Safe Sport: Wieso eine hauptamtliche Stelle deinen Verein zu einem sichereren Ort werden lassen kann

*Triggerwarnung: Dieser Bericht enthält Inhalte zum Thema sexualisierte Gewalt*

Wir alle kennen die Frage: Wieso möchten Sie den Job gerne haben? Die ehrliche Antwort wäre meist: Wegen des Geldes. Oder: Weil es die am wenigsten schrecklich klingendste Option war. Bei Klubtalent und mir war dies ein wenig anders, denn ich wurde gefragt, ob ich am Aufbau des Unternehmens mitwirken möchte. Geld verdienen war natürlich kein zu vernachlässigendes Argument. Auch viele andere Gründe, die wir immer wieder in unseren Webinaren oder auf der Homepage nennen, haben einen Beitrag dazu geleistet, mich zu überzeugen. Aber vor allem habe ich in Klubtalent die Chance gesehen, ein Thema, welches mir sehr wichtig ist, voranzutreiben: Die Prävention sexualisierter Gewalt im Verein und die Schaffung eines „Safe Sport“.

Was versteht man überhaupt über sexualisierte Gewalt? 

Hört man den Begriff sexualisierte Gewalt, hat jeder Mensch vermutlich erst einmal verschiedene Assoziationen. Verständlich, denn jeder Mensch setzt seine Grenzen anders und blickt auf andere Erfahrungen zurück. Daher ist eine allgemeingültige Definition nur schwer vorzunehmen. Vereinfacht gesagt ist der Begriff “sexualisierte Gewalt” ein Oberbegriff für eine Machtausübung mit dem Mittel der Sexualität. 

Eine genauere Abstufung nimmt die Studie “Safe Sport” der Deutschen Sporthochschule in Köln vor, die in drei Kategorien unterteilt: Sexualisierte Gewalt ohne Körperkontakt, sexuelle Grenzverletzungen und sexualisierte Gewalt mit Körperkontakt. 

Unter sexualisierter Gewalt ohne Körperkontakt sind folgende Ereignisse zusammengefasst: sexistische Witze; nachpfeifen oder in sexuell anzüglicher Weise nachrufen; sexuell anzügliche Bemerkungen; sexuell anzügliche Blicke; Mitteilungen mit sexuellem Inhalt; Bildnachrichten von betroffener Person in sexueller Position.

Unter sexuelle Grenzverletzungen fallen folgende Ereignisse: unangemessen nahekommen; unangemessene Berührungen allgemein; unangemessene Berührungen im Training; unangemessene Massagen; betroffene Person auffordern, mit ihr alleine zu sein; betroffene Person auffordern, sich vor anderen auszuziehen; sich vor betroffener Person exhibitionieren.

Sexualisierte Gewalt mit Körperkontakt meint folgende Ereignisse: unerwünschte Küsse, sexuelle Berührungen, versuchter Sex sowie Sex mit Penetration, jeweils gegen den eigenen Willen. (Safe Sport, 2017, S. 9)

Jeder Fall ist einer zu viel 

Rund 33%. So hoch ist der Anteil von Kaderathlet*innen, die bereits einmal in ihrem Leben sexualisierte Gewalt im Sport erlebt haben. Das ergab die oben genannte Studie. Die Dunkelziffer – auch im Amateursport – ist nicht zu bemessen. Aber eins ist sicher: Die Zahl ist viel zu hoch. In letzter Zeit tauchte das Thema auch immer mal wieder in den Medien auf, vor allem, weil schockierende Fälle ans Licht kamen. Zwar passiert sexualisierte Gewalt im Sport nicht öfters als in anderen Bereichen des Lebens, doch es gibt einige Faktoren, die es Täter*innen im Sport teilweise einfacher machen: Macht- und Vertrauensverhältnisse, Infrastruktur, Dusch- und Kabinensituationen, um nur ein paar zu nennen. 

Neben den erschreckenden Ergebnissen zeigte die Studie jedoch auch: Durch eine Kultur des Hinsehens im Verein sinkt die Wahrscheinlichkeit rapide, dass es in einem Verein zu solchen Fällen kommt. Doch diese herrscht bis heute in den wenigsten Sportvereinen. 

