• Sports Maniac Podcast Folge #425 | Hauptamt statt Ehrenamt? Wie Klubtalent 10.000 Sportvereine transformieren will

    Wie Klubtalent 10.000 Sportvereine transformieren will

    In der aktuellen Ausgabe des Sports Maniac Podcasts erklärt Klubtalent Gründerin & Geschäftsführerin Marthe-Victoria Lorenz, warum die Professionalisierung der Sportvereine kein Widerspruch zu den vielen Ehrenämtern sein muss.

    Die Podcast-Themen im Überblick

    Sports Maniac Podcast Folge #425

    In einer spannenden Folge des Sports Maniac Podcast spricht Klubtalent-Gründerin und Geschäftsführerin Marthe-Victoria Lorenz mit Podcast Gastgeber Daniel Sprügel über das deutsche Sport- und Vereinssystem und was sich ändern muss, um in Zukunft  wettbewerbsfähig zu bleiben.

    Der Breitensport hat traditionell auf das ehrenamtliche Engagement gesetzt. Doch allzu oft fehlen die Zeitressourcen, die fachliche Qualifikation und die effizienten Organisationsstrukturen, um Sportvereine zu professionalisieren. Klubtalent positioniert sich hier als Wegweiser und „Vorstandstrainer“, der durch die Einführung von Hauptamtlichen eine nachhaltige Veränderung anstrebt.

    In der aktuellen Folgen werden auch Parallelen zwischen der Welt der Sportvereine und der Start-up-Branche gezogen. Warum sollte der Sport einen monetären Wert haben? Und wie finanziert sich Klubtalent, um seine Mission voranzutreiben?

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    „Was würdest du arbeiten, wenn Geld keine Rolle spielen würde? Am liebsten im Sportverein. Aber das geht ja nicht. Dort wird man nicht bezahlt. Das ist doch ein Systemfehler.“

    Marthe-Victoria Lorenz

    Geschäftsführering & Gründerin Klubtalent

    Über den Podcast

    Quelle: Sports Maniac

    „Der Sports Maniac Podcast hilft dir dabei digitale Trends, Technologien und Innovationen im Sport zu verstehen und in deinem Business richtig anzuwenden.

    In den wöchentlich erscheinenden Episoden geht Host Daniel Sprügel den neuesten Sportbusiness Trends, Social Media Hypes und Tech Game Changern auf den Grund. Mit seinen namhaften Gästen aus der Branche spricht er über die Herausforderungen der Digitalisierung und auf welche Veränderungen sich Unternehmen, Agenturen, Medien, Vereine, Verbände und Ligen einstellen müssen.

    Der Sports Maniac Podcast ist der meist gehörte deutsche Sportbusiness Podcast und wurde in 2019 von Apple Podcasts als „Bestseller – aller Zeiten“ im Bereich Marketing ausgezeichnet.“

    Sports Maniac Podcast Cover

    Das hört sich interessant an?

     

     

    Ihr möchtet euren Verein von Anfang an so aufstellen, dass er sich selbst finanziert und alle Mitglieder entspannt und mit Freude aktiv sein können? 

    Wir unterstützen euch gerne mit unserem Programm „Hauptamt-ready“ dabei, eine hauptamtliche Stelle im Verein zu schaffen. 

    Design ohne Titel 1
  • Aufwandsentschädigung im Verein – So schafft ihr einen finanziellen Ausgleich fürs Ehrenamt

    Eine Aufwandsentschädigung im Verein würdigt und entlohnt alle im Ehrenamt. Hier erfahrt ihr, wer sie bekommen darf & worauf ihr achten solltet.

    Habt ihr in eurem Verein schon mal versucht, ein Ehrenamt zu besetzen – und es ließ sich partout niemand finden?

    Dann seid ihr in guter Gesellschaft, denn so geht es vielen Vereinen. Ohne die engagierte und oft unentgeltliche Arbeit von Freiwilligen könnten die anfallenden Aufgaben oft gar nicht bewältigt werden. Doch Ehrenämter sind nicht leicht zu besetzen, denn in der Regel gibt es mehr zu tun, als Freiwillige leisten können oder wollen. Das führt dann dazu, dass Aufgaben liegenbleiben. 

