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Fabian Kirst: Nur wer sich verändert, bleibt sich treu!

Lisa Steffny | 11. Juni 2021

„Wenn ihr ein Ziel habt, gebt nicht auf, sondern verfolgt es. Seid dabei aber flexibel und innovationsbereit.“

Fabian Kirst

Nach der Beendigung seines Studiums hat Fabian einen Job als Projektleiter bei der Rollstuhlsportgemeinschaft (RSG) Hannover angefangen. Schon als Jugendlicher wollte der sportbegeisterte 25-Jährige im Verein arbeiten. Der Weg dorthin war jedoch alles andere als gradlinig. Im Interview erzählt er über seine eigene ehrenamtliche Laufbahn, seine Jobsuche und welchen gesellschaftlichen Wert der Sport in seinen Augen hat. 

Hallo Fabian, nach deinem Schulabschluss hast du dich für ein duales Sportmanagementstudium entschieden. Wieso? 

Während meiner Schulzeit bestand fast mein ganzes Leben aus Sport. Ich habe selbst Handball gespielt und verschiedene Ehrenämter begleitet. Ich habe Kinder trainiert und war zudem Fußball-Schiedsrichter und Schiedsrichter-Obmann. Daher wollte ich gerne mein Hobby zum Beruf machen, auch wenn ich vielleicht etwas naiv dachte, ein Sportstudium bedeutet, wir reden den ganzen Tag über unsere Lieblingsvereine und welche Spieler wir transferieren würden. So sah das Studium dann doch nicht ganz aus, sondern es steckten auch komplexe betriebswirtschaftliche Strukturen dahinter. 

Trotzdem hast du einen Master ohne Sportbezug gemacht. Wie kam es dazu?

Ich hätte auch im Master weiterhin gerne einen Sportbezug gehabt. Da ich jedoch dual studiert habe, war das leider nicht so einfach, da mir für die meisten Studiengänge Credit Points gefehlt haben, vor allem im sportwissenschaftlichen Bereich. Daher habe ich mich für ein allgemeines betriebswirtschaftliches Studium entschieden. 

War für dich auch nach dem Master weiterhin klar, dass du gerne im Sport arbeiten möchtest?

Mein Ziel war es immer, nach dem Studium im Sport zu arbeiten. Wenn man fast seine gesamte Freizeit im Sport verbringt, dann überlegt man natürlich: Wie bringe ich das, was mir Spaß macht, mit dem zusammen, was mir abends mein Brot auf den Tisch bringt? Und hier finde ich den Ansatz von Klubtalent spannend: Dass man Menschen, die Lust darauf haben und auch entsprechend qualifiziert sind, die Möglichkeit gibt, in ihrem Verein zu arbeiten. Das war immer mein Plan: Ich wollte für das, was ich gerne in meiner Freizeit mache, bezahlt werden. Im Zuge der Coronapandemie hatte ich mich aber zwischenzeitlich von der Idee verabschiedet. 

Wie waren deine Erfahrungen bei der Jobsuche?

Der Sportmarkt und entsprechend der Sportjobmarkt sind sehr klein. Ich hatte nicht das Gefühl, dass es dort viel Auswahl gab, sondern das Stellen sehr rar sind. Auf die einzelnen Stellen kommen entsprechend viele Bewerbungen. 

Meinst du, es würden viele Menschen in einem Verein arbeiten wollen?

Ich glaube, es geht vielen ähnlich wir mir. Ich kenne auch einige Leute, die super viel ehrenamtlich machen und höchstens eine kleine Aufwandsentschädigung bekommen. Hier muss sich der Sport hinterfragen, ob er nicht mehr Jobs schaffen will, damit eben genau solche engagierten Menschen eine Chance gegeben wird. Davon profitieren nicht nur die Menschen, sondern auch der Sport. 

Was glaubst du, woran es liegt, dass es trotzdem so wenige bezahlte Stellen im Sport gibt?

Ich glaube, im Sport gibt es noch eine große Diskrepanz zwischen Traditionalisten und Professionalisierung. Auf der einen Seite sehen wir Sportvereine und -verbände, die sehr professionelle Strukturen geschaffen haben und viel mit dem Hauptamt arbeiten. Auf der anderen Seite gibt es aber auch viele Vereine, die an alten Strukturen festhalten, frei nach dem Motto: ‚So haben wir es immer schon gemacht‘. Da muss im Sport dringend etwas passieren, denn – auch wenn es zwei Euro ins Phrasenschwein bedeutet: Nur wer sich verändert, bleibt sich treu! 

Du hast mittlerweile die Möglichkeit, in einem Verein zu arbeiten. Wie kamst du zu der Stelle? 

