Wie du entscheiden kannst, ob Hauptamt das Richtige für deinen Verein ist (inkl. Tool)

Artikelbild Hauptamt im Verein Entscheidung treffen

Soll ichs wirklich machen, oder lass ichs lieber sein?

Gehen oder bleiben? Machen oder nicht machen? Sparen oder investieren? Entscheidungen können uns den Kopf zermartern. Und eine hauptamtliche Stelle einzuführen ist eine Entscheidung, die man nicht „mal eben schnell“ trifft.

Deswegen möchten wir euch im Laufe der Zeit verschiedene Methoden vorstellen. Mit diesen könnt ihr herausfinden, ob eine hauptamtliche Stelle das Richtige für euren Verein ist. Es lohnt sich immer, diese Methoden durchzuführen. Auch dann, wenn ihr keine hauptamtliche Stelle plant.

In der Methode in diesem Artikel geht es nicht darum, was du alles in welcher Konstellation gewinnst. Sondern es geht darum, was du alles in welcher Konstellation verlierst. Deine Entscheidung basiert in dieser Methode darauf: Welchen Preis bist du bereit zu bezahlen?

Gliederung dieses Artikels:

  • Es wird immer ein Preis bezahlt.
  • Welchen Preis bezahlst du mit Hauptamt, welchen mit Ehrenamt?
  • Typische Sätze, die du bei der Entscheidung ausblenden kannst.
  • Häufige Fragen
  • Was, wenn wir eine falsche Entscheidung treffen?
  • Wieso wir uns für die Förderung von Hauptamt entschieden haben.

Denn: Es wird immer ein Preis bezahlt

Wer an Ehrenamt denkt, denkt auch meist: Es ist kostenlos.

Aber ganz stimmt das nicht.

Zwar sind die positiven Seiten, dass der Verein unabhängiger von Geld ist und – wenn er welches hat – dieses zu 100% in Projekte investieren kann.

Doch es gibt auch einige negative Seiten. Werden Engagierte für die sinnstiftenden Tätigkeiten nicht bezahlt, müssen sie neben dem Ehrenamt noch woanders für Geld arbeiten, um überleben zu können. Und laut Gallup-Studie haben 70% der Erwerbstätigen in ihren Arbeitsstellen innerlich gekündigt. Sie laufen jeden Morgen in ein Büro, auf das sie eigentlich keine Lust haben. Um dann in ihrer Freizeit das zu tun, was sie eigentlich erfüllt, für das sie aber nicht bezahlt werden. Das hat zur Folge, dass Ehrenamtliche sich nicht mehr als im Schnitt 6 Stunden pro Woche für das Gemeinwohl engagieren können. Wenig Zeit. Häufig zu wenig. Viele wichtige gesellschaftliche Projekte können deshalb nicht oder nur sehr langsam umgesetzt werden. Das wiederum bedeutet, dass Vereine so nicht vollumfänglich ihre Wirkung entfachen können.

Every decision comes with a trade-off.“

Jede Entscheidung hat also immer Vor- und Nachteile. So auch eure Entscheidung, ob ihr für eine hauptamtliche Stelle bezahlen möchtet oder in eurer aktuellen Ehrenamts-Konstellation verbleibt.

Hauptamt – machen oder nicht machen? Die „Welchen Preis bin ich bereit zu bezahlen“-Methode

Wir wollen uns für eine Entscheidung bewusst machen, welchen Preis wir für welche Entscheidung bezahlen.

Diese Fragen können dir dabei helfen:

  • Was kostet es uns, Hauptamt in der Vereinsorganisation einzuführen?
  • Was kostet es uns, ehrenamtlich zu bleiben?

Dararufhin folgt die alles entscheidende dritte Frage:

  • Welchen Preis sind wir eher bereit zu bezahlen? (oder auch: Mit welchen Nachteilen können und wollen wir leben?)

Denn es geht nicht darum, was euch wichtig ist. Es geht darum, was euch wichtiger ist.

Um euch dabei zu unterstützen, haben wir euch ein Tool vorbereitet, welches ihr hier herunterladen könnt.

Unternimm folgende Schritte mit dem Tool:

  1. Lade das Tool herunter.
  2. Fülle die leere Liste mit deinen Gedanken aus. Was für Nachteile fallen dir ein?
  3. Es gibt für jedes Problem und jeden Nachteil eine Lösung! Füge deshalb hinter jedem Punkt Präventionsmaßnahmen ein, mit denen du die Folgen des Nachteils abmildern kannst.
  4. Checke deine Liste mit unserer Liste quer. Gibt es noch Punkte, an die du noch nicht gedacht hattest?
  5. Schließe die Augen und visualisiere beide Szenarien. Wie sieht dein Vereinsleben in 5 Jahren aus? Einmal gehst du den Schritt in Richtung Hauptamt und Professionalisierung. Einmal verbleibst du in der aktuellen Situation. Wie fühlt es sich an?

