7 (plus 1) Erkenntnisse, die Vereine aus Corona und anderen Krisen ziehen können

Die Corona-Pandemie hat uns vor nie geahnte Herausforderungen gestellt und viele an den Rand ihrer Belastbarkeit gebracht. Doch sie hat uns auch einen Spiegel vorgehalten und gezeigt, wo Lücken im System sind, die uns vorher so nie aufgefallen sind.


Auch mit Blick auf unsere eigene Vereinstätigkeiten, hatten wir ein paar AHA-Momente, die uns für unsere zukünftige Arbeit beeinflussen werden. In diesem Artikel wollen wir euch an unseren Erkenntnisse teilhaben lassen und Lösungsvorschläge aufzeigen.

Erkenntnis 1: Szenarien, die wir uns nicht vorstellen können, können eintreten. Nichts ist sicher.

Hätte sich jemand vorstellen können, dass der Spielbetrieb für ein komplettes Jahr eingestellt wird?


Wir konnten es nicht. Und auch ein paar andere Dinge können bzw. wollen wir uns eigentlich nicht vorstellen:
„Unsere Einnahmen werden auf 0 sinken!“ „Ehrenamt wird es nicht mehr geben.“ „Sportvereine werden nicht mehr existieren.“


Doch die Pandemie hat uns gelehrt: All diese heute noch unvorstellbaren Szenarien können in der Zukunft Realität werden – auch unabhängig von Corona. In der Startup-Welt wird z.B. längst angenommen, dass Sportvereine ein Auslaufmodell sind (auch wenn wir da unser Veto einlegen würden).


Sie finden: Vereine befinden sich seit 10 Jahren auf dem absteigenden Ast, sind nicht zukunftsfähig aufgestellt und zu langsam, um mit der Geschwindigkeit aktueller Entwicklungen mitzuhalten. Über 3.000 Sportvereine wurden in den letzten 10 Jahren aufgelöst. Nutznießer sind Sport-Startups, die auf die Wünsche der Bevölkerung zugeschnittene Angebote bereitstellen.


Und die wünscht sich vor allem Flexibilität. Mittwoch Abend, 20 Uhr, Training ist das Gegenteil von Flexibilität.
Aus keinem anderen Grund bauen Freeletics, Urban Sports Club und Runtastic Alternativ-Produkte und erhalten hierfür Millionengelder von Investor*innen. Es liegt nun an den Vereinen selbst, zu beweisen, dass Vereine in 20 Jahren noch genauso essenziell für unsere Gesellschaft sind, wie sie es auch schon vor 50 Jahren waren.

Was du noch heute tun kannst: eine Risiko-Analyse durchführen

Nimm dir 10 Minuten Zeit, einen Zettel und Stift und erstelle eine Risiko-Analyse für deinen Verein.
Was außer Corona kann noch passieren, was dazu führt, dass deine Einnahmen in kürzester Zeit einbrechen? Oder dass die Existenz deines Vereins bedroht ist? Hier nur ein paar Beispiele:

  • Du hast einen Groß-Sponsor oder Mäzen und dieser geht insolvent / springt ab / kürzt seine Ausgaben wegen Wirtschafts-Krisen. Wenn ein Großteil deiner Einnahmen von diesem kam, bist du relativ schnell in einer misslichen Lage
  • Deine Spieler*innen mögen den*die Trainer*in nicht und wechseln gesamt zum Nachbarverein
  • Es gibt einen Rassismus / Sexismus Vorfall oder andere Fälle in deinem Klub und die Mitglieder verlassen in großer Anzahl deinen Verein.
  • Du finanzierst dich über Fördergelder, aber die Stiftung deines Vertrauens ändert ihre Strategie
  • Deine Ehrenamtlichen brechen alle auf einmal weg, weil sie privat andere Prioritäten setzen (müssen) und ihr findet niemanden, der nachfolgt.
  • Die Mitglieder schwinden und zwar so schnell, dass ihr nicht so schnell hinterherkommt, um die Lücke zu schließen.
  • Es kommen starke Konkurrenten aus dem For-Profit-Sektor auf den Markt, die Millionen-Investitionen im Rücken haben.
  • usw.

