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Von der FSJ’lerin zur hauptamtlichen Geschäftsführerin

Lisa Steffny | 10. September 2020

Erst FSJ, später Geschäftsführerin. Trotz ihres Background in der Psychologie ist Nicole direkt zur Geschäftsführerin aufgestiegen.

Interview Nicole Nussbicker

Nicole Nussbicker entschied sich nach dem Abitur erst einmal für ein FSJ beim Mülheimer Sportbund e.V.. Trotz eines Studiums der Psychologie und der Erziehungswissenschaften brach der Kontakt dorthin nie ab. Mittlerweile ist sie dort als hauptamtliche Geschäftsführerin tätig und setzt sich für die Belange der Mitglieder ein.

Hallo Nicole, erzähl uns doch erstmal etwas von dir.

Als Kind habe ich im Verein Schwimmen gelernt und als Teenagerin im Leistungsbereich an Wettkämpfen teilgenommen. Meine Familie war ebenfalls im Verein aktiv: Meine Eltern im ehrenamtlichen Bereich und meine jüngere Schwester so wie ich im Leistungsschwimmen. Somit haben wir viel Zeit im Verein verbringen dürfen. Nachdem ich mit dem Schwimmen aufgehört habe, habe ich einige Jahre Handball gespielt und teste noch heute gerne neue Sportarten aus.

Zudem habe ich eine Übungsleiter C-Lizenz sowie eine Prävention B-Lizenz für Übungsleitungen. Daneben habe ich verschiedene Fortbildungen zu unterschiedlichen Schwerpunkt absolviert. Besonders viel Spaß macht mit aktuell der Drums Alive Instruktor.

Nach dem Abitur habe ich ein freiwilliges soziales Jahr im Mülheimer Sportbund e.V. (MSB) gemacht und anschließend Erziehungswissenschaften und Psychologie studiert. Seit 2014 bin ich beim MSB als Fachkraft für den Kinder- und Jugendbereich angestellt und durfte 2017 die Geschäftsführung übernehmen.

Wofür genau ist der Mülheimer Sportbund zuständig?

Der Mülheimer Sportbund e.V. (MSB) ist die unabhängige Gemeinschaft der Sportvereine, die ihren Sitz in Mülheim an der Ruhr haben und verfolgt ausschließlich und unmittelbar gemeinnützige Zwecke. 

Wir vertreten den Sport und die Interessen unserer Mitglieder und setzen uns insbesondere dafür ein, dass all unseren Mitgliedern und den Mülheimer Bürger*innen die Möglichkeit gegeben wird, unter zeitgemäßen Bedingungen Sport zu treiben. In Partnerschaft mit der Stadtverwaltung und der Politik, aber auch in enger Kooperation mit der Wirtschaft und anderen gesellschaftlichen Gruppen setzen wir uns engagiert für die Belange des Sports in Mülheim an der Ruhr ein.

Wie kam es dazu, dass du dich Jahre nach deinem FSJ für eine Tätigkeit dort entschieden hast?

Ich hab von September 2008 bis August 2009 mein freiwilliges Soziales Jahr beim MSB gemacht. Während des Studiums habe ich Angebote in Kindertagesstätten und Angebote in Grundschulen gegeben. Der Kontakt zum MSB ist aber nie abgebrochen und so habe ich im Juli 2014 eine Vollzeitstelle als Koordinatorin für den Kinder- und Jugendsport übernommen. Im September 2016 habe ich die kommissarische Geschäftsführung übernommen und ab November 2017 die vollständige Geschäftsführung.

Du hast Psychologie und Erziehungswissenschaften studiert. Da ist eine hauptamtliche Tätigkeit im Sport ja nicht unbedingt das Naheliegendste. Wieso hast du dich dafür entschieden?

Es macht unglaublich Spaß und ist abwechslungsreich! Ich finde es interessant und spannend mit Menschen zusammen zu arbeiten, die ehrenamtlich tätig sind, weil sie ihre Sportart bzw. ihren Verein unterstützen und nach vorne bringen wollen.

Ein besonderer Anreiz ist es für mich gemeinsam mit unseren Vereinen Angebote getreu unserem Motto „Bewegungsangebote für Jeden in jeder Lebenslage“ zu schaffen.

Ich hatte vorher auch keinerlei Bedenken wegen meines eher ungewöhnlichen Backgrounds, sondern ich war gespannt auf die Herausforderung. Durch mein FSJ und meine Übungsleitertätigkeit kannte ich den MSB ja bereits und freute mich auf die Aufgaben, die mit der neu ausgeschriebenen Stelle einhergehen sollten.