    Eine Aufwandsentschädigung kann Abhilfe schaffen. Sie sorgt für mehr Interesse an Ehrenämtern und macht es so leichter, offene Stellen zu besetzen. Dadurch werden alle im Verein entlastet. 

    Wie du Aufwandsentschädigungen für deinen Verein nutzen kannst, erklären wir dir in diesem Artikel.

    Was ist eine Aufwandsentschädigung?

    Eine Aufwandsentschädigung ist per Definition eine monetäre Gegenleistung für die Arbeitszeit, die eine Person einem gemeinnützigen Verein zur Verfügung gestellt hat. Gemeint ist dabei konkret die Arbeit, die sie ehrenamtlich für einen Verein geleistet hat. 

    Welche Arten der Aufwandsentschädigung gibt es?

    Es gibt zwei verschiedene Möglichkeiten, den Arbeitsaufwand ehrenamtlicher Helfer*innen mit einer kleinen Summe zu entlohnen. Wir stellen sie dir kurz vor.

    Ehrenamtspauschale

    Eine Ehrenamtspauschale ist eine Aufwandsentschädigung, die für ehrenamtliche Tätigkeit gezahlt werden kann. Dabei ist zu beachten, dass Ehrenamtliche laut §3 Absatz 26a des Einkommensteuergesetzes nur maximal 840 Euro pro Jahr (Stand 2022) steuerfrei mit einer solchen Pauschale verdienen dürfen. Das sind etwa 70 Euro pro Monat. Alles darüber muss versteuert werden.

    Übungsleiterpauschale

    Eine Übungsleiterpauschale stellt dagegen besondere Anforderungen an die Tätigkeit. Als Übungsleiter*in darf nur pauschal entschädigt werden, wer einer ehrenamtlichen pädagogischen, künstlerischen oder pflegerischen Tätigkeit in einem Verein nachgeht. Dazu zählen unter anderem Trainer*innen, Dozent*innen, Betreuer*innen, Ausbilder*innen, Erzieher*innen oder Pfleger*innen. 

    Sie dürfen im Jahr bis zu 3.000 Euro steuerfrei (§3 Absatz 26 EstG) dazu verdienen. Was darüber hinausgeht, muss wie bei der Ehrenamtspauschale auch versteuert werden. 

    Welche Voraussetzungen gelten für Aufwandsentschädigungen?

    Nicht jede Person darf eine Aufwandsentschädigung bekommen. Es gibt einige Voraussetzungen und Einschränkungen, die ihr beachten solltet.

    Vorstand ist ausgenommen

    Vorstände sind generell “unentgeltlich tätig”, so sagt es §27 Satz 3 des BGB. Damit ist der Vorstand von Aufwandsentschädigungen erst einmal ausgenommen. 

    Um dem Vorstand doch eine Entschädigung für seine geleistete Arbeit zahlen zu können, muss in der Satzung eine entsprechende Regelung festgehalten werden. Das gilt ebenso, wenn Pauschalen an Helfer*innen gezahlt werden sollen, die nicht zum Vorstand gehören. 

    Arbeit muss im Nebenerwerb stattfinden

    Wer eine der pauschalen Aufwandsentschädigungen beziehen möchte, darf nur nebenberuflich im Verein tätig sein. Die Person kann also nicht Vollzeit im Verein arbeiten und die über die Ehrenamtspauschale hinausgehenden Einnahmen einfach versteuern. 

    Als Faustregel gilt: Sie darf nur maximal ein Drittel der Zeit, die sie für ihren Hauptberuf aufwendet, im Ehrenamt tätig sein.

    Ehrenamt muss dem richtigen Zweck dienen

    Eine Pauschale darf nur gezahlt werden, wenn das Ehrenamt einem gemeinnützigen, mildtätigen (Unterstützung einzelner Hilfsbedürftiger) oder kirchlichen Zweck dient.  