Nicht alles ist vorstellbar (Corona), aber manches ist vorhersehbar (Markt-Trends). Es kann helfen, sich einmal im Jahr anzuschauen, wohin sich die Bevölkerung entwickelt und was es für neue Trends gibt. Denn die Konkurrenz aus dem For-Profit-Sektor schläft nicht. Und die haben Vollzeit-Arbeitskräfte und viel Geld im Rücken.
(Lies hierzu auch: 6 Ziele für deine Vereinsfinanzen)

Erkenntnis 2: Save for a rainy day

Für Privatpersonen gilt: 3-Netto-Monatsgehälter sollten auf dem Konto sein. Das ist der Mindest-Notgroschen, wenn es dazu kommen sollte, dass man seinen Job verliert und das Einkommen auf 0 sinkt.
Bei Vereinen sieht das leider meist anders aus. Von der Hand in den Mund ist hier eher die Devise. Unter anderem auch wegen des Mythos, dass Vereine keine Rücklagen bilden dürfen.
Das stimmt so auch. Nur gibt es viele Ausnahmen von der Regel der „zeitnahen Mittelverwendung“, der gemeinnützige Organisationen unterliegen.


So dürfen Vereine unter anderem Rücklagen für Betriebsmittel bilden und dabei laut Vereinswiki sogar Gelder für 12 Monate ansparen. Damit können Gehälter, Mieten, Übungsleiter*innenpauschalen auch in schweren Zeiten weiter gezahlt werden.

Was du noch heute tun kannst: Rücklagen bilden

Starte noch heute damit, Gelder für den Notfall monatlich zurückzulegen und für die prognostizierte Wirtschaftskrise nach Corona vorzusorgen. Tipps dazu, findest du in unserem Artikel zur finanziellen Reichweite.

Erkenntnis 3: Wenn du in einer Krise schnell Geld brauchst, sind Banken und Kommunen zu langsam. Baue auf deine Vereins-Community und mach Crowdfunding.

Banken, Kommunen und der Staat betreuen nicht eigenes Geld, sondern fremdes Geld. Im Falle der Nothilfen handelt es sich z.B. um Steuergeld. Im Falle der Banken, um das Geld, welches wir Bürger*innen den Banken anvertrauen.


Dementsprechend gibt es dort Prozesse, die sicherstellen sollen, dass das fremde Geld auch richtig eingesetzt wird. Es kommt zu bürokratischen Prozessen á la „Wir bräuchten dann noch dieses unterschriebene Formular.“ „Wir melden uns … in 3 Monaten.“


Das führt dazu, dass es lange, wenn nicht sogar sehr lange dauert, bis finanzielle Hilfen auf dem Vereinskonto sichtbar werden. Zum Glück habt ihr als Vereine einen wahnsinnig wichtigen Joker in der Hinterhand: Eure Mitglieder!Wer sich absichern möchte, kann sich nicht nur über Rücklagen absichern (siehe Punkt 2). Ein großes Netzwerk kann bei kurzfristiger Geldnot Gold wert sein.


Denn es gibt unfassbar viel Geld, welches von heute auf morgen auf dem Konto eines Vereins landen kann.
Das Geld von Privatpersonen. Sie können über ihr Geld selbst entscheiden, und es auch sofort überweisen. Dafür müssen sie nicht ihren Chefin fragen und auch keine Formulare und Verträge vorab unterzeichnen.

Wie das erfolgreich funktioniert, haben die hunderten von Crowdfunding-Kampagnen auf den Plattformen von Startnext, fairplaid, betterplace und Co. gezeigt.

Was kannst du noch heute tun? Community-Building-Maßnahmen durchführen

Fokussiere dich auf den Aufbau einer loyalen Vereins-Community. Ein Anfang kann sein, sicherzustellen, dass du überhaupt alle deine Mitglieder erreichen kannst. Besitzt ihr alle E-Mail-Adressen, auch von den verschiedenen Elternteilen? Von früheren Vereinsmitgliedern, die umgezogen sind?


Wenn nicht, starte heute damit, diese Kontaktdaten mit Einverständnis der Personen einzusammeln und in einer (natürlich datenschutzkonformen Liste) zu dokumentieren.


Verbreite zudem deine Social Media-Kanäle immer und überall in der Kommunikation, sodass du auch dort deine Community erreichen kannst.


Zudem kannst du dir Anlässe überlegen, wo die Menschen auch außerhalb des Trainings- und Spielbetriebes zusammenkommen. Feiern, gemeinsam bei Spielen zusehen etc.

Erkenntnis 4: Menschen zahlen auch ohne Spielbetrieb weiter, wenn sie wissen, warum.

Der Mensch ist ein Schnäppchenjäger: Qualität ja, aber bitte nicht zu teuer. Vereinsbeiträge von durchschnittlich 8€ im Monat passen da hervorragend ins Beuteschema.