Ich habe den Job beim Stöbern durch die DOSB Stellenanzeigen entdeckt und er hat mich direkt angesprochen, da ich es eine spannende Aufgabe fand, eine Inklusionssportart voranzubringen. Dann habe ich mich beworben und konnte den Verein von mir überzeugen. 

Seid ihr denn mehrere hauptamtliche Kräfte im Verein? 

Ja, wir sind zu dritt. Ich arbeite dort als Projektleiter „Rollstuhlhandball Deutschland“. Es gibt zudem noch eine Projektleitung „Inklusives Segeln“ und eine Stelle in der Geschäftsstelle. Interessant hier zu erwähnen ist, dass es unserem Verein nur durch Projektförderungen möglich ist solche Stellen zu besetzen und zu bezahlen. Diese teils hochkomplexen Förderanträge müssen wiederum von Ehrenamtlichen gestellt werden. 

Und wie sieht dein Aufgabenprofil aus? 

Meine Aufgabe ist es, die 1. deutsch-holländische Meisterschaft im Rollstuhl-Handball am 11.9.2021 zu organisieren. Diese Veranstaltung gilt als Kick-Off Event. Es sollen Strukturen für die Rollstuhlhandball Bundesliga aufgebaut werden, die gibt es nämlich noch nicht. Hier suche ich Mannschaften, die mitmachen möchten, baue Strukturen auf, suche Sponsoren und Kooperationspartner, kümmere mich um die Vermarktung… eben alles, was dazu gehört. Die Niederländer sind hier schon ein bisschen weiter als wir, daher freuen wir uns, mit ihnen zusammenarbeiten zu können. 

Du hattest vorher kaum Berührungspunkte zum inklusiven Sport. Wieso hast du dich trotzdem beworben? 

Ich fand es immer wichtig, etwas bewegen zu können und Menschen zu helfen, weswegen ich auch immer viel ehrenamtlich gearbeitet habe. Das ist bei dieser Stelle zu 100% gegeben, weil ich das Gefühl habe, ich arbeite für eine gute Sache, für ein gutes Projekt und für einen guten Verein, so dass wir Menschen wirklich etwas wiedergeben. Zudem war ich schon immer in den Handball-Sport vernarrt und der Sport begleitet mich bereits mein ganzes Leben. Die Stelle ermöglicht es mir, beides zu kombinieren. 

Es gibt viele Definitionen zum Begriff „Inklusion“. Was bedeutet er für dich?

Dort gibt es auf jeden Fall ein sehr unterschiedliches Verständnis. Für mich ist Inklusion, dass jeder mitmachen darf und kann. Der Begriff ist aber viel weiter gefasst, als dass er sich nur auf Menschen mit und ohne Behinderung bezieht. Auch andere Attribute wie Größe, Gewicht und Alter müssen mitgedacht werden. Hier müssen wir im Sport, aber auch gesellschaftlich noch weitere Barrieren abbauen. Rollstuhlhandball ist die optimale Sportart dafür, dass sämtliche SportlerInnen gemeinsam Spaß haben können. Sie lässt Menschen mit und ohne Behinderung zu.

Vom Sport wird immer mehr erwartet, was er leisten soll. Gleichzeitig sind die Ressourcen oftmals begrenzt und viel läuft über das Ehrenamt. Wie sind deine Erfahrungen hier?

Ich glaube, es muss uns allen bewusst werden, was Ehrenamt eigentlich heißt und dass die Menschen das in ihrer Freizeit machen. Das Pensum einiger ist der Wahnsinn. Genauso, was von ihnen erwartet bzw. was ihnen abverlangt wird. Oft sind es immer auch dieselben Personen, die sich engagieren. Es wird dabei auch unterschätzt, wie groß der Organisationsaufwand in einem Verein ist und was den Ehrenamtlichen damit zugemutet wird, dass sie dies allein stemmen müssen. Hier ist die Herausforderung für den Sport, eine gute Balance zu finden. Langfristig wird man daher nicht an hauptamtlichen Kräften vorbeikommen, die das Ehrenamt entlasten. 

Hast du noch einen Tipp an andere, die ebenfalls im Sport arbeiten möchten?

Ich kann allen nur auf den Weg geben: Wenn ihr ein Ziel habt, gebt nicht auf, sondern verfolgt es. Seid dabei aber flexibel und innovationsbereit. Ich wollte mit 18 immer in einem Sportverein arbeiten, aber der Weg dahin war nicht gradlinig und ich habe ein paar Umwege genommen. Bleibt daher immer offen für neue Dinge und nutzt die Chancen, Neues zu lernen und neue Erfahrungen zu machen. 


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