• Gitta Axmann: Warum es einen ganzen Verein zum Schutz der Mitglieder braucht

    Im Interview berichtet Gitta Axmann u.a. wieso Vereine sich mit der Prävention von Gewalt auseinandersetzen sollten.

    Gitta Axmann ist wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Deutschen Sporthochschule und zudem seit vielen Jahren als Fachberaterin für Sportorganisationen und -vereine im In- und Ausland im Breitensport unterwegs. Einer ihrer Schwerpunkte: Sexualisierte Gewalt. Im Interview mit uns berichtet sie u.a. über verschiedene Formen von Gewalt, wieso sich jeder Verein mit der Prävention von Gewalt auseinandersetzen sollten und wie eine Kultur des Hinsehens geschaffen werden kann. 

    Hallo Gitta, viele Personen tun sich mit dem Thema „Sexualisierte Gewalt“ schwer. Du beschäftigst dich damit ganz bewusst intensiv. Wie kam es dazu? 

    In den 1990er Jahren war ich als Vorstandsmitglied im Allgemeinen Deutschen Hochschulverband aktiv und dort u.a. für das Ressort „Frauen und Sport“ zuständig. Bereits damals hatten wir Seminare zu „Sexuelle Gewalt und Sport“, die immer sehr interessant und wegweisend waren. Zu dieser Zeit gab es auch den ersten bekannten Fall im Sport, der für einen medialen Aufschrei gesorgt hat, wenn auch nur für kurze Zeit. Wenig später habe ich dann meine Diplomarbeit geschrieben. Für mich war immer das Thema Aufklärung von Mitgliedern bzw. möglichen Betroffenen wichtig, damit diese wissen: Was ist in Ordnung? Und was nicht? Im Rahmen meiner Diplomarbeit habe ich dann ein Konzept zu der Frage entwickelt: Stellen Sport und Bewegung mit Mädchen eine Möglichkeit zur Prävention sexueller Gewalterfahrungen dar? Ich habe ein Praxiskonzept über 20 Einheiten entwickelt und in mehreren Schulen erfolgreich durchgeführt. Und seitdem hat mich diese Frage nicht mehr losgelassen. 

    Forschst du auch im universitären Kontext zu diesem Themenfeld?

    Ja, unter anderem. An der Deutschen Sporthochschule gibt es immer wieder Forschungsprojekte dazu. Zuletzt habe ich zum Beispiel am Projekt TrainNah mitgewirkt. Ziel des Projekts ist es, durch Befragungen von Trainer:innen sowie Athlet:innen aus dem Nachwuchsleistungsbereich den Umgang mit Nähe und Distanz zu untersuchen und darauf aufbauend Trainer:innen-​Schulungen zu entwickeln und diese dann auch umzusetzen. 

    Durch deine Tätigkeiten hast du sowohl einen wissenschaftlichen Zugang als auch einen zu Führungskräften und der Basis. Wie ist deine Einschätzung: Ist das Risiko in Sportvereinen Gewalt zu erleben größer als in anderen Teilen der Gesellschaft?

    Ich glaube, die Antwort auf diese Frage muss man sehr differenziert sehen. In absoluten Zahlen ist dies gut möglich, da der Sport eine der größten Organisationen in Deutschland ist. In Prozentzahlen ist dies nur schwer zu beantworten. In vielen gesellschaftlichen Bereichen liegen keine Zahlen vor bzw. es gibt kaum Studien, zum Beispiel für den Bereich Theater oder der Musik. Nehmen wir das Beispiel Musik: Beim Erlernen eines Instruments nehmen viele Kinder und Jugendliche Einzelunterricht, was ein Risiko mit sich bringt. Zudem gibt es in allen Bereichen eine nicht zu ermittelnde Dunkelziffer, so dass Vergleiche schwierig sind. Mittlerweile wissen wir jedoch, dass die meisten Gewaltvorfälle im familiären Umfeld geschehen. Zudem wurde lange Zeit angenommen, dass Gewalt im Sport vor allem in geschlossenen Systemen wie Sportinternaten oder Stützpunkten vorkommen. Es hat sich jedoch mehr und mehr gezeigt, dass Vorfälle genauso oder vielleicht sogar häufiger im normalen Vereinssetting geschehen. 

    Wieso neigen einige Täter:innen dazu, sich einen Sportverein „auszusuchen“?

    Hier gibt es verschiedene Gründe. Sport ist natürlich sehr beliebt und in Deutschland von den allermeisten Kindern und Jugendlichen Teil der Biografie. Dabei ist er mit positiven Werten und Attributen wie Fairplay, Charakterbildung, soziale Kontakte, Spaß und Bewegung verbunden- und das regelmäßig, was bedeutet, dass Täter:innen Zeit haben sexualisiere Übergriffe zu planen. Teilweise haben Vereine einen fast schon familiären Charakter. Hinzu kommt die Körperzentriertheit des Sports. Dusch- und Umkleidesituationen gehören genauso dazu, wie gewisse Berührungen, z.B. Hilfestellungen. Für Täter:innen ist es daher relativ leicht, diese Besonderheiten des Sports zu ihren Gunsten zu nutzen. 

    Gibt es dort Unterschiede im Breiten- und Leistungssport? 

    Im leistungsorientierten Sport kommen meist noch andere Faktoren „begünstigend“ hinzu. Sportler:innen sind darauf getrimmt, über ihre Grenzen zu gehen, es wird von ihnen Disziplin gefordert und dass sie alles ihrem Traum unterordnen. Ganz oft fallen Sätze wie: „Das gehört dazu, um erfolgreich zu sein“ oder „Du musst über deine Grenzen gehen!“.  Zudem leben Leistungssportler:innen oftmals in geschlossen Systemen und haben kaum Kontakte außerhalb. Dieses Leben wollen sie nicht verlieren. Oftmals ist ihnen auch gar nicht bewusst, dass das Verhalten anderer ihnen gegenüber nicht „normal“. bzw. grenzüberschreitend ist. 

    Hast du das Gefühl, dass Vereine ein Risikobewusstsein dafür haben? 

    Ja und nein. Mittlerweile wurde so viel über verschiedene Vorfälle medial berichtet, dass es unmöglich ist, als Verein keine Kenntnis darüber zu haben, dass solche Fälle vorkommen. Auch die Landes- und Fachverbände informieren sie regelmäßig und bieten Schulungen an. Aber es gibt noch eine große Zahl an Vereinen, die sich kaum bis gar nicht mit dem Thema beschäftigen, und zwar aus verschiedenen Gründen. 