Hinzu kommt, dass durch kommerzielle (Sport-) Anbieter das Bild in unseren Kopf gepflanzt wurde, dass Sportvereine ebenfalls Dienstleister sind. Die logische Schlussfolgerung „Ich zahle doch Mitgliedsbeitrag, also habe ich auch Anspruch auf X, Y, Z.“ Doch 8€ Mitgliedsbeitrag reichen nicht aus, um den Erwartungen gerecht zu werden, ohne dass Personen sich komplett selbstaufopfern zu müssen.

Das Problem: Fällt der Anspruch weg, sehen Mitglieder auch nicht ein, weiterhin zu zahlen. Sie gehen, sobald die Leistung wegfällt.

Was vielen Mitglieder jedoch überhaupt nicht bewusst ist:

  • wie sich Vereine finanzieren
  • welche Kosten sie haben
  • welcher Aufwand Ehrenamtliche haben
  • und dass viele Trainer*innern nicht bezahlt werden


Dadurch entsteht eine falsche Erwartungshaltung. Eine Erwartungshaltung, der jedoch ganz leicht entgegengewirkt werden kann.

In Gesprächen mit Vereinen kam heraus: Mitglieder waren vor allem enttäuscht, warum der Verein nicht aktiv kommuniziert hat, was mit dem Geld passiert.

Wurde es den Mitgliedern in einer ruhigen Minute erklärt, kam in den meisten Fällen ein „Achso“. Es kommt zum Verständnis für die Situation und damit auch zur Weiterzahlung des Beitrages – ohne weitere anstrengende Diskussionen.

Wie in so vielen Situationen heißt das: Kommunikation ist der Schlüssel.

Was kannst du noch heute tun? Schreibe einen Transparenzbericht

Es ist leider nicht ausreichend, das Budget einmal im Jahr bei der Mitgliederversammlung zu präsentieren, bei der rund 2% der Mitglieder erscheinen.

Schreibe besser einen kleinen Transparenzbericht und erkläre z.B. in einem Newsletter, wie der Verein sich finanziert und wie die Gelder ausgegeben werden. Ecosia, die Tomorrow Bank und andere soziale Startups machen es vor.
Du kannst die Zahlen auch an den Mitgliedsantrag anhängen, sodass schon beim Eintritt diese Zahlen mitkommuniziert werden.

Lege zudem einen Account bei der Initiative transparente Zivilgesellschaft an und veröffentliche regelmäßig Zahlen zu Mittelherkunft (von wem kommt euer Geld?) und Mittelverwendung (wie wird das Geld ausgegeben?)
Allgemein kann es hilfreich sein, in Krisenzeiten lieber mehr als weniger zu kommunizieren.


Erkenntnis 5: Seinen Vereinshaushalt zum Großteil auf Sponsoren zu bauen, kann riskant sein.

Sponsoring ist als Finanzierungsmittel weit verbreitet, zumindest in semiprofessionellen Vereinen.

Aber: Sportförderung ist nicht der Unternehmens-Zweck von Sponsoren. Deswegen sind Sponsoring-Verträge meist die ersten Verträge, die gekündigt werden, wenn es eine Krise gibt.

Dabei muss es sich nicht einmal um eine globale oder nationale Krise handeln. Es reicht, wenn es sich um eine Unternehmens-Krise handelt, also das Unternehmen sich in einer schwierigen Phase befindet. Ab dem Zeitpunkt rutschen Sponsoring-Verträge in der Prioritätenliste ganz weit nach unten.

Was du heute tun kannst: Prüfe dein Budget und die Verhältnisse

Prüfe, welchen Anteil Sponsoring-Gelder an deinem Vereins-Etat haben. Machen diese über 60% des Etats aus? Dann könnte es sein, dass ihr handeln solltet und z.B. mehr Gelder über Mitgliedsbeiträge, Spenden, Förderungen oder andere Finanzierungssäulen einnehmen solltet.

Erkenntnis 6: Vereine spielen in der Politik eine untergeordnete Rolle und müssen in der Lobby-Arbeit dringend nachholen.

Was wirklich wichtig ist, merkt man, wohin investiert wird.

Und hier zeigte sich während der Pandemie nur allzu deutlich, dass der Sport und seine Vereine eine eher untergeordnete Rolle spielen.

Denn bei Fördermaßnahmen wurden Vereine als Letzte bedacht, nach der Wirtschaft.
Unverständlicherweise, denn Sportvereine sind mehr als ein reiner Zeitvertreib. Sie erfüllen wichtige gesundheitsfördernde und soziale Aufgaben und sind daher unerlässlich für unsere Gesellschaft. Entsprechend selbstbewusst können sie auftreten.