    Entsprechend darf ein Ehrenamt nur in gemeinnützigen, kirchlichen oder öffentlich-rechtlichen Körperschaften (z. B. auch Schulen und Universitäten) pauschal entschädigt werden.

    Daraus folgt, dass eine ehrenamtliche Tätigkeit keinem kommerziellen Zweck dienen darf. Betreiber*innen der Vereinskneipe oder Verantwortlichen für Sponsoren steht keine Ehrenamtspauschale zu.

    Aufwandsentschädigung ist an die Tätigkeit gebunden

    Eine Ehrenamts- oder Übungsleiterpauschale darf für eine konkrete Tätigkeit auch nur einmal gezahlt werden. Wenn also der Vereinsrasen von einem ehrenamtlichen Helfer gemäht wird, kann für diese Tätigkeit kein zweites Ehrenamt vergütet werden. 

    Es ist daher stets ratsam, in Ehrenamtsverträgen die genauen Tätigkeiten festzuhalten.

    Pauschalen gelten nur einmal pro Jahr und Person

    Der Freibeträge von 840 Euro bzw. 3.000 Euro dürfen nur einmal pro Jahr geltend gemacht werden. Wenn eine Person also in mehreren Vereinen ehrenamtlich hilft, darf sie nur in einem Verein eine Aufwandsentschädigung in Anspruch nehmen.

    Aufwandsentschädigung vs. Aufwendungsersatz

    Achtung: Verwechselt die Aufwandsentschädigung nicht mit dem Aufwendungsersatz (auch Aufwandsersatz). Ein Aufwendungsersatz steht grundsätzlich jedem zu, auch dem Vorstand, wenn im Interesse des Vereins Auslagen entstanden sind. Dazu gehören zum Beispiel:

    • Nutzung des privaten Fahrzeugs
    • Nutzung des privaten Telefons
    • Versandkosten
    • Kosten für Reise und Unterbringung

    Wenn du beispielsweise mit dem privaten Fahrzeug zu einem Kongress eines Dachverbandes fährst und dafür in ein Hotel eincheckst, kannst du dir die Kosten vom Verein in der Regel erstatten lassen. Es darf aber niemals die Arbeitszeit erstattet werden, sondern nur die reine finanzielle Aufwendung. 

    Fazit: Aufwandsentschädigung oder doch Hauptamt – Was ist sinnvoll?

    Ein Ehrenamt ist immer ein freiwilliges Engagement. Nicht jede*r hat ausreichend Zeit und Kraft, sich neben dem Hauptberuf und privaten Verpflichtungen noch unentgeltlich für einen guten Zweck einzusetzen. Das merken auch viele Vereine, denn für sie wird es immer schwieriger, ihre Ehrenämter zu besetzen.

    Eine Aufwandsentschädigung kann einen Anreiz bieten, doch noch aktiv zu werden. Durch den Obolus fühlen sich Freiwillige in ihrem Einsatz wertgeschätzt und können ihr Gehalt ein wenig aufstocken. Und je mehr Ehrenämter ausgefüllt werden, desto ausgeglichener sind die Aufgaben im Verein verteilt, was allen zugutekommt. 

    Bei einer Einsatzzeit von weniger als fünf Stunden pro Monat macht eine Aufwandsentschädigung allerdings wenig Sinn. Der bürokratische Aufwand für euren Verein würde den Nutzen wahrscheinlich übersteigen. 

    Bei einem Engagement, das fünf Stunden pro Woche übersteigt, könnt ihr auch über ein Hauptamt nachdenken. Ein Minijob ist beispielsweise mit einer Ehrenamtspauschale kombinierbar. Es muss dann ein Anstellungsvertrag mit dem Verein geschlossen werden. Gleiches gilt für den Arbeitnehmerpauschbetrag von 1.000 Euro jährlich, wobei für dieses Konstrukt keine andere Anstellung vorhanden sein darf. 

    Es sind aber auch Teilzeit- oder sogar Vollzeitstellen denkbar. Viele größere Vereine haben besondere Vertreter ernannt, die je nach Aufgabenverteilung im Verein bestimmte Verantwortungsbereiche in einem Anstellungsverhältnis übernehmen. Das könnten beispielsweise die Geschäftsführung oder die Öffentlichkeitsarbeit sein. 