Welche konkreten Aufgaben übernimmst du im Sportbund?

Als Geschäftsführerin beim MSB kommen viele verschiedene Aufgaben auf mich zu, ich bin zuständig für die Unternehmensplanung, Mitarbeiterführung, Finanzen, Nachwuchsförderung, strategische Ausrichtung, unser Haus des Sports, Antragsstellung für Fördermittel, Veranstaltungen bis hin zur Projektplanung und deren Durchführung. Unsere Hauptaufgabe ist es jedoch, uns für die Belange unsere Sportvereine einzusetzen.

Warst du denn schon einmal vorher ehrenamtlich in einer ähnlichen Position tätig?

Nein, in einem Vorstand nicht. Jedoch jahrelang als Übungsleiterin, Ferienspielbetreuerin und Trainerin. Die Übergänge sind allerdings fließend, weil wir leider die Aufgaben der Ehrenamtler*innen meist auf zu wenige Schultern verteilen können. Somit ist eine Aufgabe als Übungsleitung schneller mit „muss“ Aufgaben belegt und wird eher als „Job“ empfunden.

Wie seid ihr personell beim MSB aufgestellt?

Wir sind elf hauptamtliche Mitarbeiter*innen und eine Vielzahl von Ehrenamtler*innen. Alleine unser Vorstand besteht aus zwölf Mitgliedern, wovon zehn Ehrenamtler*innen sind. Unser Sportjugendvorstand ist komplett ehrenamtlich geführt, ebenso wie viele Übungsleitungen und Sporthelfer*innen, die uns in Projekten und bei Veranstaltungen unterstützen.

Welche Ziele verfolgt ihr langfristig beim MSB?

Langfristig wollen wir unser Motto „Bewegungsangebote für Jeden in jeder Lebenslage“ flächendeckend ausbauen. Kurzfristig beschäftigt uns natürlich aktuell der Umgang mit den Corona Einschränkungen für unsere Vereine und uns. Hier wollen wir unseren Vereinen die bestmögliche Unterstützung und Informationsweiterleitung zukommen lassen.

Welche Vorteile bringt es den Vereinen, dass sie beim MSB auch hauptamtliche Ansprechpartner*innen zu haben?  

Ein großer Vorteil ist es, dass wir als Dienstleister für unsere Vereine besser agieren können. Wir sind zu festen Zeiten erreichbar persönlich, telefonisch und auch per Mail. So können wir eine größere Bandbreite an Aufgaben übernehmen.

Siehst du ein gewisses Spannungspotenzial, wenn einige haupt – und andere ehrenamtlich arbeiten?

Ich glaube ein mögliches Spannungspotenzial hat nicht unbedingt etwas mit Ehrenamt und Hauptamt zu tun, sondern hängt mit der Definition der Aufgaben und der Personen selbst zusammen. Ist klar definiert, wer welche Aufgaben hat und allen agierenden Personen bewusst, wie wichtig sie sind, kann eine gewinnbringende Zusammenarbeit entstehen. Hauptamtler*innen und Ehrenamtler*innen bringen nämlich unterschiedliche, aber wichtige Aspekte in die Vereinsarbeit mit ein.

Würdest du dir generell mehr Hauptamt im Sport wünschen?

Definitiv ja! Als Entlastung des Ehrenamtes und mit den stetig wachsenden Aufgaben für Vereine kann Hauptamt vorteilhaft sein. So nimmt zum Beispiel die Bürokratie für Vereinsvorstände stetig zu, Organisationen werden aufwendiger und gerade das Jahr 2020 mit der Coronapandemie stellt uns und die Vereine vor neue Herausforderungen und Aufgaben, um nur drei Beispiele zu nennen.

Warum setzen aber dann trotzdem immer noch sehr viele Vereine rein aufs Ehrenamt?

Vor allem, weil sie ein großes Sicherheitsbedürfnis haben. Auch Finanzen sind ein großes Thema im Vereinsleben und das Hauptamt muss bezahlt werden. Wir beraten die Vereine auch gerne im Hinblick auf das Einsetzen von hauptamtlichen Kräften und weisen natürlich auch auf mögliche Förderungen hin. Jedoch sind die Bedenken noch oft sehr groß.

Gibt es etwas, was du den Vereinen für die Zukunft raten würdest?

Bleibt Euch treu! Die Sport- und Freizeitangebote können einen Verein nicht ersetzen. Vereine sollen sich auf ihre Werte berufen. Sport im Verein bedeutet nicht nur Bewegungsangebote, sondern auch das schulen und fördern von sozialen Kompetenzen in jedem Alter.


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