Heißt wiederum für die Vereine: Vereinsvertreter*innen und Verbände müssen in Lobby-Arbeit investieren, um auch die Politik immer wieder dran zu erinnern. Nur so können Vereine in der nächsten Krise besser wahrgenommen werden und einen Platz am Verhandlungstisch erhalten.

Was du als Verein noch heute tun kannst: Erstellt eine Position „Lobby-Arbeit“ im erweiterten Vorstand


Erstelle einen Ordner „Lobby-Arbeit“ und beginne, zu recherchieren, was deine Rechte als Sportverein sind.
Rufe 3 Vereine an und frage an, ob ihr euch bei vereinsübergreifenden Themen zusammenschließen wollt. Beispielsweise zur Hallenverteilung.

Das heißt für die Zukunft: Kooperation statt Konkurrenz. Legt eure Vereinsbefindlichkeiten zur Seite und schließt euch zusammen, um gemeinsam mehr Verhandlungsmacht zu haben.

Für die Zukunft kann es bedeuten, dass ihr eine*n Lobby-Beauftragte*n in eurem Verein einführt, der*die sich dem Thema Lobby-Arbeit in Richtung Sportamt, Stadt, Verbände annimmt und eure Interessen dort vertritt.

Erkenntnis 7: Unternehmen und Engagierte brauchen Vereine nicht zum Überleben. In Krisenzeiten werden sie geskippt.

Diese Beobachtung schließt sich dem obigen Punkt an.

Was die Gesellschaft und die Menschen zum Überleben benötigen, merkt man dann, wenn es zu Krisenzeiten kommt. Denn dann wird geskippt, was nicht zum Überleben notwendig ist.
Und während Corona – oder auch in sonstigen Krisenzeiten – wird das Engagement für Vereine häufig geskippt. In Unternehmen sowie bei Ehrenamtlichen.

  • Unternehmen streichen in Krisenzeiten Sponsoring-Verträge und Spendengelder.
  • Corona, Scheidung, Tod, Krankheit, Pflege eines*r Angehörigen, zu viel zu tun, Erschöpfung, Burnout: Sobald im Leben eines Menschen eine private Krise auftaucht, bleibt für Ehrenamt keine Zeit und Energie mehr. Privatpersonen geben in persönlichen Krisenzeiten ihr ehrenamtliches Engagement auf.

Das liegt daran, dass wir Überleben mit Finanziellem verbinden. Denn ohne Geld fehlt uns sprichwörtlich „die Luft zum Atmen.“ Geld zahlt unsere Wohnung, unser Essen. Solange es kein Grundeinkommen gibt, benötigen wir Geld, um unser Überleben zu sichern.

Und Vereine spielen im finanziellen Überleben von Unternehmen und Engagierten eine stark untergeordnete bist eigentlich überhaupt keine Rolle.

Das bedeutet: Engagement für Vereine mit Hilfe von Zeit oder Geld ist ein Luxus-Gut.

Und solange Vereine nicht Teil des Überlebens von Unternehmen und Engagierten werden, wird das wohl auch weiterhin so bleiben.

Wollen Vereine, dass sich die Menschen und die Wirtschaft auch in Krisenzeiten weiterhin engagieren, müssen Vereine auch im Überlebensmodus eine entscheidende Rolle spielen.

Was du heute tun kannst: Fokussiere dich auf das, was Menschen zum Überleben benötigen. Eine Community.

Eine starke Vereins-Community spielt hier eine große Rolle. Denn der Zusammenhalt der Menschen ist etwas, was die Menschen zum Überleben benötigen: zwischenmenschliche Beziehungen. Füreinander da sein, wenn es bei einer Person mal schlecht läuft.

Es ist die Komponente, die die Wirtschaft, Fitness- und Yoga-Studions häufig nicht liefern. Eine Familie.
Genau hier können Sportvereine daher punkten – doch auch hierfür braucht es Engagement.

In allen Mitgliederumfragen, die Vereine innerhalb unseres Hauptamt-ready-Programmes durchgeführt haben, haben sich in allen Vereinen die Mitglieder vor allem eins gewünscht: Mehr Aktivitäten außerhalb des Sport- und Spielbetriebes.

Und mit allen, meinen wir in wirklich allen Vereinen.

Bedeutet: Liefern Vereine diese wichtige Konstante, können sie auch neben dem finanziellen Überleben weiterhin als wichtiger Faktor wahrgenommen werden – und somit in der Priorität der Menschen eine große Rolle spielen.
Weihnachtsfeier, Season-Opening-Feier, regelmäßiges Essengehen nach dem Spiel, gemeinsame Spieleabende, gemeinsam zu anderen Vereinen zum Zuschauen gehen. Es gibt viele Anlässe, um die Menschen zusammenzubringen.