Typische Gedanken, die du bei einer Entscheidung ausblenden kannst:


Triff eine Entscheidung, weil es für Euch und eure Vereins-Ziele Sinn macht, nicht …

weil wir es uns nicht leisten können“: Die wenigsten Menschen kaufen sich eine Eigentumswohnung auf der Basis „Hab kurz aufs Konto geschaut. Jap, kann ich mir leisten.“ Sie möchten ein eigenes Heim haben, weil es für ihre Lebensziele Sinn macht und gehen dann die notwendigen Schritte, um dies zu ermöglichen. Das kann auch bedeuten, sich zu verschulden und einen Kredit aufzunehmen. Oder den Job zu wechseln, weil man dort mehr verdient und damit mehr Chancen hat, den Traum zu finanzieren.

„weil es alle anderen auch so machen“: Für hunderte Vereine, bei denen reines Ehrenamt funktioniert, gibt es genau so viele Vereine, bei denen es nicht (mehr) funktioniert. Trefft eine Entscheidung, weil es für euch und eure Vereinssituation Sinn macht, nicht, weil es die anderen so machen. Am Ende hängt es von der individuellen Situation ab und den Menschen, die es möglich machen wollen.

„weil wir es schon immer so gemacht haben“: Nur weil es früher funktioniert hat, muss es heute nicht weiterhin funktionieren. Das Verschwinden von Unternehmen wie AOL, Nokia oder der ein oder anderen früher mal großen Zeitung liefern hierfür die leider traurigen Beweise. Was früher funktioniert hat, muss in der Zukunft nicht weiterhin funktionieren.

„weil dann bestimmt das oder das passiert“: Wurde bei der Einführung des Mindestlohns auch gesagt. „Die Menschen werden bestimmt in Massen entlassen werden.“ Ist nicht passiert. Sei alarmiert, wenn in deinen Sätzen Floskeln wie „es wird bestimmt…“ oder „es wird das oder das passieren…“ auftauchen. Wenn du es nicht ausprobiert hast, kannst du es nicht wissen. Bleibe offen und behalte einen „ich kann das nicht wissen“-Mindset. Es kann alles passieren. Es kann gut gehen, es kann nicht gut gehen. Wichtig ist nur: Es gibt immer eine Lösung!

Häufige Fragen und mögliche Antworten


Was tun mit den Nachteilen von Hauptamt?

Helfen kann dir hier die Fear Setting-Methode von Tim Ferris. Nimm alle Ängste und Nachteile, weswegen du noch zögerst und notiere sie. Überlege dann, wie du das Eintreten des Worst Case Scenarios durch Maßnahmen im Vornhinein verhindern kannst.

Zum Beispiel indem du schon vorher ein Rücklagenkonto aufbaust. Notiere auch, wie anstrengend es ist, das umzusetzen. Wir haben dies in das Tool eingefügt.

Wie kann ich herausfinden, was ich als Nachteil eintragen soll, wenn ich doch noch gar kein Hauptamt habe?

Trage einfach deine eigenen Bedenken und Zweifel ein, die dir beim Hauptamt aufkommen. Ansonsten recherchiere drei Vereine, die den Weg ins Hauptamt bereits gegangen sind und sprich mit diesen für 15 Minuten.

Du kannst ihnen folgende Frage stellen:

  • Was für Herausforderungen hattet ihr bei der Einführung? Wie habt ihr diese gelöst?
  • Was würdest du im Nachhinein anders machen?
  • Was würdest du mir noch sagen wollen / empfehlen zu der Thematik?


Was wenn wir uns dafür entscheiden, und es war die falsche Entscheidung?

Wir haben oft die (schlechte) Angewohnheit, in eine endlose Gedankenschleife zu verfallen.

Wir überdenken alles, und überdenken alles, und überdenken alles, und überdenken alles. Das führt dazu, dass wir nie eine Entscheidung treffen und folglich nie erfahren werden, was hätte sein können.

Wir glauben, die Zukunft durch Nachdenken voraussagen zu können und darauf basierend die „richtige“ Entscheidung treffen zu können.

Aber die Zukunft lässt sich nicht durch Nachdenken vorhersehen. Nicht umsonst heißt es: Im Nachhinein ist man immer schlauer. Es gibt auch keine „richtige“ oder „falsche“ Entscheidung. Es gibt nur machen, oder nicht machen.

Uns ist es deshalb wichtig, euch dies mitzugeben. Wenn ihr eine Entscheidung trefft, müsst ihr diese nicht bis an euer Lebensende durchziehen. Ihr könnt diese auch einfach wieder anpassen.


You do it, you fail, you adjust.

Warum wir uns dafür entscheiden haben, Hauptamt in Vereinen zu fördern

Die Idee zu Klubtalent kam, als wir genau diese Aufstellung gemacht haben.

Und dabei gesehen haben, dass wir in unseren Vereinen weniger Kinder und Benachteiligte erreichen, wir nicht mit Schulen zusammen arbeiten oder uns mit anderen sozialen Organisationen vernetzen können.

Einfach, weil wir als Ehrenamtliche während der Arbeitszeiten dafür keine Zeit haben.

Wie viele Kinder spielen jetzt kein Basketball, Fußball, Handball oder betreiben Leichtathletik? Wie viele Kinder aus ärmeren Verhältnissen haben keinen Berührungspunkte mit dem Verein, weil sie nie angesprochen werden? Wie viele Geflüchtete sind nicht über den Sport integriert worden, weil niemand die Zeit hatte, dies voranzutreiben?

Für uns ist das ein Preis, der zu hoch ist.


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