Wie die BC Lions mit Fördergeldern ihre Projekte umsetzen

Mit gerade einmal 24 Jahren ist Lukas Keul Projektmanager beim Projektverein BC Lions. Obwohl er diese Tätigkeit liebt, kommt der Absolvent für Internationale Not- und Katastrophenhilfe immer wieder an seine Grenzen. Das Problem? Neben dem Entwickeln von neuen Projektideen, schreibt er Projektanträge, beantragt Fördermittel und vieles mehr und dass, obwohl er eigentlich Vollzeit einem anderen Job nachgeht. Über seine Tätigkeit und wieso der Verein nun jemanden im Hauptamt einstellen möchte, spricht er im Interview mit Klubtalent.


Hallo Lukas, was ist der Unterschied zwischen einem „normalen“ Verein und einem Projektverein?

Auch als Projektverein nehmen wir ganz normal am Spielbetrieb teil, bieten daneben aber auch verschiedene Projekte in den Bereichen Politik, Integration und Inklusion an. Zum Beispiel sensibilisieren wir Kinder und Jugendliche für unterschiedliche Themen. Ein Projekt ist hier „Meine Stimme zählt“ bei dir wir Jugendliche auf das erste Mal wählen vorbereiten. Zudem organisieren wir jährlich den International Eastercup, der mittlerweile bereits acht Mal stattfand.

Was ist der International Easter Cup?

Der International Eastercup Berlin-Moabit ist ein Basketball-Turnier von Kindern und Jugendliche für Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit und ohne Behinderung. Wir versuchen dort, auf und neben dem Platz viele Nationalitäten und Kulturen zusammenzubringen. Es wird über fünf Tage in allen Altersklassen gespielt, so dass mittlerweile fast 2.000 Menschen aus über 30 Nationen vor Ort sind. Selbst Mannschaften aus Nigeria, Indien oder der Mongolei reisen an. Was ebenfalls cool am Projekt ist, ist, dass wir die Jugendlichen aktiv bei der Organisation miteinbinden. Sie schreiben selbst Projektanträge, sind als Fotograf*innen aktiv oder führen die Siegerehrung durch. Sie übernehmen Verantwortung und lernen Dinge, die sie so in der Schule sonst nicht lernen.

Das klingt nach einer tollen Veranstaltung! Wie kamst du selbst zum Verein?

Ich war vorher beim ASV Moabit, mit dem ich auch in die Regionalliga aufgestiegen bin. Allerdings habe ich dann für mich entschieden, sportlich nochmal einen Schritt zurück zu machen, weil es immer schwieriger wurde, Sportpensum und Studium miteinander zu vereinbaren. So bin ich dann zu den BC Lions gekommen, mit dessen 1. Vorsitzenden ich schon vorher durch den International Eastercup in Kontakt stand.

Du bist als Projektmanager im Verein aktiv. Was ist deine Aufgabe?

Meine Hauptaufgabe im Verein ist es, mir Projekte auszudenken, Projektanträge zu stellen, Fördergelder zu beantragen und die Projektabschlussberichte zu verfassen. Hinzu kommen Projektkoordinatoren, die für die Umsetzung der einzelnen Projekte verantwortlich sind. Zwei dieser Koordinatoren sind Jannes und Jennis, die neben Studium und Arbeit ihre Zeit in die Vereinsarbeit investieren und mir dabei eine große Hilfe sind!

Aktuell investiere ich selbst ungefähr 10 Stunden pro Woche ehrenamtlich, indem ich mich entweder abends nach der Arbeit nochmal ran setze oder tagsüber zwischendurch mal Telefonate erledige, da ich eigentlich Vollzeit woanders arbeite. Besonders mit Andy, dem 1. Vorsitzenden, bin ich täglich im Kontakt, um den Verein nach vorne zu bringen.

Momentan geht das von dem Pensum noch ganz gut, aber ich merke mittlerweile auch: Mehr ginge nicht.  

Kannst du uns konkrete Projekte nennen?

Zwei Beispiele für Projekte, die wir im Jahr 2020 gemacht haben, sind „Andere Perspektiven erfahren“ und „Girls Ball Too“. Bei ersterem Projekt geht es darum, Kinder und Jugendliche für das Thema „Menschen mit Behinderung“ zu sensibilisieren. Beim zweiten Projekt-Beispiel geht es darum, Mädchen und ihre Rolle in der Gesellschaft, durch die Hilfe von Sport, zu stärken.