    Wenn du wissen möchtest, inwiefern Aufwandsentschädigungen oder Hauptämter in deinem Verein sinnvoll sind, beraten wir dich gern in unserem Programm Hauptamt-Ready.

  • Vom Traum, das Ehrenamt zum Beruf zu machen

    Mehr als zehn Jahre engagierte sich Michael ehrenamtlich in seinem Verein – mit allen Vor- und Nachteilen.

    Mehr als zehn Jahre engagierte sich Michael ehrenamtlich in seinem Verein. Dabei musste er jedoch mehr als nur einmal feststellen, dass er nicht nur an seine zeitlichen Grenzen kam. Warum er sein Engagement gerne zum Beruf machen würde, dass erzählt er im Interview mit Klubtalent.

    Michael Groß steht im Trainingsanzug auf einem Fußballplatz

    Hallo Michael, schön, dass du dir die Zeit für ein Interview mit uns nimmst. Stell dich den Leser*innen doch bitte einmal kurz vor.

    Mein Name ist Michael Groß und ich bin 27 Jahre alt. Zur Zeit studiere ich an der Universität Duisburg-Essen evangelische Theologie und Sozialwissenschaften auf Lehramt.

    Seit meinem 14. Lebensjahr engagiere ich mich ehrenamtlich im Kinder- und Jugendfußball – sowohl als Trainer, als auch auf Vorstandsebene. So wurde ich im vergangenen Jahr vom DFB für dieses Engagement im Rahmen der Aktion „junges Ehrenamt“ als Fußballheld ausgezeichnet und für eine Woche nach Spanien zur Fußballheldenbildungsreise eingeladen.

    Auf Vorstandsebene durfte ich schon zahlreiche Funktionen bekleiden. So hatte ich bereits das Amt des Geschäftsführers, Jugendleiters und des Jugendgeschäftsführers inne.

    Nach dem ich im Jahr 2009 und 2012 meine Trainerlizenzen erfolgreich absolviert habe, bin ich seit Januar 2020 auch im Besitz der DFB Vereinsmanager C-Lizenz mit dem Profil „Gesamtverein“. Neben dem Studium und meiner Liebe zum Fußball bleibt wenig Zeit für andere Hobbys.

    Für welchen Verein warst du tätig? Welche Funktionen hattest du inne?

    Mein ehemaliger Verein ist die DSC Wanne-Eickel Fußballabteilung e.V. aus dem Kreis Herne. Seine erste Herrenmannschaft ist in der 6.Liga, sprich der Verbandsliga, beheimatet. Zur Zeit bietet er drei Senioren- sowie zwölf Jugendmannschaften eine Plattform, sich im Ligabetrieb auf Kreis- und Verbandseben zu messen.

    Neben meiner Trainertätigkeit, wo ich die Jahrgänge 1999 bis 2003 in den verschiedensten Altersklassen und Ligen betreuen durfte, hatte ich dort auch verschiedene Vorstandsfunktionen inne. Wie bereits geschildert durfte ich als Geschäftsführer, Jugendleiter und auch als Jugendgeschäftsführer den Fußballverein verwalten und mitgestalten. 

    Insbesondere war ich als Geschäftsführer und auch als Jugendleiter für den Bereich Finanzen und Passwesen + Mitgliederverwaltung zuständig. Dazu gehörten die Buchhaltung der Barkasse und die Kontoführung. Der Bereich Mitgliederverwaltung und Passwesen war natürlich der umfangreichste Bereich. Hier musste ich die Daten der Mitglieder verwalten und pflegen, sowie die Spieler an- und auch entsprechend abmelden. Aber auf diesem Gebiet fühlte ich mich sehr schnell sehr wohl und konnte mir dadurch auch schnell Fachwissen in diesen Bereichen aneignen.

