anhand von Zahlen eingehen.

    8€ Mitgliedsbeitrag im Monat reichen gerade mal, um eine*n C-Lizenz Trainer*in für diesen Monat zu bezahlen (Hinweis: C-Lizenz ist fast der niedrigste Trainer*innenschein) und zwar auch nur, wenn bei 2 Trainingseinheiten in der Woche die Mannschaft mindestens 16 Spieler*innen umfasst. Damit erhält ein*e Trainer*in 16€ pro Trainingseinheit OHNE Spieltage. Dies bedeutet, dass die Trainer*innen an Wochenenden und zusätzlich für die ganze Organisation drumherum nicht bezahlt werden und diese Aufgaben in ihrer Freizeit übernehmen.

    Von 8€ Mitgliedsbeitrag sind dann noch nicht bezahlt:

    • Trikots (die v.a. in der Jugend auf ominöse Weise immer wieder verschwinden)
    • Bälle (die v.a. in der Jugend in fremden Hallen auf ominöse Weise immer wieder verschwinden und deswegen regelmäßig neu gekauft werden müssen)
    • Miete für Busse (leider sind immer weniger Eltern bereit, ihre Kinder zu Auswärtsspielen zu fahren)
    • Miete Trainings- und Spielhallen
    • mobile Spielanzeigen (2 Stück á 800€ pro Anzeige)
    • Spielberichtsbögen, Vierfarbige Stifte
    • Strafen
    • Spielverlegungsgebühren ( 35€ pro Spielverlegung, normalerweise bis zu 20 Spielverlegungen in der Saison = 700 €)
    • Spieler*innenmeldegebühren (8€ pro Jugendspieler bei über 120 jugendl. Mitgliedern = 960€, 14€ bei Seniorenspieler*innen), zzgl. Verbandsumlagen, Schiedsrichter*innenumlagen, Mannschaftsgebühren (ca. 1.000€)
    • neue Linien in der Halle oder neue Bälle, weil der Verband auf die Idee kommt, die Dreierlinie weiter nach hinten zu legen oder Damenbälle kleiner zu machen
    • Rücklagen, die wir bilden, um zukünftig ein JBBL oder NBBL-Team tragen zu können (eine Saison kostet hier i.d.R. bis zu 30.000€)
    • theoretisch anfallende Personalkosten, die durch das Ehrenamt gedeckt werden (der 10-köpfige Vorstand arbeitet im Monat bis zu 20h ehrenamtlich in seiner Freizeit, über Mithilfe von Elternseite freuen wir uns immer :))

    Auch wenn wir diesen Zustand gerne hätten, mit ehrenamtlicher Arbeit können wir für den Preis keine Fullservice Kinderbetreuung anbieten, ohne dass alle mitanpacken. Eltern wie die Spieler*innen selbst, der Vorstand, der Verein, die Kommune. Wir arbeiten ausnahmslos alle im Vollzeitjob, der MTV passiert nachts und am Wochenende.

    Aufgrund unseres schnellen Wachstums freue ich mich deshalb umso mehr, wenn Eltern wie Sie den Trainer*innen Organisationsarbeit abnehmen, weil sie Autos und Fahrer für Auswärtsfahrten zur Verfügung stellen, einen Kuchen backen für unseren Verkauf bei den Heimspielen oder ihre Kinder dazu motivieren, sich als Trainer*in oder Schiedsrichter*in zu engagieren. Wir würden uns freuen, wenn Sie auch andere Eltern dazu motivieren könnten, sich hier zu engagieren und uns bei unserer Arbeit zu unterstützen.

    Mit besagter Mutter hatte ich daraufhin ein sehr konstruktives Gespräch. Ihr war einfach nicht bewusst, was eigentlich für Kosten bei einem Verein alles anfallen und was für eine Arbeit wir als ehrenamtlicher Vorstand leisten und zwar für Kinder, die nicht unsere eigenen sind.

    Was für Vorurteile habt ihr während eurer Zeit als Trainer/Abteilungsleiter oder Helfer im Verein schon gehört?