Die Ideen für diese Projekte kommen mir durch Zeitungsartikel oder Nachrichten. Ich lese mich dann in diese Themenfelder ein und erkenne einen Bedarf. Das zusammen führt dann zu meinen Projektideen. Ich mache diese Projekte, weil es wichtig ist! Als Mensch und als Verein wollen wir die Gesellschaft kurz-, mittel- und langfristig im positiven Sinne mitgestalten. Wir setzen uns dabei in der Regel keine Grenzen. Realistisch muss die Umsetzung jedoch sein, damit das Projekt seine Wirkung entfalten kann.

Wie finanziert ihr eure ganzen Projekte?

Das war für mich auch erstmal ein Lernprozess. Angefangen habe ich mit ganz kleinen Projekten, mit einem Förderumfang von ca. 500 Euro, die man z.B. in den Bezirken beantragen kann. Dann habe ich mich gesteigert. Wenn die Ideen größer werden, braucht man meist auch mehr Geld. Über die Jahre haben wir dann diverse Drittmittelgeber gefunden, mit denen wir zum Großteil mehrere Projekte umgesetzt haben. Wir beziehen unsere Gelder also aus mehreren Quellen, was immer gut ist. Zugute kommt uns dabei, dass wir und unsere Projekte uns mittlerweile ein gewisses Standing, z.B. im Bezirk, erarbeitet haben.

Worauf kommt es beim Fördergelder beantragen an?

Wichtig ist, dass die Zielgruppe beim Antrag im Mittelpunkt steht und alle Gelder wirklich in die Projekte investiert werden. Zudem sollte man die „Vokabeln“ kennen. Wenn man von Integration spricht, sollte dies auch tatsächlich im Vordergrund des Projekts stehen. Außerdem darf man die Kosten der Projekte nicht unterschätzen, wie z.B. Honorare für Trainer*innen.

Gibt es auch Probleme beim Beantragen der Gelder?

Ja, ein Problem ist, dass die Summen meistens leider nichts so hoch sind. Das heißt man muss sich immer wieder ran setzen, um die Gelder zu beantragen. Das ist ziemlich zeitaufwendig, aber notwendig.

Zeitaufwendig in dem Sinne, dass man mehrere Anträge pro Jahr schreiben muss, um die notwendige Summe für Ziele zu erreichen. Wir haben daraus gelernt und schreiben nun weniger Anträge, aber mit größeren Summen. Aufwand und Nutzen sind in diesem Fall positiver zu bewerten, da der Aufwand der Beantragung bei den meisten Anträgen sehr ähnlich ist, wir nun aber die Fördersumme voll ausschöpfen.

Auch wenn die Aufwand-Nutzen-Relation im vergangenen Jahr eher durchschnittlich war, haben wir noch nie Projektgelder abgelehnt. Wir haben uns aber schon überlegt wie ausgereift die Idee sein sollte für die Summe. Zwei Beispiele: können wir für ein Projekt max. 500€ beantragen, steht die Idee und der Plan innerhalb eines Tages. Möchten wir jedoch 15.000 € beantragen, dann ist ein genauer Zeitplan, Personalplan und detaillierte Finanzplan notwendig. 

Wo sollte man als Verein suchen, wenn man Fördergelder beantragen möchte?

Es kommt immer darauf an in welche Richtung dein Projekt geht, z.B. welche Schwerpunkte du setzt, ob es kurz- oder langfristig geplant ist. Dazu kommt, woher deine Zielgruppe kommt.
Wenn du das beantworten kannst, dann weiß man auf welcher Ebene man suchen muss.
Entscheidend für die Wahl der Fördertöpfe ist für mich den Antragsprozess und auch, wie über die Verteilung der Mittel entschieden wird. Die Wahl des Fördertopfs ist auch manchmal abhängig von meiner Idee. Möchte ich in Richtung Inklusion weiß ich, welchen Fördertopf ich angehe. Manchmal erfahre ich aber auch von Fördertöpfen, die z.B. themenbezogen sind, und gestalte eine Idee entsprechend der Förderrichtlinien.

Auf wie vielen Schultern verteilt sich momentan eure Arbeit im Verein?