Erkenntnis 8: Ehrenamt ist der Politik wichtig, Hauptamt ist der Politik wichtiger. Vereine haben wenig bis keine Verhandlungsmasse gegenüber der Politik.

Die folgende Beobachtung bezieht sich nicht auf den einzelnen Verein, sondern den ganzen Vereins-Sektor. Diese Aussage könnte kritisch hinterfragt werden. Also meldet euch gerne, wenn ihr hierzu eine andere Erkenntnis / Einsicht / Meinung habt.

Aber: Immer wieder wird beteuert, wie wichtig Vereine und das Ehrenamt für die Gesellschaft sind, auch von der Politik.

Unterstützt wurden die Ehrenamtlichen in der Corona-Zeit jedoch vor allem mit einem: noch mehr Bürokratie-Aufgaben. Diese Bürokratie ist auch notwendig (siehe Punkt 2). Kann aber von den Vereinen nicht mit der notwendigen Struktur abgedeckt werden.

Was wir daraus lesen: Vereine und Ehrenamt sind der Politik wichtig. Doch Unternehmen und Arbeitsplätze scheinen der Politik wichtiger.

„Zahnloser Tiger“ ist nur eine Bezeichnung, die auf die fast schon verzweifelten Forderungen von Verbänden und Interessensvertretungen gefallen sind, die alles versuchen. Und doch am Verhandlungstisch nichts einbringen können.
Denn anders, als der Wirtschafts-Sektor, hat die Zivilgesellschaft wenig in der Hand. Ehrenamtliche streiken (zumindest bisher) nicht. Vereine können keine Menschen arbeitslos machen.

Möchten Vereine in der Zukunft eine größere Rolle in der Politik spielen, müssen sie die Währung liefern, mit der Politiker*innen handeln und die Sprache sprechen, mit der Politiker*innen sprechen.

Und die Währung der Politik heißt: Arbeitsplätze.

Arbeitsplätze sind der Grund, wieso der Staat nicht aus der Kohle aussteigt, Arbeitsplätze sind der Grund, wieso Tesla eine Milliarden-Förderung erhält, Arbeitsplätze sind der Grund, wieso Großkonzerne mal eben ein paar Milliarden Überbrückungskredit erhalten.

Vereine dagegen haben wenig Verhandlungsspielraum. Weil sie aktuell eine Parallelwelt zum Wirtschaftssystem darstellen. Sie können fordern und fordern und fordern, haben aber wenig in der Hand, um ihre Forderungen auch mit entsprechendem Druck durchzusetzen. Noch dazu haben sie nicht die (personellen wie finanziellen) Ressourcen, um die Öffentlichkeit ins Boot zu holen.

Was der Vereinssektor noch heute tun kann: Verhandlungsmasse aufbauen

Die Politik hat einen der größten Hebel auf die Zivilgesellschaft. Nimmt sie ihre Investitionen zurück, wackelt die ganze Zivilgesellschaft. Saniert sie Sporthallen nicht, können Sportvereine keinen Sport mehr anbieten.

Und dennoch kümmern sich die wenigsten Vereine und Verbände mit hoher Wichtigkeit um Lobby-Arbeit oder darum, Verhandlungsspielräume zu gestalten. Und damit Einfluss auf einen der größten Einfluss-Faktoren zu nehmen.

Hier sind nur einige Ideen, die deshalb auf der bereits schon überfüllten To Do-Liste von Ehrenamtlichen eigentlich noch Platz finden müsste.

  • Mehr Ressourcen (Zeit und Geld) in Lobby-Arbeit investieren
  • Sich stärker zusammenschließen und Netzwerke bilden
  • Sich stärker wirtschaftlich aufstellen und damit auch in Krisensituationen als wichtiger Faktor wahrgenommen werden

FAZIT / TAKEAWAYS:

  • Vereine und das Ehrenamt sind ein „nice-to-have“, aber wenn es hart auf hart kommt, fahren Politik und Bevölkerung das Engagement herunter oder streichen es sogar komplett.
  • Wenn Vereine lernen, wie Lobby-Arbeit funktioniert und sich stärker politisch engagieren und zusammenschließen, haben sie bei der nächsten Krise bessere Chancen.
  • Kommunikation und Transparenz sind wichtig, möchten Vereine Unterstützung von der breiten Bevölkerung erfahren (was ihnen wiederum mehr Verhandlungsspielraum gegenüber der Politik bietet).

Was sind eure Fazits? Habt ihr noch etwas zu ergänzen? Schreibt es uns an hallo@klubtalent.org und wir fügen es dem Artikel hinzu.


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