    Insgesamt war ich über zehn Jahre dort tätig. 2009 bin ich dort heimisch geworden. Zuvor arbeitete ich als Jugendtrainer bei meinem Heimatverein, dem VFB Günnigfeld 11/26 e.V. in Bochum-Wattenscheid.

    Über zehn Jahre ist eine lange Zeit. Wieso hast du dich überhaupt dazu entschieden, ehrenamtlich im Sport zu arbeiten?

    Geprägt durch mein Elternhaus, insbesondere durch meine Mutter, lernte ich die ehrenamtliche Arbeit mit Kindern- und Jugendlichen kennen und vor allem zu schätzen. Daher reifte bereits sehr früh der Wunsch in mir, der Gesellschaft etwas zurückzugeben und die Kinder- und Jugendlichen zu unterstützen. Und da ich bereits sehr früh Fußballfan und Vereinsmitglied war, stand der Wunsch mich auf dieser Ebene zu engagieren schnell fest.

    Welche Vorteile bringt die Arbeit als Ehrenamtlicher denn mit sich – sowohl für dich persönlich als auch den Verein?

    Man erhält sehr schnell einen guten und vor allem freundschaftlichen Zugang zu einer großen Maße von Menschen. Daher kann man sehr schnell, sehr gute Kontakte knüpfen. Diese lassen sich sowohl im privaten als auch im beruflichen Bereich sehr gut kombinieren. Des weiteren ist das ehrenamtliche Engagement bei der Jobsuche ein enormer Vorteil und sofort ein Gesprächsaufhänger. Und außerdem gibt es nicht schöneres als Gesellschaft etwas zurückzugeben und mit Gleichgesinnten eine tolle gemeinsame Zeit zu verbringen. Für die Vereine sind die Ehrenamtler der Motor oder das Benzin. Ohne „uns“ funktioniert wirklich gar nichts. Viele Vereine haben aufgrund von begrenzter Mitgliederkapazitäten oder finanziellen Mitteln gar nicht die Möglichkeit auf Hauptamtliche zurückzugreifen. Daher bringt das Ehrenamt eine große Verantwortung mit sich, aber bringt einem auch so unglaublich viel und ist für die Vereine sehr wichtig.

    Und wie viele Stunden monatlich hat deine ehrenamtliche Arbeit in Anspruch genommen?

    Die Zeit, welche mir zur Verfügung stand, hat dafür eigentlich gar nicht gereicht. Auf diese Situation trifft man sehr oft bei einem ehrenamtlichen Engagement. So habe ich neben meinem Studium durchschnittlich gut und gerne bis zu 5 Stunden täglich mit meinem Ehrenamt verbracht. Aber es war gerne auch mal das doppelte und am Ende des Tages ist die Stundenzahl des Einsatzes kaum zu beziffern.

    Hattet ihr keine Hauptamtlichen im Verein, die dich dort etwas entlasten konnten?

    Als Amateurverein hatten wir keine hauptamtlichen Angestellten. Alle Mitstreiter im Vorstand haben ihre Funktionen ehrenamtlich ausgeübt. Die Aufteilung war sehr klassisch gehalten und an den Aufgabenfeldern des Vorsitzenden, Jugendleiters, Geschäftsführers und des Kassierers orientiert. So war der Vorsitzende bzw. Jugendleiter für die Führung des Vorstandsteams, der rechtlichen Vertretung des Vereins sowie für alle repräsentativen Aufgaben zuständig. Der Geschäftsführer hat die Mitgliederverwaltung und das Passwesen übernommen und der Kassiere war für die Buchhaltung in Zusammenarbeit mit dem Geschäftsführer zuständig. Wir haben aber nur sportliche Leiter und einen Vertreter für den Bereich Marketing und Werbung in unser Gremium berufen. Die sportliche Leitung hat sich um den sportlichen Bereich gekümmert. Sprich Spieler, Trainer und Gestaltung des Trainings und der Spieltage und unser Marketingleiter war für das Sponsoring und unsere Internetauftritt sowie für Social Media zuständig.

    Gelang es euch trotzdem größere Ziele und Projekte umzusetzen?