    Was sind das für Gründe? 

    Ein Problem sind die rein ehrenamtlichen Strukturen. Von Vereinen wird immer mehr erwartet. Sie sollen sich im Bereich der Integration engagieren, im Bereich der Inklusion, geschlechtliche und sexuelle Vielfalt fördern und so könnte man weitermachen. Gerade kleine Vereine sind oft überfordert mit der Fülle von Aufgaben, die sie erledigen sollen. In der Priorisierung von Themen fällt dann die Prävention sexualisierter Gewalt oft hinten runter. Für viele ist das Thema zu „nah“ bzw. zu schwer und sie behandeln lieber andere wichtige, aber für sie leichtere Themen. Außerdem haben viele Vereine die Angst, dass man denken könnte, bei ihnen gab es einen Vorfall, wenn sie sich nun damit beschäftigen. 

    Was muss sich ändern? 

    Wir müssen dahin kommen, dass Maßnahmen zur Prävention von Gewalt genauso normal werden wie TÜV-Abnahmen für Sportgeräte, Brandschutzmaßnahmen oder Erste-Hilfe-Kurse und sie zum Bereich ‚Sicherer Sport‘ gehören. Es muss Vereinen klar werden, dass es ihre Pflicht ist, ihre Mitglieder im Rahmen der Garantenpflicht zu schützen. Was tatsächlich oft ein Augenöffner ist: Den verantwortlichen Personen vor Augen zu führen, dass sie selbst Eltern sind oder jüngere Geschwister oder andere Kinder in ihrer Familie/ in ihrem Umfeld haben und sie zu fragen, welches Vereinsumfeld sie sich für diese wünschen bzw. dass es auch diesen Kindern passieren kann, sexualisierte Gewalt zu erleben. Das gilt es bestmöglich zu verhindern. 

    Abgesehen vom Schutz der Mitglieder – wieso sollten Vereine mehr Wert auf Präventionsmaßnahmen legen? 

    Neben den Mitgliedern schützt es auch die Ehrenamtlichen. Zum einen baut es Ängste und Unsicherheiten ab, zum anderen sichert es sie aber auch im Fall eines Vorfalls ab bzw. kann vor falschem Verdacht schützen. Der Trend bei der Strafverfolgung geht mittlerweile dazu, sich nicht nur auf die Täter:innen zu fokussieren, sondern auch das Umfeld zu fragen: Was wusste der Verein? Was hat der Verein für Maßnahmen ergriffen? Zudem können Vereine ein gutes Schutzkonzept als Qualitätsmerkmal sehen, um so mehr Mitglieder zu gewinnen. 

    Was sind Minimum Anforderungen, die jeder Verein umsetzen sollte? 

    Als erstes sollte man als Verein anerkennen, dass es verschiedene Formen von Gewalt im Sport gibt und diese auch im eigenen Verein vorkommen können. Außerdem braucht es ein Bewusstsein, dass es den gesamten Verein braucht, um die Mitglieder zu schützen. Es reicht nicht, eine Ansprechperson zu benennen und zu glauben: Die wird es schon richten. Eine Ansprechperson ist auf jeden Fall wichtig, aber es sollten alle geschult bzw. zumindest dafür sensibilisiert sein. Ebenfalls wünschenswert sind Arbeitsgruppen und dass das Thema regelmäßig im Vorstand thematisiert wird. Außerdem sollten Vereine Leitlinien erarbeiten: Wofür stehen wir? Was sind unsere Werte? Welche Kultur / Atmosphäre wollen wir pflegen? Wie gehen wir mit Nähe und Distanz um? Und darüber direkt deutlich machen, dass z.B. anzügliche / sexistische Sprüche keinen Platz im Verein haben. Darüber hinaus sollten sie sich über die Risiken im Verein bewusstwerden und präventiv klären: Wie gehen wir mit Einzeltrainings um? Wie mit Umleidesituationen? Um so gar keineMissverständnisse aufkommen zu lassen. Diese Leitfäden selbst zu erarbeiten, ist dabei deutlich aufwändiger, aber auch effizienter, als den Vereinen immer schon fertige vorzusetzen, die vermutlich niemand liest.

    Sollte man Kinder und Jugendliche miteinbinden? 

    Auf jeden Fall! Diese können ihre Bedürfnisse oft sehr gut kommunizieren. Sie wissen zum Beispiel am besten, was eine Ansprechperson mitbringen sollte, damit sie sich an sie wenden. Zudem hat sich gezeigt, dass viele – gerade junge Betroffene sich erst einmal an Freund:innen wenden. Deshalb ist es wichtig, dass sie wissen, dass sie damit nicht alleine zurechtkommen müssen, dass sie nicht Schuld sind und an welche Erwachsene sie sich wenden können. 

    Was gilt es noch zu beachten? 

    Der Aufbau eines Präventionskonzepts braucht Zeit und es reicht nicht, das Thema einmal abzuhandeln. Außerdem ist es wichtig, dass eine Ansprechperson nicht alles alleine leisten muss und es vollkommen in Ordnung ist zu sagen: Es überfordert mich, mich mit diesem Fall auseinanderzusetzen oder es übersteigt meine Kompetenz. Es ist ein bisschen wie mit einem Armbruch eines:r Spieler:in. Ich muss als Trainer:in wissen, dass ich dann den Krankenwagen rufen muss, aber ich muss den Arm nicht selbst operieren. So ist es hier auch: Ich muss wissen, was zu tun ist und an wen ich mich wenden sollte, aber ich muss nicht alleine den Fall aufarbeiten und den:die Betroffene:n psychologisch betreuen. Dafür ist es aber unabdinglich, dass es eine entsprechende Struktur im Verein gibt. 

    Kann eine hauptamtliche Stelle einen Beitrag dazu leisten, diese Strukturen in einem Verein zu schaffen?

    Absolut – allerdings mit der Einschränkung, dass es natürlich Personen – auch im Vorstand  – braucht, die sich dem Thema annehmen. Aber wir sehen, wie komplex das Thema ist und durch die geschaffene Hauptberuflichkeit fällt die „Ausrede“ der fehlenden zeitlichen Ressourcen ein Stück weit weg – entweder, weil sie sich dem Thema selbst annimmt oder aber Ressourcen für die Ehrenamtlichen schafft. Nichtsdestotrotz darf dann auch hier nicht der Fehler gemacht werden, dass die Aufgabe dann nur auf die hauptberuflichen Kolleg:innen abgewälzt wird. Wie gesagt: Es ist eine Aufgabe für den gesamten Verein und nur so kann das Thema nachhaltig etabliert werden. 