Ressourcenmangel an allen Ecken und Enden: 23% der Vereine engagieren sich nicht im Kinderschutz

Die Gründe? Neben der (unbegründeten) Angst, dass ein Engagement in diesem Bereich gleichbedeutend mit einem Schuldeingeständnis ist, legen viele Vereine ihre Prioritäten schlicht und ergreifend anders. Um als Verein ein gut ausgearbeitetes Präventions- und Interventionskonzept aufweisen zu können, braucht es Zeit, Geld und personelle Ressourcen. Dinge, die in Vereinen oft rar sind und die zumeist für die Organisation und Aufrechterhaltung des Trainings- und Spielbetriebs verwendet werden. Frei nach dem Motto: Augen zu und es wird schon nichts passieren. Dies zeigen auch die Erkenntnisse des Sportentwicklungsberichts. Hier gaben 23% der befragten Vereine an, sich nicht im Bereich Kinder- und Jugendschutz zu engagieren. 

Besonders der Personalmangel stellt hier ein großes Problem da. Bereits seit Jahren haben Vereine immer öfters das Problem, ehrenamtliche Helfer*innen zu finden. Zum einen bindet die Personalsuche zeitliche Ressourcen, zum anderen verleitet es die Vereine, so gut wie jede Person, die sich engagieren möchte, auch in den Verein aufzunehmen, ohne vorherige genauere Prüfung. Stattdessen oft eine der ersten Fragen: Wann kannst du anfangen? 

Daher ist ein wichtiger Schritt im Bereich der Prävention sexualisierter Gewalt, dem Personalmangel entgegenzuwirken, so zum Beispiel durch die Schaffung einer hauptamtliche Stelle. So werden nicht nur neue Ressourcen geschaffen, sondern auch feste Zuständigkeiten festgelegt. Eine hauptamtliche Stelle im Verein wird Fälle sexualisierter Gewalt zwar nicht im Alleingang verhindern können, doch sie kann die Weichen stellen, um die oben genannte Kultur des Hinsehens zu schaffen. Weiterer positiver Nebeneffekt: Durch ein bestehendes Konzept können Ehrenamtlichen auch Ängste genommen werden, z.B. sich falsch zu verhalten und sie wissen, an wen sie sich bei Fragen und Sorgen hinwenden können. 

Eine Kultur des Hinsehens schaffen

Dabei gibt es einige Möglichkeit, wie dies gelingen kann. Hier einige Beispiele: 

  • Die hauptamtliche Kraft nimmt sich dem Thema selbst an oder schafft Kapazitäten, damit eine ehrenamtliche Kraft sich darauf konzentrieren kann 
  • Ansprechpersonen werden benannt 
  • das Thema sexualisierte Gewalt wird überhaupt auf die Agenda gebracht
  • es wird an Schulungen teilgenommen 
  • Mitglieder werden sensibilisiert, z.B. durch Infoveranstaltungen und Aufbereiten der Homepage
  • es wird eine (externe) Risikoanalyse durchgeführt
  • es wird sichergestellt, dass die Ehrenamtlichen (und Hauptamtlichen) Ehrenkodexe unterschreiben und Führungszeugnisse einreichen
  • es werden Gelder akquiriert, z.B. durch eine Crowdfunding-Kampagne, um weitere Maßnahmen zu finanzieren
  • ….

Fazit

Einen Verein sicherer für seine Mitglieder zu machen ist eine ressourcenintensive Angelegenheit. Doch das Thema ist so wichtig, dass Vereine hier eigentlich nicht gezwungen sein sollten, Kompromisse machen zu müssen. Eine hauptamtliche Stelle kann daher der Schlüssel dafür sein, die Balance zwischen dem sportlichen Tagesgeschäft und der Verantwortung eines Vereins gegenüber seinen Mitgliedern zu halten. Zudem wollen auch wir von Klubtalent einen Beitrag dazu leisten, in dem wir in unserem Hauptamt-ready Programm konkret für das Thema sensibilisieren. 

Weitere hilfreiche Informationen zum Thema Prävention sexualisierter Gewalt lassen sich u.a. hier finden.

Du möchtest Kinder- und Jugendschutz Maßnahmen im Sport unterstützen, weißt aber nicht wie? Dann schau dir mal die Initiative „We for Safe Sports“ an.  


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