    Wir konnten durch die Verpflichtung von qualifizierten Übungsleitern die Trainingsqualität deutlich nach oben schrauben, sodass uns in den vergangenen Jahren einige Aufstiege in die nächst höheren Spielklassen gelungen sind. Das war für mich ein großer Erfolg und hat unserem Verein ein gutes Image verschafft. Auch Unternehmen und damit potenziellen Sponsoren wurden auf uns aufmerksamer. Gerne hätte ich diese sportliche Professionalisierung vorangetrieben und weitere Experten für die verschiedenen Fachbereiche verpflichtet. Sprich beispielsweise Athletiktrainer, Physiotherapeuten und auch eine Installation eines Fahrdienstes. Dieses ist aber an den finanziellen Mitteln gescheitert. Um einen solchen Fortschritt zu gestalten und in die Wege zu leiten, wären auch die Aufgaben auf Vorstandsebene mitgewachsen. Hier wäre es auch kaum möglich gewesen, dies noch im Ehrenamt zu bewältigen. Im Zuge dessen wäre eine hauptamtliche Kraft sicherlich eine enorme Bereicherung gewesen.

    Du erwähntest bereits, wie viel Zeit und Energie du in deine Tätigkeit investiert hast. Trotzdem hast du nun bei deinem Verein aufgehört. Wie kam es dazu?

    Leider hat die fehlende Wertschätzung meiner Arbeit dazu geführt, dass ich mich im Januar diesen Jahr nicht mehr zu Wiederwahl gestellt habe. Menschen, mit welchen ich jahrelang vertrauensvoll zusammengearbeitet hatte, begegneten mir nicht mehr mit dem nötigen Respekt. Eine weitere Zusammenarbeit war nicht mehr möglich und durch die Veränderung der Verhaltensweisen auch deutlich spürbar. Doch die vielen schönen Momente des Ehrenamts und insbesondere die Erfolge, die man feiern konnte, überwiegen. Daher bin ich zuversichtlich mich bald wieder engagieren zu können und zu wollen.

    Gab es noch weitere Herausforderungen als Ehrenamtlicher?

    Rückblickend betrachtet kann ich sagen, dass die Verantwortung eine große Herausforderung war. Trotz einer ehrenamtlichen Tätigkeit, war meine Funktion mit einer großen Verantwortung verbunden. Es gab Situationen, da hat man sich selbst unter Druck gesetzt und hat auch deutlich den Stress gemerkt, wenn eine wichtige Entscheidung getroffen werden musste.

    Was hättest du dir für deine Tätigkeit gewünscht?

    Wie ich in der vorangegangenen Frage bereits erläutert habe, ist die ehrenamtliche Tätigkeit auch immer mit einer gewissen Verantwortung befunden. Deshalb sage ich ganz klar, dass die Ehrenamtlichen davon profitieren können, da sie entlastet werden. Durch die Schaffung einer hauptamtlichen Stellen, lassen sich die Aufgabenfelder wieder ein Stück mehr und vor allem effektiver verteilen und so nimmt man auch Stresssituationen von den Ehrenamtlern. Denn es gibt Aufgaben, welche dringend erledigt werden müssen aber nicht können, da der eigene Beruf zeitlich immer vorgeht. Hier könnte ein Hauptamtlicher definitiv Abhilfe schaffen.

    Könntest du dir denn selbst vorstellen, dein Ehrenamt zum Beruf zu machen?

    Definitiv! Wer träumt denn nicht davon, sein Hobby zum Beruf zu machen? Ich habe die Arbeit im Ehrenamt bereits kennengelernt und kann mir schon ganz genau vorstellen, wie viel zusätzliche Energie und Zeit ich aufgrund der Hauptamtlichkeit noch zur Verfügung hätte, um entsprechend neue Projekte anzustoßen. Ich könnte auch noch effektiver arbeiten, da kein Spannungsfeld zwischen dem Beruf und dem Verein bzw. den zu erledigenden Aufgaben mehr besteht.

    Du würdest dir also wünschen, dass mehr Vereine auf das Hauptamt setzen?