    Danke für das Interview!

    Lese auch: Wieso eine hauptamtliche Stelle deinen Verein zu einem sichereren Ort werden lassen kann

  • Mehr neue Mitglieder durch ein Update eurer Vereins Webseite

    Social Media Accounts und eine Homepage gehören mittlerweile fast schon zur Grundausstattung eines jeden Vereins. Das Problem: Das reine Besitzen dieser Kanäle ist nicht ausreichend, sondern sie müssen auch mit Leben gefüllt werden. Daher zeigen wir euch heute ein paar einfach Inhalte, die auf keiner guten Homepage fehlen dürfen. 

    Social Media Accounts und eine Webseite gehören mittlerweile fast schon zur Grundausstattung eines jeden Vereins. Das Problem: Das reine Besitzen dieser Kanäle ist nicht ausreichend, sondern sie müssen auch mit Leben gefüllt werden. Daher zeigen wir euch heute ein paar einfache Inhalte, die auf keiner guten Homepage fehlen dürfen. 

    Wie bei so vielen Dingen im Leben, gilt auch bei der Suche nach einem neuen Verein: Der erste Eindruck zählt. Schließlich möchte niemand zu einem Verein, bei dem man sich nicht sicher ist, ob er überhaupt noch existiert, weil der letzte aktuelle Beitrag von 2013 ist. Oder aber bei dem man gefühlt drei Stunden investieren muss, um überhaupt herauszufinden, ob es ein passendes Team für mich gibt und ob dieses in einer für mich geeigneten Liga spielt. Nur um dann entweder keine Ansprechperson zu finden oder feststellen zu müssen, dass das Team niemanden mehr sucht. 

    Daher solltet ihr eure Vereinsbrille einmal kurz ablegen, euch eure Webseite genauer anschauen und euch folgende Fragen stellen: 

    1. Ist unsere Homepage auf dem neuesten Stand?
    2. Sehe ich mit wenigen Clicks, welche Teams es bei uns gibt?
    3. Finde ich direkt unsere Ansprechperson und kann ich diese Personen einfach kontaktieren? 

    Hier kann es sich auch lohnen, Personen zu fragen, die nicht direkt im Verein involviert sind und diese um ein ehrliches Feedback zu bitten. 

    Könnt ihr alle Fragen mit gutem Gewissen mit „Ja“ beantworten? Perfekt! Dann habt ihr schonmal ein gutes Fundament. Gibt es das ein oder andere „Nein“? Dann wird es höchste Zeit nachzubessern! 

    Um euch dies möglichst zu vereinfachen, haben wir euch eine kleine Checkliste zusammengestellt, welche Inhalte eure Webseite enthalten sollte: 

    • Übersicht über verschiedene Sportangebote (Abteilungen, Teams, etc.) 
    • Hinweis, ob noch Spieler*innen, Athlet*innen, Teilnehmende gesucht / aufgenommen werden 
    • Ggf. Ligazugehörigkeit / Ausrichtung der Teams angeben, damit schnell klar wird, ob dies meinem Niveau entspricht
    • Trainingszeiten und Trainingsort
    • Trainer*innen, Funktionsteam, Abteilungsleitung, etc. angeben (inkl. Email-Adresse, Telefonnummer, Bild und ggf. Qualifikationen)
    • Ggf. Mannschaftsfoto 
    • Möglichkeit des Probetrainings deutlich machen 
    • Mitglieder des Vorstands inklusive Bilder und Kontaktdaten angeben
    • Social Media Profile verlinken 
    • Satzung, Mitgliedsantrag und Beitragsordnung (oder Beitragshöhe) angeben, ggf. als Download zur Verfügung stellen
    • Sponsoren verlinken und Möglichkeiten des Sponsorings aufzählen 
    • „Jobbörse“ für welche Sportgruppen / Teams etc. noch Ehrenamtliche gesucht werden 

    Bereits kleine Tricks werten eure Webseite so schon auf. Besonders mit Bildern könnt ihr euren Verein nahbarer machen und im Idealfall Sympathiepunkte sammeln. Hinzu kommt, dass es für einige Personen eine Rolle spielt, ob der*die Trainer*in männlich oder weiblich ist. Auch die Wichtigkeit von Telefonnummern ist nicht zu unterschätzen, da manche Personen nicht lange auf eine Email-Antwort warten möchten. Durch eine gut strukturierte und mit den wichtigsten Inhalten gefüllte Webseite sparen sich zudem Interessierte viel Zeit bei der Recherche und ziehen nicht frustriert zum nächsten Verein von dannen, weil sie nicht direkt die Informationen finden, die sie suchen.  

    Was ihr ebenfalls beachten solltet: 

    • Inhalte regelmäßig auf Aktualität überprüfen (Gibt es die Teams noch? Sind der Vorstand und die Trainer*innen noch aktiv? usw.) 
    • Kontaktdaten auf Seriosität überprüfen (Zebra123@web.de z.B. ist ggf. keine geeignete Vereinsadresse)  
    • Solltet ihr eine Kategorie News haben, diese regelmäßig mit Inhalten befüllen, damit nicht der Eindruck vermittelt wird, dass der Verein nicht mehr aktiv ist  
    • Nicht nur einen Kontakt über das Kontaktformular ermöglichen (Dieses sieht zwar seriös aus, doch gleichzeitig sorgt es auch für Anonymität. Zudem kann es ärgerlich sein, wenn ich schnell ein Anliegen habe bzw. niemanden erreiche und dann immer wieder den Weg über das Formular gehen muss) 

    Auf den ersten Blick sieht dies natürlich nach viel Arbeit aus und auch nicht jede Person hat das Know-How, um an einer Webseite herumzuwerkeln. Aber glaubt uns: Jede Investition in eure Homepage – egal, ob zeitlicher oder finanzieller Natur – zahlt sich auf Dauer drei und vierfach aus und kann euch von der Konkurrenz abheben. Daher nehmt euch die Zeit und ergänzt nach und nach eure Homepage um diese Inhalte oder engagiert eine Person, die dies professionell macht. Hier gibt es oft auch vergünstigte Angebote für gemeinnützige Vereine. Oder wer weiß: Vielleicht gibt es sogar unter euren Mitgliedern eine Person, die sich damit auskennt. Einfach mal fragen. Mittlerweile gibt es zudem viele gute kostenfreie Tools (z.B. WordPress) mit denen ihr eine Homepage leicht selbst bauen und bei denen euch Tutorials Schritt für Schritt durch den Aufbau durchdirigieren. 