Neben mir übernimmt noch Andy Riebold viele Aufgaben. Zudem haben 14 Trainer*innen, wovon sich drei auch in den Projekten engagieren. Aber einen Großteil der Arbeit machen wir beide.

Jede*r hat ja mal ein Motivationstief, vor allem wenn man nebenbei noch Vollzeit arbeitet. Wie gehst du damit um?

Da die meiste Verantwortung bei Andy und mir liegt, müssen wir selbst bei einem Tief durchziehen, weil die Arbeit sonst liegen bleibt. Aber mittlerweile sind wir an einem Punkt angekommen, wo wir uns wirklich über Unterstützung von einer Teil- oder Vollzeitkraft freuen würden. Wir würden natürlich weiterhin dem Verein treu bleiben und tatkräftig unterstützen, aber die letzte Zeit war schon sehr kräftezehrend und eine Auszeit bzw. zumindest ein geringes Pensum wäre toll. Wir brennen immer noch für den Verein, aber Vollzeitstelle, Ehrenamt, Familie und andere Verpflichtungen sind schon für sich allein genommen sehr zeitintensiv.

Woran liegt es, dass nicht mehr sich in diesem Pensum engagieren?

Ehrlich? Ich denke, weil es nicht genug Geld gibt bzw. die Leute in de Regel für alles Geld haben wollen. Auf der anderen Seite wollen die Leute nicht so viel für den Mitgliedsbeitrag zahlen oder können es auch nicht. Das Ergebnis ist, dass es wenig Leute gibt, die sich mit ganzem Herzen für ihren Verein und Kiez einsetzen, ohne dafür ein Gehalt zu verlangen.

Ist das ein Grund, warum ihr als Verein nun aufs Hauptamt setzen wollt?

Ja, unser Verein wächst sehr stark. Der ASV Moabit hat sich dieses Jahr aufgelöst und uns seinen Platz in der Regionalliga für die Herrenbasketballer überlassen. Einige der Mitglieder sind dann auch zu uns gewechselt. Aber auch vorher ist der Verein bereits gewachsen, so dass die Tendenz momentan in Richtung 200 Mitglieder geht. Die Verwaltungsaufgaben nehmen dadurch immer weiter zu. Angefangen bei Emails an Mitglieder und den Verband bis hin zu der Betreuung unserer Social-Media-Kanälen. Deswegen wäre es gut, wenn eine Person dies hauptberuflich und vor allem tagsüber übernehmen könnte und solche Aufgaben nicht abends oder am Wochenende erledigt werden müssten.

Könntest du dir denn vorstellen, hauptamtlich im Verein zu erarbeiten?

Theoretisch ja, aber bei uns sehe ich ganz klar Andy in der Position, der auch lizenzierter Vereinsmanager ist.

Ihr seid bereits ein eingespieltes Team, aber wie stellst du dir generell die Arbeit zwischen Hauptamt und Ehrenamt vor?

Ich würde mir von der hauptamtlichen Person wünschen, dass sie kleine, aber sehr zeitintensive Aufgaben wie eben Emails übernimmt. Bei Dingen wie der Ideenfindung für neue Projekte würde ich auch weiterhin die Ehrenamtlichen mit einbinden. Die Ehrenamtlichen sollen entlastet, aber nicht entmündigt werden. Sie bleiben weiterhin einer der wichtigsten Elemente des Vereins.

Wenn bald hoffentlich eine neue Kraft dazukommt: Gibt es Projekte, die ihr gerne umsetzen würdet, aber für die bisher die Kapazitäten gefehlt haben?

Ein großes Projekt ist ein Vereinsheim, welches wir gerne bauen würden. Es soll ein Treffpunkt sein, der dem Verein gehört und an dem man zusammenkommen und Feste feiern kann. Zudem wollen wir ein Stützpunkt für Rollstuhlbasketball werden und dies mit sozialen Aspekten kombinieren. Wir wollen ein Sozialzentrum sein, wo neben dem Sport auch Nachhilfe und kulturelle Angebote wie Singen und Tanzen angeboten werden. Außerdem wäre es toll, wenn wir später auch Angebote für Senior*innen anbieten können. Wichtig ist uns, keine Strukturen doppelt aufzubauen, sondern auf bereits bestehende zurückzugreifen. Deswegen arbeiten wir auch eng mit Jugendeinrichtungen zusammen und wollen diese auch für neue Projekte mit ins Boot holen.

Vielen Dank fürs Gespräch!


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