    Wie bereits erwähnt, bin ich ein großer Freund von hauptamtlichen Stellen. So lässt sich die Arbeit besser und vor allem effektiver erledigen und aufteilen. Das größte Problem bleibt dennoch die Finanzierung. Viele nicht lizenzierte Vereine habe nicht die entsprechenden Mittel hauptamtliche Stellen zu schaffen bzw. auszuschreiben. Die Mitgliedsbeiträge, Sponsoreneinnahmen bzw. eigenständig generierte Einnahmen reichen oftmals nur zum Überleben. Große Extras, außerhalb eines strukturierten Vereinslebens, sind da nicht möglich.

    Also verzichten die meisten Vereine aufgrund mangelnder finanzieller Mittel auf Hauptamtliche? 

    Da muss man ganz ehrlich sein: Ja, meistens sind es die fehlenden finanziellen Mittel. Des Weiteren ist die Schaffung und Pflege einer hauptamtlichen Stelle auch mit einem hohen organisatorischen Aufwand verbunden. Vielleicht fehlt auch ein wenig der Mut, diesen Schritt zu gehen, da es im organisierten Sport noch keine Gewohnheit ist.

    Du bist auch als Vereinsberater tätig. Was sind denn da die häufigsten / größten Probleme, mit denen Vereine auf dich zukommen?

    Die Gewinnung von Mitarbeitern. Insbesondere von Ehrenamtlichen. Viele Vereine berichten, dass es kaum Nachwuchs gebe. Dennoch gibt es wissenschaftliche Studien, welche eine gegenläufige Prognose zeigen. Ehrenamtler sind im organisierten Vereinssport der Motor. Ohne sie, geht kaum etwas. Und daher ist es besorgniserregend, wenn die Vereine keine Mitstreiter in diesem Bereich finden. Um so wichtiger ist es daher, bereits vorhandene Ehrenamtler, an den Verein zu binden. Hier gibt es die unterschiedlichen Möglichkeiten. Aber ein einfaches „Danke“ kostet nicht viel und bedeutet den Ehrenamtlern sehr viel.

    Was würdest du den Vereinen für die Zukunft raten?

    Ich glaube, dass die Vereine sich öffnen sollten. Insbesondere Einsparten-Vereine sollten sich öffnen und ein breites Angebot für ihre Mitglieder schaffen. Ich denke nämlich, dass die Vereine immer einen Mehrwert bieten müssen. So könnte man auch einen Mitgliederschwund entgegenwirken. Wenn mein Vereinsmitglied keinen Spaß mehr am Fußball hat, kann ich ihn vielleicht durch ein zusätzliches Angebot trotzdem im Verein halten. Die heutige Gesellschaft ist sowieso sehr schnelllebig geworden. Deshalb sind starren und strenge Mitgliederregularien nicht sehr hilfreich. Auch hier sollte über ein Kursangebot und damit über flexible Mitgliedsbeiträge nachgedacht werden. So kann man neue Mitglieder für den Verein gewinnen. Des Weiteren sollte man sich Gedanken über seinen Mitgliedsbeitrag machen. Ist dieser noch angemessen? Was nehmen andere Sportarten bzw. Vereine in meiner Umgebung für Mitgliedsbeiträge. Wenn wir einen Fußballverein und einen Golfclub vergleichen, wird uns sehr schnell klar, dass ein Golfclub einen viel höheren Beitrag fordert. Dies soll nicht heißen, dass der Mitgliedsbeitrag dem eines Golfclubs angepasst werden soll, aber eine Erhöhung lässt dem Verein mehr Mittel zur Verfügung stehen. Und durch qualifizierte Trainerinnen und Trainer, kann ich natürlich auch neue Mitglieder gewinnen. Durch das Einnahme plus kann ich dann als Verein auch die Qualifizierungskosten meiner Mitarbeiter vollständig übernehmen. Daher sind die 5 oder 6 Euro im Monat wahrscheinlich nicht mehr zeitgemäß und vor allem wirtschaftlich nicht ausreichend.

    Danke für das Interview und die interessanten Einblicke!