    Dann bleibt nur noch eins zu sagen: Viel Spaß beim Rumwerkeln! 

    Vielleicht auf interessant: Wie sich neue Mitglieder bei euch willkommen fühlen

  • 7 (plus 1) Erkenntnisse, die Vereine aus Corona und anderen Krisen ziehen können

    Erkenntnis 4: Mitglieder zahlen weiter, wenn sie wissen, warum.

    Die Corona-Pandemie hat uns vor nie geahnte Herausforderungen gestellt und viele an den Rand ihrer Belastbarkeit gebracht. Doch sie hat uns auch einen Spiegel vorgehalten und gezeigt, wo Lücken im System sind, die uns vorher so nie aufgefallen sind.


    Auch mit Blick auf unsere eigene Vereinstätigkeiten, hatten wir ein paar AHA-Momente, die uns für unsere zukünftige Arbeit beeinflussen werden. In diesem Artikel wollen wir euch an unseren Erkenntnisse teilhaben lassen und Lösungsvorschläge aufzeigen.

    Erkenntnis 1: Szenarien, die wir uns nicht vorstellen können, können eintreten. Nichts ist sicher.

    Hätte sich jemand vorstellen können, dass der Spielbetrieb für ein komplettes Jahr eingestellt wird?


    Wir konnten es nicht. Und auch ein paar andere Dinge können bzw. wollen wir uns eigentlich nicht vorstellen:
    „Unsere Einnahmen werden auf 0 sinken!“ „Ehrenamt wird es nicht mehr geben.“ „Sportvereine werden nicht mehr existieren.“


    Doch die Pandemie hat uns gelehrt: All diese heute noch unvorstellbaren Szenarien können in der Zukunft Realität werden – auch unabhängig von Corona. In der Startup-Welt wird z.B. längst angenommen, dass Sportvereine ein Auslaufmodell sind (auch wenn wir da unser Veto einlegen würden).


    Sie finden: Vereine befinden sich seit 10 Jahren auf dem absteigenden Ast, sind nicht zukunftsfähig aufgestellt und zu langsam, um mit der Geschwindigkeit aktueller Entwicklungen mitzuhalten. Über 3.000 Sportvereine wurden in den letzten 10 Jahren aufgelöst. Nutznießer sind Sport-Startups, die auf die Wünsche der Bevölkerung zugeschnittene Angebote bereitstellen.


    Und die wünscht sich vor allem Flexibilität. Mittwoch Abend, 20 Uhr, Training ist das Gegenteil von Flexibilität.
    Aus keinem anderen Grund bauen Freeletics, Urban Sports Club und Runtastic Alternativ-Produkte und erhalten hierfür Millionengelder von Investor*innen. Es liegt nun an den Vereinen selbst, zu beweisen, dass Vereine in 20 Jahren noch genauso essenziell für unsere Gesellschaft sind, wie sie es auch schon vor 50 Jahren waren.

    Was du noch heute tun kannst: eine Risiko-Analyse durchführen

    Nimm dir 10 Minuten Zeit, einen Zettel und Stift und erstelle eine Risiko-Analyse für deinen Verein.
    Was außer Corona kann noch passieren, was dazu führt, dass deine Einnahmen in kürzester Zeit einbrechen? Oder dass die Existenz deines Vereins bedroht ist? Hier nur ein paar Beispiele:

    • Du hast einen Groß-Sponsor oder Mäzen und dieser geht insolvent / springt ab / kürzt seine Ausgaben wegen Wirtschafts-Krisen. Wenn ein Großteil deiner Einnahmen von diesem kam, bist du relativ schnell in einer misslichen Lage
    • Deine Spieler*innen mögen den*die Trainer*in nicht und wechseln gesamt zum Nachbarverein
    • Es gibt einen Rassismus / Sexismus Vorfall oder andere Fälle in deinem Klub und die Mitglieder verlassen in großer Anzahl deinen Verein.
    • Du finanzierst dich über Fördergelder, aber die Stiftung deines Vertrauens ändert ihre Strategie
    • Deine Ehrenamtlichen brechen alle auf einmal weg, weil sie privat andere Prioritäten setzen (müssen) und ihr findet niemanden, der nachfolgt.
    • Die Mitglieder schwinden und zwar so schnell, dass ihr nicht so schnell hinterherkommt, um die Lücke zu schließen.
    • Es kommen starke Konkurrenten aus dem For-Profit-Sektor auf den Markt, die Millionen-Investitionen im Rücken haben.
    • usw.

    Nicht alles ist vorstellbar (Corona), aber manches ist vorhersehbar (Markt-Trends). Es kann helfen, sich einmal im Jahr anzuschauen, wohin sich die Bevölkerung entwickelt und was es für neue Trends gibt. Denn die Konkurrenz aus dem For-Profit-Sektor schläft nicht. Und die haben Vollzeit-Arbeitskräfte und viel Geld im Rücken.
    (Lies hierzu auch: 6 Ziele für deine Vereinsfinanzen)

    Erkenntnis 2: Save for a rainy day

    Für Privatpersonen gilt: 3-Netto-Monatsgehälter sollten auf dem Konto sein. Das ist der Mindest-Notgroschen, wenn es dazu kommen sollte, dass man seinen Job verliert und das Einkommen auf 0 sinkt.
    Bei Vereinen sieht das leider meist anders aus. Von der Hand in den Mund ist hier eher die Devise. Unter anderem auch wegen des Mythos, dass Vereine keine Rücklagen bilden dürfen.
    Das stimmt so auch. Nur gibt es viele Ausnahmen von der Regel der „zeitnahen Mittelverwendung“, der gemeinnützige Organisationen unterliegen.


    So dürfen Vereine unter anderem Rücklagen für Betriebsmittel bilden und dabei laut Vereinswiki sogar Gelder für 12 Monate ansparen. Damit können Gehälter, Mieten, Übungsleiter*innenpauschalen auch in schweren Zeiten weiter gezahlt werden.

    Was du noch heute tun kannst: Rücklagen bilden

    Starte noch heute damit, Gelder für den Notfall monatlich zurückzulegen und für die prognostizierte Wirtschaftskrise nach Corona vorzusorgen. Tipps dazu, findest du in unserem Artikel zur finanziellen Reichweite.

    Erkenntnis 3: Wenn du in einer Krise schnell Geld brauchst, sind Banken und Kommunen zu langsam. Baue auf deine Vereins-Community und mach Crowdfunding.

    Banken, Kommunen und der Staat betreuen nicht eigenes Geld, sondern fremdes Geld. Im Falle der Nothilfen handelt es sich z.B. um Steuergeld. Im Falle der Banken, um das Geld, welches wir Bürger*innen den Banken anvertrauen.


    Dementsprechend gibt es dort Prozesse, die sicherstellen sollen, dass das fremde Geld auch richtig eingesetzt wird. Es kommt zu bürokratischen Prozessen á la „Wir bräuchten dann noch dieses unterschriebene Formular.“ „Wir melden uns … in 3 Monaten.“


    Das führt dazu, dass es lange, wenn nicht sogar sehr lange dauert, bis finanzielle Hilfen auf dem Vereinskonto sichtbar werden. Zum Glück habt ihr als Vereine einen wahnsinnig wichtigen Joker in der Hinterhand: Eure Mitglieder!Wer sich absichern möchte, kann sich nicht nur über Rücklagen absichern (siehe Punkt 2). Ein großes Netzwerk kann bei kurzfristiger Geldnot Gold wert sein.


    Denn es gibt unfassbar viel Geld, welches von heute auf morgen auf dem Konto eines Vereins landen kann.
    Das Geld von Privatpersonen. Sie können über ihr Geld selbst entscheiden, und es auch sofort überweisen. Dafür müssen sie nicht ihren Chefin fragen und auch keine Formulare und Verträge vorab unterzeichnen.

    Wie das erfolgreich funktioniert, haben die hunderten von Crowdfunding-Kampagnen auf den Plattformen von Startnext, fairplaid, betterplace und Co. gezeigt.

    Was kannst du noch heute tun? Community-Building-Maßnahmen durchführen

    Fokussiere dich auf den Aufbau einer loyalen Vereins-Community. Ein Anfang kann sein, sicherzustellen, dass du überhaupt alle deine Mitglieder erreichen kannst. Besitzt ihr alle E-Mail-Adressen, auch von den verschiedenen Elternteilen? Von früheren Vereinsmitgliedern, die umgezogen sind?


    Wenn nicht, starte heute damit, diese Kontaktdaten mit Einverständnis der Personen einzusammeln und in einer (natürlich datenschutzkonformen Liste) zu dokumentieren.


    Verbreite zudem deine Social Media-Kanäle immer und überall in der Kommunikation, sodass du auch dort deine Community erreichen kannst.


    Zudem kannst du dir Anlässe überlegen, wo die Menschen auch außerhalb des Trainings- und Spielbetriebes zusammenkommen. Feiern, gemeinsam bei Spielen zusehen etc.

    Erkenntnis 4: Menschen zahlen auch ohne Spielbetrieb weiter, wenn sie wissen, warum.

    Der Mensch ist ein Schnäppchenjäger: Qualität ja, aber bitte nicht zu teuer. Vereinsbeiträge von durchschnittlich 8€ im Monat passen da hervorragend ins Beuteschema.

    Hinzu kommt, dass durch kommerzielle (Sport-) Anbieter das Bild in unseren Kopf gepflanzt wurde, dass Sportvereine ebenfalls Dienstleister sind. Die logische Schlussfolgerung „Ich zahle doch Mitgliedsbeitrag, also habe ich auch Anspruch auf X, Y, Z.“ Doch 8€ Mitgliedsbeitrag reichen nicht aus, um den Erwartungen gerecht zu werden, ohne dass Personen sich komplett selbstaufopfern zu müssen.

    Das Problem: Fällt der Anspruch weg, sehen Mitglieder auch nicht ein, weiterhin zu zahlen. Sie gehen, sobald die Leistung wegfällt.

    Was vielen Mitglieder jedoch überhaupt nicht bewusst ist:

    • wie sich Vereine finanzieren
    • welche Kosten sie haben
    • welcher Aufwand Ehrenamtliche haben
    • und dass viele Trainer*innern nicht bezahlt werden


    Dadurch entsteht eine falsche Erwartungshaltung. Eine Erwartungshaltung, der jedoch ganz leicht entgegengewirkt werden kann.

    In Gesprächen mit Vereinen kam heraus: Mitglieder waren vor allem enttäuscht, warum der Verein nicht aktiv kommuniziert hat, was mit dem Geld passiert.

    Wurde es den Mitgliedern in einer ruhigen Minute erklärt, kam in den meisten Fällen ein „Achso“. Es kommt zum Verständnis für die Situation und damit auch zur Weiterzahlung des Beitrages – ohne weitere anstrengende Diskussionen.

    Wie in so vielen Situationen heißt das: Kommunikation ist der Schlüssel.

    Was kannst du noch heute tun? Schreibe einen Transparenzbericht

    Es ist leider nicht ausreichend, das Budget einmal im Jahr bei der Mitgliederversammlung zu präsentieren, bei der rund 2% der Mitglieder erscheinen.

    Schreibe besser einen kleinen Transparenzbericht und erkläre z.B. in einem Newsletter, wie der Verein sich finanziert und wie die Gelder ausgegeben werden. Ecosia, die Tomorrow Bank und andere soziale Startups machen es vor.
    Du kannst die Zahlen auch an den Mitgliedsantrag anhängen, sodass schon beim Eintritt diese Zahlen mitkommuniziert werden.

    Lege zudem einen Account bei der Initiative transparente Zivilgesellschaft an und veröffentliche regelmäßig Zahlen zu Mittelherkunft (von wem kommt euer Geld?) und Mittelverwendung (wie wird das Geld ausgegeben?)
    Allgemein kann es hilfreich sein, in Krisenzeiten lieber mehr als weniger zu kommunizieren.


    Erkenntnis 5: Seinen Vereinshaushalt zum Großteil auf Sponsoren zu bauen, kann riskant sein.

    Sponsoring ist als Finanzierungsmittel weit verbreitet, zumindest in semiprofessionellen Vereinen.

    Aber: Sportförderung ist nicht der Unternehmens-Zweck von Sponsoren. Deswegen sind Sponsoring-Verträge meist die ersten Verträge, die gekündigt werden, wenn es eine Krise gibt.

    Dabei muss es sich nicht einmal um eine globale oder nationale Krise handeln. Es reicht, wenn es sich um eine Unternehmens-Krise handelt, also das Unternehmen sich in einer schwierigen Phase befindet. Ab dem Zeitpunkt rutschen Sponsoring-Verträge in der Prioritätenliste ganz weit nach unten.

    Was du heute tun kannst: Prüfe dein Budget und die Verhältnisse

    Prüfe, welchen Anteil Sponsoring-Gelder an deinem Vereins-Etat haben. Machen diese über 60% des Etats aus? Dann könnte es sein, dass ihr handeln solltet und z.B. mehr Gelder über Mitgliedsbeiträge, Spenden, Förderungen oder andere Finanzierungssäulen einnehmen solltet.

    Erkenntnis 6: Vereine spielen in der Politik eine untergeordnete Rolle und müssen in der Lobby-Arbeit dringend nachholen.

    Was wirklich wichtig ist, merkt man, wohin investiert wird.

    Und hier zeigte sich während der Pandemie nur allzu deutlich, dass der Sport und seine Vereine eine eher untergeordnete Rolle spielen.

    Denn bei Fördermaßnahmen wurden Vereine als Letzte bedacht, nach der Wirtschaft.
    Unverständlicherweise, denn Sportvereine sind mehr als ein reiner Zeitvertreib. Sie erfüllen wichtige gesundheitsfördernde und soziale Aufgaben und sind daher unerlässlich für unsere Gesellschaft. Entsprechend selbstbewusst können sie auftreten.

    Heißt wiederum für die Vereine: Vereinsvertreter*innen und Verbände müssen in Lobby-Arbeit investieren, um auch die Politik immer wieder dran zu erinnern. Nur so können Vereine in der nächsten Krise besser wahrgenommen werden und einen Platz am Verhandlungstisch erhalten.

    Was du als Verein noch heute tun kannst: Erstellt eine Position „Lobby-Arbeit“ im erweiterten Vorstand


    Erstelle einen Ordner „Lobby-Arbeit“ und beginne, zu recherchieren, was deine Rechte als Sportverein sind.
    Rufe 3 Vereine an und frage an, ob ihr euch bei vereinsübergreifenden Themen zusammenschließen wollt. Beispielsweise zur Hallenverteilung.

    Das heißt für die Zukunft: Kooperation statt Konkurrenz. Legt eure Vereinsbefindlichkeiten zur Seite und schließt euch zusammen, um gemeinsam mehr Verhandlungsmacht zu haben.

    Für die Zukunft kann es bedeuten, dass ihr eine*n Lobby-Beauftragte*n in eurem Verein einführt, der*die sich dem Thema Lobby-Arbeit in Richtung Sportamt, Stadt, Verbände annimmt und eure Interessen dort vertritt.

    Erkenntnis 7: Unternehmen und Engagierte brauchen Vereine nicht zum Überleben. In Krisenzeiten werden sie geskippt.

    Diese Beobachtung schließt sich dem obigen Punkt an.

    Was die Gesellschaft und die Menschen zum Überleben benötigen, merkt man dann, wenn es zu Krisenzeiten kommt. Denn dann wird geskippt, was nicht zum Überleben notwendig ist.
    Und während Corona – oder auch in sonstigen Krisenzeiten – wird das Engagement für Vereine häufig geskippt. In Unternehmen sowie bei Ehrenamtlichen.

    • Unternehmen streichen in Krisenzeiten Sponsoring-Verträge und Spendengelder.
    • Corona, Scheidung, Tod, Krankheit, Pflege eines*r Angehörigen, zu viel zu tun, Erschöpfung, Burnout: Sobald im Leben eines Menschen eine private Krise auftaucht, bleibt für Ehrenamt keine Zeit und Energie mehr. Privatpersonen geben in persönlichen Krisenzeiten ihr ehrenamtliches Engagement auf.

    Das liegt daran, dass wir Überleben mit Finanziellem verbinden. Denn ohne Geld fehlt uns sprichwörtlich „die Luft zum Atmen.“ Geld zahlt unsere Wohnung, unser Essen. Solange es kein Grundeinkommen gibt, benötigen wir Geld, um unser Überleben zu sichern.

    Und Vereine spielen im finanziellen Überleben von Unternehmen und Engagierten eine stark untergeordnete bist eigentlich überhaupt keine Rolle.

    Das bedeutet: Engagement für Vereine mit Hilfe von Zeit oder Geld ist ein Luxus-Gut.

    Und solange Vereine nicht Teil des Überlebens von Unternehmen und Engagierten werden, wird das wohl auch weiterhin so bleiben.

    Wollen Vereine, dass sich die Menschen und die Wirtschaft auch in Krisenzeiten weiterhin engagieren, müssen Vereine auch im Überlebensmodus eine entscheidende Rolle spielen.

    Was du heute tun kannst: Fokussiere dich auf das, was Menschen zum Überleben benötigen. Eine Community.

    Eine starke Vereins-Community spielt hier eine große Rolle. Denn der Zusammenhalt der Menschen ist etwas, was die Menschen zum Überleben benötigen: zwischenmenschliche Beziehungen. Füreinander da sein, wenn es bei einer Person mal schlecht läuft.

    Es ist die Komponente, die die Wirtschaft, Fitness- und Yoga-Studions häufig nicht liefern. Eine Familie.
    Genau hier können Sportvereine daher punkten – doch auch hierfür braucht es Engagement.

    In allen Mitgliederumfragen, die Vereine innerhalb unseres Hauptamt-ready-Programmes durchgeführt haben, haben sich in allen Vereinen die Mitglieder vor allem eins gewünscht: Mehr Aktivitäten außerhalb des Sport- und Spielbetriebes.

    Und mit allen, meinen wir in wirklich allen Vereinen.

    Bedeutet: Liefern Vereine diese wichtige Konstante, können sie auch neben dem finanziellen Überleben weiterhin als wichtiger Faktor wahrgenommen werden – und somit in der Priorität der Menschen eine große Rolle spielen.
    Weihnachtsfeier, Season-Opening-Feier, regelmäßiges Essengehen nach dem Spiel, gemeinsame Spieleabende, gemeinsam zu anderen Vereinen zum Zuschauen gehen. Es gibt viele Anlässe, um die Menschen zusammenzubringen.

    Erkenntnis 8: Ehrenamt ist der Politik wichtig, Hauptamt ist der Politik wichtiger. Vereine haben wenig bis keine Verhandlungsmasse gegenüber der Politik.

    Die folgende Beobachtung bezieht sich nicht auf den einzelnen Verein, sondern den ganzen Vereins-Sektor. Diese Aussage könnte kritisch hinterfragt werden. Also meldet euch gerne, wenn ihr hierzu eine andere Erkenntnis / Einsicht / Meinung habt.

    Aber: Immer wieder wird beteuert, wie wichtig Vereine und das Ehrenamt für die Gesellschaft sind, auch von der Politik.

    Unterstützt wurden die Ehrenamtlichen in der Corona-Zeit jedoch vor allem mit einem: noch mehr Bürokratie-Aufgaben. Diese Bürokratie ist auch notwendig (siehe Punkt 2). Kann aber von den Vereinen nicht mit der notwendigen Struktur abgedeckt werden.

    Was wir daraus lesen: Vereine und Ehrenamt sind der Politik wichtig. Doch Unternehmen und Arbeitsplätze scheinen der Politik wichtiger.

    „Zahnloser Tiger“ ist nur eine Bezeichnung, die auf die fast schon verzweifelten Forderungen von Verbänden und Interessensvertretungen gefallen sind, die alles versuchen. Und doch am Verhandlungstisch nichts einbringen können.
    Denn anders, als der Wirtschafts-Sektor, hat die Zivilgesellschaft wenig in der Hand. Ehrenamtliche streiken (zumindest bisher) nicht. Vereine können keine Menschen arbeitslos machen.

    Möchten Vereine in der Zukunft eine größere Rolle in der Politik spielen, müssen sie die Währung liefern, mit der Politiker*innen handeln und die Sprache sprechen, mit der Politiker*innen sprechen.

    Und die Währung der Politik heißt: Arbeitsplätze.

    Arbeitsplätze sind der Grund, wieso der Staat nicht aus der Kohle aussteigt, Arbeitsplätze sind der Grund, wieso Tesla eine Milliarden-Förderung erhält, Arbeitsplätze sind der Grund, wieso Großkonzerne mal eben ein paar Milliarden Überbrückungskredit erhalten.

    Vereine dagegen haben wenig Verhandlungsspielraum. Weil sie aktuell eine Parallelwelt zum Wirtschaftssystem darstellen. Sie können fordern und fordern und fordern, haben aber wenig in der Hand, um ihre Forderungen auch mit entsprechendem Druck durchzusetzen. Noch dazu haben sie nicht die (personellen wie finanziellen) Ressourcen, um die Öffentlichkeit ins Boot zu holen.

    Was der Vereinssektor noch heute tun kann: Verhandlungsmasse aufbauen

    Die Politik hat einen der größten Hebel auf die Zivilgesellschaft. Nimmt sie ihre Investitionen zurück, wackelt die ganze Zivilgesellschaft. Saniert sie Sporthallen nicht, können Sportvereine keinen Sport mehr anbieten.

    Und dennoch kümmern sich die wenigsten Vereine und Verbände mit hoher Wichtigkeit um Lobby-Arbeit oder darum, Verhandlungsspielräume zu gestalten. Und damit Einfluss auf einen der größten Einfluss-Faktoren zu nehmen.

    Hier sind nur einige Ideen, die deshalb auf der bereits schon überfüllten To Do-Liste von Ehrenamtlichen eigentlich noch Platz finden müsste.

    • Mehr Ressourcen (Zeit und Geld) in Lobby-Arbeit investieren
    • Sich stärker zusammenschließen und Netzwerke bilden
    • Sich stärker wirtschaftlich aufstellen und damit auch in Krisensituationen als wichtiger Faktor wahrgenommen werden

    FAZIT / TAKEAWAYS:

    • Vereine und das Ehrenamt sind ein „nice-to-have“, aber wenn es hart auf hart kommt, fahren Politik und Bevölkerung das Engagement herunter oder streichen es sogar komplett.
    • Wenn Vereine lernen, wie Lobby-Arbeit funktioniert und sich stärker politisch engagieren und zusammenschließen, haben sie bei der nächsten Krise bessere Chancen.
    • Kommunikation und Transparenz sind wichtig, möchten Vereine Unterstützung von der breiten Bevölkerung erfahren (was ihnen wiederum mehr Verhandlungsspielraum gegenüber der Politik bietet).

    Was sind eure Fazits? Habt ihr noch etwas zu ergänzen? Schreibt es uns an hallo@klubtalent.org und wir fügen es dem Artikel hinzu.

  • Safe Sport: Wieso eine hauptamtliche Stelle deinen Verein zu einem sichereren Ort werden lassen kann

    Ressourcenmangel an allen Ecken und Enden: 23% der Vereine engagieren sich nicht im Kinderschutz. So kannst du Kinderschutz in deinem Verein etablieren.

    *Triggerwarnung: Dieser Bericht enthält Inhalte zum Thema sexualisierte Gewalt*

    Wir alle kennen die Frage: Wieso möchten Sie den Job gerne haben? Die ehrliche Antwort wäre meist: Wegen des Geldes. Oder: Weil es die am wenigsten schrecklich klingendste Option war. Bei Klubtalent und mir war dies ein wenig anders, denn ich wurde gefragt, ob ich am Aufbau des Unternehmens mitwirken möchte. Geld verdienen war natürlich kein zu vernachlässigendes Argument. Auch viele andere Gründe, die wir immer wieder in unseren Webinaren oder auf der Homepage nennen, haben einen Beitrag dazu geleistet, mich zu überzeugen. Aber vor allem habe ich in Klubtalent die Chance gesehen, ein Thema, welches mir sehr wichtig ist, voranzutreiben: Die Prävention sexualisierter Gewalt im Verein und die Schaffung eines „Safe Sport“.

    Was versteht man überhaupt über sexualisierte Gewalt? 

    Hört man den Begriff sexualisierte Gewalt, hat jeder Mensch vermutlich erst einmal verschiedene Assoziationen. Verständlich, denn jeder Mensch setzt seine Grenzen anders und blickt auf andere Erfahrungen zurück. Daher ist eine allgemeingültige Definition nur schwer vorzunehmen. Vereinfacht gesagt ist der Begriff “sexualisierte Gewalt” ein Oberbegriff für eine Machtausübung mit dem Mittel der Sexualität. 

    Eine genauere Abstufung nimmt die Studie “Safe Sport” der Deutschen Sporthochschule in Köln vor, die in drei Kategorien unterteilt: Sexualisierte Gewalt ohne Körperkontakt, sexuelle Grenzverletzungen und sexualisierte Gewalt mit Körperkontakt. 

    Unter sexualisierter Gewalt ohne Körperkontakt sind folgende Ereignisse zusammengefasst: sexistische Witze; nachpfeifen oder in sexuell anzüglicher Weise nachrufen; sexuell anzügliche Bemerkungen; sexuell anzügliche Blicke; Mitteilungen mit sexuellem Inhalt; Bildnachrichten von betroffener Person in sexueller Position.

    Unter sexuelle Grenzverletzungen fallen folgende Ereignisse: unangemessen nahekommen; unangemessene Berührungen allgemein; unangemessene Berührungen im Training; unangemessene Massagen; betroffene Person auffordern, mit ihr alleine zu sein; betroffene Person auffordern, sich vor anderen auszuziehen; sich vor betroffener Person exhibitionieren.

    Sexualisierte Gewalt mit Körperkontakt meint folgende Ereignisse: unerwünschte Küsse, sexuelle Berührungen, versuchter Sex sowie Sex mit Penetration, jeweils gegen den eigenen Willen. (Safe Sport, 2017, S. 9)

    Jeder Fall ist einer zu viel 

    Rund 33%. So hoch ist der Anteil von Kaderathlet*innen, die bereits einmal in ihrem Leben sexualisierte Gewalt im Sport erlebt haben. Das ergab die oben genannte Studie. Die Dunkelziffer – auch im Amateursport – ist nicht zu bemessen. Aber eins ist sicher: Die Zahl ist viel zu hoch. In letzter Zeit tauchte das Thema auch immer mal wieder in den Medien auf, vor allem, weil schockierende Fälle ans Licht kamen. Zwar passiert sexualisierte Gewalt im Sport nicht öfters als in anderen Bereichen des Lebens, doch es gibt einige Faktoren, die es Täter*innen im Sport teilweise einfacher machen: Macht- und Vertrauensverhältnisse, Infrastruktur, Dusch- und Kabinensituationen, um nur ein paar zu nennen. 

    Neben den erschreckenden Ergebnissen zeigte die Studie jedoch auch: Durch eine Kultur des Hinsehens im Verein sinkt die Wahrscheinlichkeit rapide, dass es in einem Verein zu solchen Fällen kommt. Doch diese herrscht bis heute in den wenigsten Sportvereinen. 

    Ressourcenmangel an allen Ecken und Enden: 23% der Vereine engagieren sich nicht im Kinderschutz

    Die Gründe? Neben der (unbegründeten) Angst, dass ein Engagement in diesem Bereich gleichbedeutend mit einem Schuldeingeständnis ist, legen viele Vereine ihre Prioritäten schlicht und ergreifend anders. Um als Verein ein gut ausgearbeitetes Präventions- und Interventionskonzept aufweisen zu können, braucht es Zeit, Geld und personelle Ressourcen. Dinge, die in Vereinen oft rar sind und die zumeist für die Organisation und Aufrechterhaltung des Trainings- und Spielbetriebs verwendet werden. Frei nach dem Motto: Augen zu und es wird schon nichts passieren. Dies zeigen auch die Erkenntnisse des Sportentwicklungsberichts. Hier gaben 23% der befragten Vereine an, sich nicht im Bereich Kinder- und Jugendschutz zu engagieren. 

    Besonders der Personalmangel stellt hier ein großes Problem da. Bereits seit Jahren haben Vereine immer öfters das Problem, ehrenamtliche Helfer*innen zu finden. Zum einen bindet die Personalsuche zeitliche Ressourcen, zum anderen verleitet es die Vereine, so gut wie jede Person, die sich engagieren möchte, auch in den Verein aufzunehmen, ohne vorherige genauere Prüfung. Stattdessen oft eine der ersten Fragen: Wann kannst du anfangen? 

    Daher ist ein wichtiger Schritt im Bereich der Prävention sexualisierter Gewalt, dem Personalmangel entgegenzuwirken, so zum Beispiel durch die Schaffung einer hauptamtliche Stelle. So werden nicht nur neue Ressourcen geschaffen, sondern auch feste Zuständigkeiten festgelegt. Eine hauptamtliche Stelle im Verein wird Fälle sexualisierter Gewalt zwar nicht im Alleingang verhindern können, doch sie kann die Weichen stellen, um die oben genannte Kultur des Hinsehens zu schaffen. Weiterer positiver Nebeneffekt: Durch ein bestehendes Konzept können Ehrenamtlichen auch Ängste genommen werden, z.B. sich falsch zu verhalten und sie wissen, an wen sie sich bei Fragen und Sorgen hinwenden können. 

    Eine Kultur des Hinsehens schaffen

    Dabei gibt es einige Möglichkeit, wie dies gelingen kann. Hier einige Beispiele: 

    • Die hauptamtliche Kraft nimmt sich dem Thema selbst an oder schafft Kapazitäten, damit eine ehrenamtliche Kraft sich darauf konzentrieren kann 
    • Ansprechpersonen werden benannt 
    • das Thema sexualisierte Gewalt wird überhaupt auf die Agenda gebracht
    • es wird an Schulungen teilgenommen 
    • Mitglieder werden sensibilisiert, z.B. durch Infoveranstaltungen und Aufbereiten der Homepage
    • es wird eine (externe) Risikoanalyse durchgeführt
    • es wird sichergestellt, dass die Ehrenamtlichen (und Hauptamtlichen) Ehrenkodexe unterschreiben und Führungszeugnisse einreichen
    • es werden Gelder akquiriert, z.B. durch eine Crowdfunding-Kampagne, um weitere Maßnahmen zu finanzieren
    • ….

    Fazit

    Einen Verein sicherer für seine Mitglieder zu machen ist eine ressourcenintensive Angelegenheit. Doch das Thema ist so wichtig, dass Vereine hier eigentlich nicht gezwungen sein sollten, Kompromisse machen zu müssen. Eine hauptamtliche Stelle kann daher der Schlüssel dafür sein, die Balance zwischen dem sportlichen Tagesgeschäft und der Verantwortung eines Vereins gegenüber seinen Mitgliedern zu halten. Zudem wollen auch wir von Klubtalent einen Beitrag dazu leisten, in dem wir in unserem Hauptamt-ready Programm konkret für das Thema sensibilisieren. 

    Weitere hilfreiche Informationen zum Thema Prävention sexualisierter Gewalt lassen sich u.a. hier finden.

    Du möchtest Kinder- und Jugendschutz Maßnahmen im Sport unterstützen, weißt aber nicht wie? Dann schau dir mal die Initiative „We for Safe Sports“ an.